Vertrauen bis in den Tod

Hallo meine Flauschemäuse, da bin ich wieder.
Während das Wochenende voller Regen ist und ich Zecken aus dem Pferdefell pflücke, kreisen meine Gedanken, wie der Titel bereits verrät, um ein ernstes Thema.

Immer wieder stolpere ich über Bilder, welche mir die Haare zu Berge stehen lassen. Bilder von jungen Mädchen im Gelände, welche zum Beispiel mit Halsring ausreiten aber ohne Sicherheitstrense darunter. Oder aber Bilder von Spaziergängen, Posing in Feldern oder auf offenen Weiden, bei denen das Pferd weder Trense noch Halfter trägt, sondern einfach NICHTS!

Immer wieder werden diese Bilder umschrieben mit einem Wort, das mir langsam einen Würgereiz beschert: Vertrauen.

Die Damen, lustigerweise habe ich nämlich so eine schwachsinnige Aktion noch nie von einem Mann gesehen, betiteln diese Bilder immer als Vertrauensbeweis. Als Vertrauen das sie in ihr Pferd haben, dass es nicht von ihnen weg läuft.  Ebenso als Vertrauen das ihr Pferd dem Besitzer/Rb entgegen bringt, sich in seiner Gegenwart nicht vor der Außenwelt zu fürchten. Und falls es sich doch einmal Angst haben sollte, dass es sich vertrauensvoll unter Muttis Rock, oder wahlweise auch auf deren Ärmchen flüchtet.
Denn so stellen sich manche Menschen Vertrauen vor. Vertrauen das selbst in Risikosituationen immer auf Knopfdruck vorhanden sein soll, und vor allem funktionieren soll.

Dumm nur das ein Pferd ein Fluchttier ist und vor einer Gefahr weg flüchtet.

Ist die Gefahr nur minimal, zum Beispiel der böse drein blickende Regenwurm, oder ein Geist in Form einer Tüte, kann es gut sein, dass die Pferdemutti der Ort ist der bei Angst aufgesucht wird. Schließlich wird Mutti das Pferdchen hätscheln und trösten und alles ist wieder flauschig.
Das wiegt die Pferdemutti dann nur allzu schnell in dem Glauben, das ihr Pferd auch bei größeren, Angst einflößenden Erlebnissen immer wieder bei ihr Schutz suchen wird.

Pferde denken aber anders als Menschen.
Bei kleinen Sachen suchen sie gerne Schutz beim Menschen. Aber ein Hund, der sich in Pferdebeine verbeißt und hinter ihm her jagt, wird nicht dafür sorgen das klein Fury zu Mutti aufs Ärmchen hüpft. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tritt das Pferd die Flucht an.
Wohin ist dann erst mal egal – Hauptsache weg!

Viele Pferdebesitzer glauben, dass die Pferde dann zum Stall rennen, zur nächsten Weide, oder irgendwann stehen bleiben. Und dann, nach dem ersten Schrecken, die Situation bei einem Sitzkreis mit Mate Tee überdenken. Leider ist dem nicht so. Die meisten Pferde werden so kopflos das sie sich selber und ihr Umfeld in Gefahr bringen.
Ich habe diese Situation leider schon mehrfach erleben dürfen, und ich bin ehrlich, ich hätte gerne darauf verzichtet. Die Pferde sind nicht wie erhofft zurück zum Stall gelaufen, zur Weide oder zu den Pferdekumpels, sondern direkt auf die befahrene Straße.
Erst vor einigen Wochen war es nur eine Vollbremsung meinerseits, die dafür sorgte, dass ich kein Pferd auf der Motorhaube hatte. Ich kann es nicht in Worte fassen, was für ein Schreck das ist. Welche Angst man um das fremde Pferd hat, wenn man hinter diesem herläuft. Ein Ohr am Telefon, im Gespräch mit der Polizei, das Herz bis zum Hals schlagend. Das ist der Stoff aus dem Alpträume gemacht werden.
Und ich glaube, die Besitzer hätten nicht im Traum daran gedacht das sich dieses Pferd weg bewegt – von Stall, Gras und seinem panisch wiehernden Pferdekumpel.

Man sollte sich, bevor der Ernstfall eintritt, darüber klar werden, wie man ein Pferd wieder einfangen kann, wenn es kein Zaumzeug und Halfter trägt. Nichts wo man zu oder rein greifen kann. Genau: Gar nicht.

Da frage ich mich dann: Muss das sein?
Für ein dämliches Foto?
Weil man cool sein will?
Weil man sein Ego vor der Pferdewelt aufpolieren will, indem man zeigt was man mit seinem Pferd so alles kann?

Mir kann kein Mensch erzählen, dass die Pferde das wollen und nachts Petitionsbriefe an den Tierschutz schreiben, weil sie unbedingt ohne Halfter raus möchten!

Was ist also Vertrauen wirklich?
Vertrauen ist etwas, das kleine Kinder in ihre Eltern haben.
Kleine Kinder die ihre schokoladenverschmierten Patschehändchen in die großen Hände der Erwachsenen legen. Sie haben die Gewissheit, dass ihnen nichts passieren wird, solange Mutti an ihrer Seite ist. Und es ist dann an der Mutter dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen und dafür Sorge zu tragen das ihrem Kind nichts passieren wird.
Denn kleine Kinder und Pferde sind sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich:
Sie können Gefahrensituationen nicht rational einschätzen.

