Wenn Pferdelust zum Frust wird

Hallo meine Flauschehasen,
da bin ich wieder. So langsam wird das Wetter mehr als nur herbstlich. Es regnet und stürmt, und bei dem Schmuddelwetter möchte man doch am liebsten Daheim bleiben. Oft hat man wenig Lust auch nur einen Zeh über die Bettkante hinaus zu strecken, geschweige denn sich selber zum Stall zu bewegen. Der Gedanke ans heimische Sofa, frischgebackene Kekse und ein heißer Kakao ist verführerischer, als die Stallarbeit bei Kälte und Regen die auf einen wartet.

Und so passiert es dann:
Ganz langsam still und heimlich pflanzt sich die Unlust ein.
Etwas an das man früher nie gedacht hätte. Schließlich liebt man seine Pferde. Abäppeln, Erdferkel wieder zu Pferden bürsten, Zäune flicken, in der Dunkelheit für das Training verladen. All das hat uns früher nie etwas ausgemacht.
Im Gegenteil wir waren stolz darauf, wie leicht uns diese Arbeiten von der Hand gingen, über die andere Personen oft stöhnten.
Dennoch ist es wie eine Grippe – irgendwann erwischt es jeden!
Das Schlimme ist, dass man sich diese Unlust oder eher Pferdefrust, meist überhaupt nicht eingestehen will. Man meint schon fast, dass man sich deswegen schämen muss. Schließlich investiert man so viel Zeit, Geld und Arbeit in dieses Hobby. Oft mussten wir Kämpfe gegen Familie, schlechte Ställe und andere Widrigkeiten ertragen. Und dann kommt man sich undankbar vor, wenn einen die Unlust überfällt.
Es kommen Selbstzweifel auf, eventuell auch Vorwürfe von der Familie à la »Du wolltest doch ein Pferd, warum kümmerst du dich nicht / reitest du denn nicht?«
Irgendwann fühlt man sich wie eine Mutter, die ihr eigenes Kind im Bastkörbchen im Fluss ausgesetzt hat und quält sich trotz Frust zu seinem Pferd. Was nur noch mehr dafür sorgen wird, dass man sich noch schlechter fühlt.

Meine lieben Pferdefreunde, lasst euch gesagt sein: Ihr seid nicht allein!
Jeder von uns hat diese Phase, in der man keine Lust hat. In der man das geliebte Pferd auf den Mond wünschen möchte.
Phasen, in denen man lieber etwas anderes machen möchte, als den täglichen Trott im Stall.
Und niemand hat das Recht, euch deswegen fehlende Pferdeliebe vorzuwerfen! Uns allen ergeht es irgendwann einmal so. Die Frage ist, wie man mit dieser Situation umgeht.

Vogel Strauss Taktik?
Den Kopf in den Sand stecken? Die eigenen Bedürfnisse ignorieren und sich trotzdem zum Stall schleppen?
Dort unmotiviert mit einem Pferd arbeiten, das die Unlust deutlich spürt?
Ich halte das für den falschen Weg.

Sinnvoller ist es erst einmal die Gründe zu erforschen. Warum hat man plötzlich keine Lust mehr?

Zum Beispiel:

  • ein schlechtes Stallklima
  • schlechte Trainingsbedingungen
  • Winterblues bei Pferd und Reiter
  • das Wetter
  • Trainings Rückschläge
  • keine Freunde im Stall
  • schlechte Haltungsbedingungen
  • Ärger mit den Stallbesitzern, der Reitbeteiligung/Besitzer
  •  Stress auf der Arbeit/Daheim

Es gibt viele Gründe, die einem die gute Laune am Stall verderben können. Sicher kann man nicht alle abstellen, aber einen Großteil kann man ändern, wenn man das Problem erst ergründet hat.

So kann man zum Beispiel:

