Wenn die Ferne ruft

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, es ist euch gut ergangen in dieser wirklich wundervoll sonnigen Woche? Dieses Wetter lädt ja angeblich zum Reisen ein und so habe auch ich einen kleinen Tagesausflug hinter mir. Nicht das ich Ausflüge wirklich mag, denn ich verlasse nur ungerne mein Heim und meine Tiere. Meist sind solche Touren ja auch mit langen Autofahrten verbunden. Und ich gebe gerne zu, dass ich zwar gut und sicher Auto fahre, aber fremde Strecken oder gar Autobahnfahrten tunlichst vermeide. Gut ich hatte Glück, bei unserem Kurzausflug übernahm ein Freund der Familie den Fahrdienst, mein Mann die Navigation und ich konnte mich mehr oder minder entspannt zurücklehnen und die Bordverpflegung übernehmen.
Von dieser Art zu reisen, lasse auch ich mich dann gerne überzeugen. 😉

Natürlich ist es bei den Pferden nicht anders, auch bei ihnen steht ab und an eine Reise an, so zum Beispiel:

  • zu einem neuen Besitzer
  • einem neuen Stall
  • Tierklinik
  • Urlaub mit Pferd
  • abgelegene Weiden
  • Tagesausflüge
  • Turniere/Schau
  • Lehrgänge

Usw.

Und vor so einer Reise sollte natürlich immer ein gutes Pferdeanhänger- und Transportertraining anstehen. Denn wir wissen zwar was es mit dem Reisegefährt auf sich hat, für Pferde sind Transporter und Anhänger aber gruselige Höhlen die sich bewegen und seltsame Geräusche von sich geben. Kein Wunder das die meisten Pferde nicht unbedingt wild darauf sind, diese zu betreten.
Von daher ist ein Anhängertraining ein Muss vor dem ersten Verladen. Hier kann man über die Bodenarbeit eine gute Vorarbeit leisten, und mit Rampen und Gassen als Training den späteren Einstieg deutlich erleichtern. Auch tägliche Fütterungen im Hänger können diesen deutlich attraktiver erscheinen lassen. Hier ist aber immer darauf zu achten, dass der Pferdehänger über ein Zugfahrzeug gesichert ist, damit dieser nicht wackeln/kippen kann.
Ist man sich selber im Training unsicher dann sollte man einen guten Bodenarbeitstrainer zu Rate ziehen. Sich helfen lassen ist keine Schande! Abzuraten ist von Ratschlägen mit diversen Longen, Gerten, treibenden Gassen oder Zwang. Denn nur weil man das Pferd in den Anhänger zwingt, bleibt es deswegen dort nicht automatisch friedlich. Und ein zerlegter Hänger, wie ein verletztes Pferd, sind nun wirklich nichts was man sich wünscht. Von daher übt bitte mit Zeit und Ruhe und notfalls einer Person vom Fach die euer Pferd langsam an diese Situation heranführt.
Von Beruhigungsmitteln rate ich ebenso ab, denn ein Pferd sollte Herr seiner Sinne sein, um sich entsprechend ausbalancieren zu können. Ein Pferd das zugedröhnt ist mag vielleicht rosa Flauschehasen sehen, aber steht in den Kurven nicht sicher auf den Beinen. Und ein umgekipptes, festgelegtes Pferd aus dem Anhänger zu befreien, ist ähnlich erstrebenswert wie eine Zahnwurzelbehandlung von der Fleischereifachverkäuferin. Von daher Finger weg von den Drogen, trainiert lieber vernünftig.

Nun ist es sinnvoll sich für ein Transportmittel zu entscheiden.
Hänger oder Transporter?

Anhänger sind meist deutlich einfacher zu bekommen als Transporter. Bei häufigen Fahrten lohnt sich natürlich der Kauf eines eigenen Anhängers. Fährt man nur seltener ist ein Mietanhänger eine gute Wahl. Viele Anhängerverleihe bieten inzwischen auch Pferdeanhänger an, welche man Tage- oder Wochenweise ausleihen kann. Bei wenigen Fahrten im Jahr ist das meist günstiger als Wartung, TÜV und Stellplatzkosten für einen eigenen Hänger.

Der Transporter hat gegenüber dem Pferdehänger allerdings deutliche Vorteile:

  • Es passen meist mehr als 2 Pferde rein.
  • Trennwände sind meist variabel und lassen sich auch zu kleinen Boxen umbauen. (Kranken/Fohlen/Ponyboxen)
  • Die Rampen sind breiter und meist mit Seitengattern versehen.
  • Die Pferde können zum Ausladen oft gewendet werden und müssen nicht rückwärts raus.
  • Man hat bei einem Unfall mehr Knautschzone.
    (Bei einem Auffahrunfall sitzt das Auto hinter einem gleich im Hänger)
  • Die Fahrt im Transporter ist schonender für die Beine und den Allgemeinzustand, da die Vibrationen während der Fahrt deutlich geringer sind als in einem Anhänger. Lange Fahrten sind somit weniger belastend, was gerade kranken, alten oder verletzten Pferden sehr zugute kommt.
  • Allerdings brauchen die meisten Transporter auch einen Fahrer mit einem entsprechenden Führerschein. Das heisst man kann zwar einen Pferdetransporter ausleihen, allerdings muss der Fahrer dieses Fahrzeug dann auch führen dürfen.

