Wenn der Anreiz zum Zwang wird

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.
Ich hoffe, ihr alle habt die Faschingstage, aber auch die orkanartigen Stürme gut überstanden?
Dieses Wetter ist wirklich unerträglich, und so langsam habe ich den Eindruck meine Pferde mutieren zu Seepferdchen. Da habe ich mich doch glatt erwischt, wie ich mitten im Platzregen über die Paddocks wate, und dabei »Unter dem Meer« singe …
Wahrscheinlich sah ich in meiner Regenkleidung und der vom Winde verwehten Frisur aber eher aus wie Ursula die Meerhexe. Aber was macht man nicht alles, wenn die Bande lieber draußen statt drinnen fressen möchte. So serviere ich dann eben auch bei Regen und Sturm nicht nur drinnen, sondern auch draußen das Heu.

Und wenn ich dann klatschnass, heuverklebt und dreckig wie ein Ferkel nach Hause komme, und nach der wohlverdienten Dusche durch das Internet zappe, dann fällt mir folgendes auf: Immer wieder lese ich von neuen Erfindungen und Errungenschaften, Ideen und Plänen um Pferden neue Anreize zur Beschäftigung zu bieten.
An für sich eine tolle Idee, schließlich sind wir ja für das Allgemeinwohl unserer Pferde zuständig. Da wir die Haltung und die Fütterung samt Beschäftigungsprogramm planen, sind neue Ideen also immer wieder gut.
Allerdings gibt es so manche Ideen, die in meinen Augen über das Ziel hinaus schießen.
Eine gute Idee sind zum Beispiel Heunetze.
Diese sorgen für eine gut portionierbare Heumenge, die man darin gut vorbereiten, abwiegen, wässern oder transportieren kann. Mit verschiedenen Maschenweiten kann man die Futterdauer auch hinaus zögern, wenn dies nötig oder gewünscht ist.
Je kleiner also die Maschenweite der Heunetze, umso länger ist das Pferd beschäftigt. Das ist eindeutig eine gute Sache. Denn so kann man Pferden die auf Diät leben eine längere Fresszeit bescheren, und lange Pausen, die dem Magen schaden würden, vermeiden.
Schwierig wird es aber, wenn die Maschen immer kleiner werden, die Netze doppelt und dreifach ineinander gelegt, oder beweglich an wandernden Hängeständern Spielzeugen oder gar Führanlagen befestigt werden. Diese bieten dann über mehrere Stunden / Tag die einzige Futterquelle, die das Pferd bei Hunger nutzen muss.
Hier wurde in meinen Augen weit über das Ziel hinaus geschossen. Denn in einem solchen Fall wird aus dem vermeintlichen Pausenfüller und Bewegungsanreiz ein Zwang. Und hat das Pferd Hunger, muss es sich diesem Zwang beugen.
So etwas geht in meinen Augen überhaupt nicht, denn Pferde sollten in Ruhe fressen können. Sind diese aber durch zu enge Maschenweiten oder bewegliche Netze frustriert, leiden durch den Stress oft nicht nur die Heunetze, sondern auch der empfindliche Pferdemagen. Gut also das sich manche Hersteller trotz Anfragen weigern Netze mit kleineren Maschen als 3 cm herzustellen. Denn engmaschige Netze sollten wirklich nur an Pferde gegeben werden, denen ausreichend Heu in ruhiger Atmosphäre angeboten wird. Einfach, damit kein Stress entsteht und die Pferde wirklich in Ruhe fressen können.
Bietet man also Heu aus Netzen an, sollte immer gewährleistet sein, dass die Maschenweite wie auch die Fütterung selber so gestaltet wird, dass sie möglichst wenig Stress verursacht. Auch Pferde haben ein Recht darauf in Ruhe und Frieden zu fressen. Das sollte bei allen Wünschen zur Diät oder 24 / 7 Fütterung nicht außer Acht gelassen werden.

Eine weitere Sache, die mir aufgefallen ist, sind die Trailwege.
Trailwege finde ich an und für sich eine super Sache. Sie sorgen für Bewegungsanreize und bieten dem Pferd eine gute Möglichkeit einer langen Laufstrecke, wenn man eigentlich nur wenig Platz zur Verfügung hat.
Aber auch da lese ich immer wieder, wie manche in meinen Augen dann doch ein wenig übertreiben, und aus dem Anreiz ein Zwang wird. Da werden mit Einwegtoren die Trailwege so gestaltet, das wenn das Pferd den Trailweg einmal betreten hat, ihn bis zum Ende durchlaufen muss. Der Rückweg in den Stall ist somit nicht mehr sofort möglich. Und jeder der Pferde kennt weiß, dass auch sie mal gerne vor die Türe gehen, merken das ihnen das Wetter doch nicht zusagt, und sich dann gerne wieder in den Stall verkrümeln. Das ist mit den Einbahnstraßentrails nicht möglich. Egal ob es stürmt, schneit oder Katzen und Hunde regnen: Einmal den Fehler begangen den Einwegtrail zu betreten, muss das Pferd bis zum Ende da durch. Sicher stirbt kein Pferd davon solch einen Weg zwangsmäßig zurückzulegen, aber schön ist eben anders. Und so manchem alten oder kranken Pferd kann man doch ein wenig Bequemlichkeit zu gestehen.