  • Ein schlechtes Stallklima wieder aufwerten, wenn man selber versucht, die Wogen zu glätten. Ein klärendes Gespräch mit Kakao und Kuchen kann ungemein hilfreich sein. Ebenso das man selber auf neue Personen im Stall zu geht und sie herzlich empfängt.
    Ist das Stallklima aber zu fest gefahren, und keine Klärung mehr möglich, sollte man einen Stallwechsel in Betracht ziehen. Denn ein glückliches Pferd braucht auch einen glücklichen Besitzer.
  • Der Winterblues trifft uns alle. Wichtig ist hier die passende Kleidung. Kuschelig warm, aber wind- und regendicht ist ein Muss. Denn wenn einem der Poppes am Stall weg friert und die Füße nass werden, dann ist kein Wohlbefinden mehr möglich.
    Hilfreich ist auch neben der passenden Kleidung immer eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Kakao parat zu haben. Dazu ein paar Plätzchen, und die Stallarbeit ist nur halb so schlimm.
    Ein paar Lichterketten und Weihnachtsgestecke machen dann die Stallatmosphäre umso heimeliger und lassen uns das Schmuddelwetter fast vergessen.
  • Trainingsrückschläge erlebt jeder einmal. Und manchmal nistet sich der Gedanke des Versagens in den Gehirnwindungen ein. Hier muss man aber so selbstkritisch sein und erkennen das niemand perfekt ist. Jeder benötigt auch einmal Hilfe. Und nicht immer ist ein Alleingang sinnvoll, egal wie gut vorab immer alles gelaufen ist. Von daher holt euch einen Trainer dazu. Nicht weil ihr schlecht reitet oder ausbildet, sondern um neue Wege zu gehen.
  • Zuviel Arbeit, auch das bringt so manche Selbstversorgung oder der Winter mit sich. Sachen, über die wir früher gelächelt haben, werden auf einmal zur Last. Irgendwann ist man es Leid zum x-ten Mal einen Zaun zu flicken, im Matsch abzuäppeln, oder ein nass verschlammtes Pferd zu säubern.
    Hier ist Arbeitserleichterung der beste Weg gegen den Frust. Sichere Zäune kann man entweder bauen, oder von einer Firma setzen lassen.
    Gegen den Matsch helfen zum Beispiel Paddockplatten. Heunetze, die man auf mehreren Stationen vorbereitet, erleichtern den Arbeitsaufwand. Und bei dem Schlammschweinpferd kann ein Pflegemädchen oder eine kostenlose Reitbeteiligung eine Entlastung sein.
  • Eine Pferdepause – auch eine liebende Pferdemutti braucht einmal Urlaub.
    Hier kann und darf auch ein Pferdebesitzer eine Auszeit nehmen. Wichtig ist nur, dass die Versorgung des Pferdes geregelt ist. So kann dies ein Stallbesitzer, eine Reitbeteiligung, eine Pflegerin oder ein professioneller Pferdenanny-Dienst erledigen.
    Dies sollte natürlich entsprechend entlohnt werden, verschafft einem aber eine Pause in dem Gewissen, das sein Pferd dennoch gut versorgt ist.
  • Ein Besuch im Reitgeschäft – hört sich wenig spektakulär an, hilft aber ungemein.
    Der Moment, in dem ein Reiter ein Reitgeschäft besucht, ist immer wieder wundervoll. Man betritt den Laden und der Geruch nach Leder, Pferdefutter oder Sattelfett umhüllt einen. Ehe man sich versieht streichen die Hände über Decken und nehmen Halfter in die Hand. Das eine oder andere Produkt wird auf jeden Fall den Weg nach Hause finden. Und dann ist sie da, die Motivation diese neue Errungenschaft auch an seinem Liebling zu testen.
  • Ein Stallwechsel – manchmal bleibt man nur wegen seinem Pferd an einem Stall, der einem den letzten Nerv raubt. Denn während das Pferd gut versorgt ist, kosten einen Stallbesitzer, nervige Miteinstaller, eine schlechte Verkehrsanbindung oder fehlende Trainingsbedingungen den letzten Nerv.
    Natürlich steht das Wohlbefinden des Pferdes an erster Stelle, aber man sollte sich selber dabei nicht vergessen. Denn wenn man selber keine Motivation findet, und nur noch frustriert zu seinem eigenen Pferd fährt, oder sich gar nicht erst aufraffen mag, dann ist ein Stallwechsel keine schlechte Idee.

Ich denke ihr wisst nun worauf ich hinaus will. Statt sich wegen dem Pferdefrust zu schämen, sollt ihr das Problem analysieren und überlegen, was sich verbessern lässt. Denn ist auch nur ein kleiner Teil des Frusts beiseite geschafft, werdet ihr erleben, dass ihr euch besser fühlt.

In diesem Sinne, jeder von uns kann von Pferdefrust erfasst werden, und es ist keine Schande dies zuzugeben. Wir sind alle Menschen, die ihre Pferde lieben. Die sich aufopfern, viel Arbeit, Zeit und Geld für ihre Lieben opfern und sich oft genug selbst vergessen. Wenn ihr in dieser Situation seid, dann analysiert das Problem. Lässt es sich beheben dann arbeitet daran. Lässt es sich nicht beheben, gönnt euch eine Pause. Solange euer Pferd gut versorgt ist, ist alles in Ordnung. Und hier muss niemand die Übermutti raushängen, die Versorgung können auch andere Personen übernehmen. 😉

Ich wünsche euch Motivation, Lust und die Hoffnung, dass nach schlechten Tagen auch immer wieder gute Tage kommen.
Flauschige Grüße
Celeste

Unlust

 

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