Aber muss man wirklich immer selber fahren?
Es gibt ja Menschen die sind begnadete Autofahrer. Es gibt auch Menschen, die sind begnadete Anhängerfahrer … Doch ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich fahre gerne und sicher Auto, ich liebe meinen Puschel. Ja, mein Auto hat einen Namen und heißt deswegen Puschel, weil er hinten einen Puschel hat, eine Anhängerkupplung. Diese bleibt aber definitiv ungenutzt, denn auch wenn ich laut meinem Führerschein mit einem Anhänger fahren darf, so weiß ich doch ,wo meine Grenzen sind.
Es ist ja nicht nur die Fahrt alleine, sondern auch Engpässe oder rückwärts einparken mit Anhänger, was Schwierigkeiten bereiten kann. Und mit einem Pferd an Bord kann ein zu schnelles Bremsen, eine zackige Kurve oder eine zu schnell genommene Bodenschwelle den Spaß an der Fahrt schnell vermiesen.
Hängerfahren muss also wirklich geübt werden und Hängerfahren mit Pferd erst recht. Denn nur wenn wir es sicher, ruhig und vernünftig von A nach B bringen, wird es uns dann beim Ausstieg nicht den Fuckhuf zeigen, mit einem deutlichen ›da steig ich nie wieder ein‹ Gesicht.
Will man also selber fahren ist ein Anhängertraining sehr sinnvoll. Der ADAC bietet zum Beispiel verschiedene Kurse an, aber ebenso auch verschiedene Fahrschulen die den Bedarf an Anhängertraining erkannt haben.

Natürlich bieten auch Freunde und Verwandte oft ihre Dienste an. Mit den Worten ›das Geld kannst du dir sparen, wenn ich fahre‹ wollen sie einem eigentlich nur Gutes tun. Allerdings gibt es viele Autofahrer, die wirklich gut Anhänger fahren können und vielleicht sogar jeden Sommer mit dem Wohnwagen durch Europa zuckeln, aber mit einem lebenden Pferd im Gepäck überfordert sind. Ist der nette Helfer also noch nie zuvor ein Pferd gefahren sollte man dankend ablehnen. Ist er schon mit Pferde gefahren ist dennoch ein genauer Blick auf die Fahrweise angeraten. Ist dieser ruhig und besonnen dann kann man natürlich auf das Angebot zurückgreifen.

Will man nicht selber fahren, kann man natürlich ein Transportunternehmen beauftragen. Das bietet viele Vorteile denn Pferdespeditionen:

  • Arbeiten meist mit großen Transportern statt Hänger. (Vorteile siehe oben)
  • Sind meist während der gesamten Fahrt videoüberwacht.
  • Arbeiten meist mit einer Begleitperson.
  • Sind versiert im Umgang mit nervösen Pferden.
  • Sind versichert
  • Holen und bringen Pferde, ohne das man dabei sein muss.

Gerade bei großen Strecken lohnt sich oft ein Transporteur. Zum Beispiel wenn man ein Pferd kauft das viele 100te Kilometer weit entfernt steht. Man lässt es sich quasie liefern, statt selber die Strecke doppelt zu fahren. Zudem kann man die Zeit nutzen und Daheim die Box/Offenstall herrichten, statt selber vielleicht im Stau zu verweilen.

Ich nutze eigentlich immer Transporteure, es gibt da die verschiedensten Anbieter und ich habe nie schlechte Erfahrungen gemacht. Zudem ist so eine Fahrt für mich ziemlich nervenaufreibend, während es für die Speditionen ein Routine-Job ist. Sie sind erfahren, eine zweite Person hat über die Kamera ein Auge auf das Pferd und häufig bekommt man auch Zwischenmeldungen aufs Handy. Für mich eine wirklich gute Lösung, weiß ich meine Fahrkünste doch selbstkritisch einzuschätzen.

Nun, wenn man sich für ein Pferdetaxi entschieden hat, dann sollte man noch eines bedenken: die passende Reisekleidung.
Auch die erfahrensten Pferde sollten immer eine dem Wetter entsprechende Decke tragen. Entweder eine Abschwitzdecke oder wenigstens eine leichte Fliegendecke im Sommer. Denn Reisen ist oft aufregend und Pferde schwitzen schnell. Um allen Eventualitäten aus dem Weg zu gehen, ist eine leichte Decke mit Sicherheitsverschlüssen eine gute Wahl. Halfter und Strick muss ich sicher nicht extra erwähnen, denn ein Pferd sollte im Anhänger wie auch Transporter gesichert werden. Denn mag die Rosinante noch so brav und träge im Hänger sein, auch sie kann sich im Falle eines Unfalles erschrecken. Und wenn man dann ein unangebundenes Pferd Not ausladen muss, dann macht das ohne Halfter keine Freude.
Nicht zu vergessen sind passende Transport- oder Fesselkopfgamaschen. Auch ein wirklich Reise erfahrenes Pferd sollte diese aus Sicherheitsgründen tragen. Von einer Rampe kann man schnell abrutschen, und die Verletzungen davon können  ein Pferdebein ein Leben lang beeinträchtigen.
Von daher achtet bitte auf eine passende, gut sitzende und bequeme Reisekleidung. Zudem ist fehlende Reisekleidung doch eine hervorragende Begründung für den ein oder anderen Shoppingausflug. 😉

Ich selber nutze wie gesagt nur Speditionen oder befreundete Züchter für meine Transporte. Denn ich überlasse so etwas eindeutig lieber den Profis, lehne mich zurück und nutze die Zeit anderweitig, während meine Pferde gut versorgt sind.

So wünsche ich euch und euren Pferden viel Spaß auf euren Reisen. Kommt mir immer heil und gesund an euren Zielen an. Und wenn ihr euch selber nicht stressen wollt dann lasst euch fahren, denn ab und an ist ein Taxi wirklich erholsam.

Flauschige Grüße
Celeste

 

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