Ebenso Wasserstellen oder Heustellen, die extra weit voneinander aufgestellt werden, damit das Pferd sich bewegen muss.
Hat das Pferd also Hunger oder Durst muss es die Strecke X also auf jeden Fall zurücklegen. Bei manchen Pferden bedeutet dies aber das sie so zum Beispiel deutlich weniger trinken, als wenn das Wasser in der Nähe der Heustation steht.
Für mich ist das keine Option.
Ein Pferd sollte immer die Möglichkeit haben, Hunger und Durst jederzeit und ohne Zwang zu stillen. Gerne kann man einen Trailweg so gestalten, dass er mehrere Futterstationen bietet, und diese zum Beispiel mit Netzen in verschiedenen Maschengrößen zu bestücken. So kann nahe am Stall zum Beispiel das Netz mit den kleinsten Maschen hängen, und weiter im Trail dann Netze deren Maschen immer größer werden. Das ist dann ein Bewegungsanreiz, aber eben kein Zwang den ganzen Trail zu nehmen nur weil das Pferd Hunger hat.

Ebenso bin ich kein Freund davon zwangsweise bei Regen draußen zu füttern.
Immer wieder lese ich das auch bei solchen Stürmen wie jetzt, die Raufen draußen bestückt werden, damit sich die Pferde bewegen. Aber mal im ernst, darf ein Pferd nicht auch mal bei Schmuddelwetter drinnen bleiben, wenn es das selber wünscht?
Warum serviert man bei einem Wetter das einen selber nicht freiwillig vor die Türe gehen lässt, nicht im Stall zusätzlich Raufutter? Wir können den Pferden doch die Wahl lassen ob sie lieber raus oder rein wollen bei Starkregen, Hagel, Schnee usw.
Wie oft rühmen wir uns damit das wir den Pferden im Offenstall die freie Wahl lassen? Aber sie dann vor vermeintlicher Naturnähe zu Sachen zwingen, die sie eigentlich nicht wollen.
Beobachten wir die Pferde in der Herde, dann fressen sie am liebsten in Ruhe ohne Stress. Gerne machen sie auch mal ein Mittagsschläfchen. Und wenn sie laufen und toben wollen, dann tun sie das auch.

Natürlich schleichen sich diese Sachen nur aus besten Vorsätzen heraus in unsere Haltung hinein. Aber vorsicht, wenn man zur Helikopter Pferdemutti mutiert.
Vor lauter Naturnähe und artgerechter Haltung sollten wir uns doch ein wenig selber ausbremsen, um das Leben unserer Pferde nicht zu minutiös zu programmieren.
Denn wenn aus einem Anreiz ein Zwang wird, dann wurde über das Ziel hinaus geschossen.

Bei mir steht Wasser immer in der Nähe der Heustationen. Trailwege sind nie einspurig nutzbar, sondern das Pferd kann jederzeit wieder zurück. Und bei Ekelwetter schleppe ich das Raufutter nicht nur in alle Futterstationen, sondern auch in den Stall.
Für mich bedeutet das natürlich mehr Arbeit, für meine Pferde jedoch das sie in Ruhe entscheiden können was sie wollen und wann sie was wollen.
Und genau das möchte ich doch, meinen Pferden ein angenehmes Leben ermöglichen, ohne Stress.

Flauschige Grüße
Celeste

13022016

 

Ein Gedanke zu „Wenn der Anreiz zum Zwang wird

  1. Interessanter Beitrag, dem ich in vielen Punkten zustimme. Ich gebe dir völlig Recht, dass an mancher Stelle übertrieben wird mit Maschengrößen und stressfördernden Fressplätzen. Für mich darf ein Netz auch nicht zur Frustrationsfalle werden, daher wähle ich die Maschen lieber größer (ca 4-4,5cm) und wenn schon bewegliche Elemente (wie frei hängende Netze oder ein Heukarussel, dann immer nur als Zusatzoption, nie als einzige Station. Ein Ein-Wege-Tor habe ich auch im Einsatz. Bei mir erlaubt es aber eine Abkürzung zu Stall und Wasser (wenn die Pferde von Raufe 2 zurück möchten). Und Heu gibts grundsätzlich auch im Stall, Wetter hin oder her, die Pferde können wählen. Man muss sie ja nicht „zu ihrem Glück zwingen“, finde ich. Wir durchlaufen schließlich auch kein Labyrinth vom Wohnzimmer zur Küche oder essen bei Sturm auf der Terasse… 😉

     

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