So nehmen wir auch unser Kind, egal wie gut sie erzogen ist, in Gefahrensituationen an die Hand um es zu schützen. Wir können einem Kind noch so sehr einschärfen nicht auf die Straße zu rennen. In einem unbedachten Moment besteht trotzdem die Gefahr, dass es einem wegrollenden Ball auf die Straße folgt. Wir fahren mit den kleinen Passagieren als Mitfahrer sehr vorsichtig, und dennoch verstauen wir unsere Kinder in sicheren Kindersitzen, sicher angeschnallt. Nicht nur weil wir das aus unserem Pflichtgefühl heraus möchten, sondern weil auch der Gesetzgeber das verlangt.
Und so wie wir Kinder schützen und aus Vorsorge und weiser Voraussicht  Gefahrensituationen/Quellen vermeiden, so ist es an uns das auch bei unseren Pferden zu tun.
Denn Vertrauen bedeutet, dass auch ihr Schutz in unseren Händen liegt.
Und dieser ist mit Halfter und Trense deutlich mehr gewährleistet, als mit einem Hauch von Nichts. Nicht zu vergessen sei dabei, dass es ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung ist, sein Pferd ohne geeignete Zäumung auszuführen. Diese gilt auch auf Feldwegen und wird ggfs. mit Bußgeldstrafen geahndet. Selbst auf privatem Grund kann nicht gewährleistet sein, dass ein Pferd in Panik dies nicht verlässt. Also seid ihr letztendlich auch da nicht vollständig abgesichert. Man sollte sich daher genau überlegen, ob man wirklich Ärger mit der Polizei haben möchte.

Ebenso sollte man bedanken, dass keine Versicherung die angerichteten Schäden begleichen wird, welche z.B. bei einem Verkehrsunfall in die Millionen gehen können. Denn man hat nicht nur gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, sondern auch noch fahrlässig gehandelt. Somit darf man dann selber zahlen und hat wegen diesem »Vertrauensbeweis« sein Leben bis ins Rentenalter finanziell ruiniert.

Ich glaube nicht, dass Jemand so etwas möchte.
Von daher bitte ich euch dieses Verhalten zu überdenken, zur Sicherheit eurer Pferde, als auch eures Umfeldes.

Flauschige Grüße
Celeste

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8 Gedanken zu „Vertrauen bis in den Tod

  1. Wie schön, dass es noch erwachsene Menschen gibt. .. nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Kopf! Toller Beitrag! 😉

     
  2. Mir würde im Leben nicht einfallen ins Freie Gelände ohne alles zu gehen.
    Einmal bin ich ohne Trense, dafür mit Trainer, geritten. Dies sollte mich nochmal mehr schulen meine Gewicht- und Schenkelhilfen deutlicher zu setzten. Und ich muss sagen, die Erfahrung will ich nicht missen, da man sehr wohl ohne Trense korrekt reiten kann, ABER es hat mir genauso gezeigt, dass mein wirklich stark vertrauenes Pferd im Ernstfall doch nur eine 700kg schwere Gefahr ist. Ich kann genauso gut am langen Zügel die Natur genießen und muss dafür nicht fahrlässig X-menschen gefährden.

    Wenn ich sone Fotos haben wollen würde, würde ich doch die eingezäunte Koppel bevorzugen 😉

    Lg

     
  3. Hallo!
    Wirklich treffend geschrieben!
    So weit denken einige Mädels und auch deren Eltern leider nicht!
    Was ist das für ein abgebildetes shetty? Hat es eine bekannte Abstimmung? Würde mich sehr intressieren,meiner sieht ihm sehr ähnlich.
    Lg!

     
  4. Hallo,
    Ich bin selbst eine von den beschriebenen jungen Mädchen. 17 Jahre alt und stimme dir vollkommen zu. Allerdings stellt sich mir die Frage, was spricht dagegen ein paar „freie“ Fotos auf dem Reitplatz oder der umzäunten Koppel zu machen? Denn ja Pferde sind Fluchttiere, aber kannst du sie, wie das kleine Kind vor jeder Gefahr schützen? Das Pferd mit Trense auf die Koppel zu stellen, falls ein Hund kommt ist ja auch keine Lösung. Natürlich kann man die Gefahr, weitestgehend verhindern gerade wenn es um Themen geht wie mit Halsring ins Gelände zu reiten. Jedoch finde ich persönlich, sollte man nicht über jedes Foto zu früh urteilen, wer sieht schon ob es sich bei der schönen Wiese auf der frei Galoppiert wird nivht um die Koppel handelt?

    Lg

     
  5. Guter Beitrag. ABER, wenn ein Pferd sich erschreck und man runter fällt, kann man das Pferd auch nicht mit Trense halten. Und wenn ein fremder auch noch hinter einem Pferd hinterher rennt, da weiß jeder Reiter, dass das Pferd nur noch panischer wird. Das Pferd kann auch durch einen Koppelzaun springen/durchgehen und einen Verkehrsunfall verursachen. Es kann immer etwas passieren. Und es gibt Versicherungen, die das bezahlen.

     
    • Liebe Julia,
      verzeih wenn die Antwort etwas gedauert hat, aber das Privatleben neben meinen Büchern spannt mich teilweise doch arg ein.
      Nun zu deiner seltsamen Argumentation:
      -Bevor oder auch wenn man schon runter gefallen ist kann man ein Pferd deutlich besser mit einer Zaumzeug halten, als mit einem Halsring. Das ist Physikalisch begründet und hat mit der Hebelwirkung zu tun.
      Zudem ist es laut der Strassenverkehrsordnung vorgeschrieben.

      -Auch fremde Personen können ein Pferd mit Halfter oder Zaumzeug schneller einfangen als mit einem Halsring.
      Das liegt darin begründet das man auf den Kopf einwirken kann statt nur auf den Hals.
      Und fremde Personen werden nicht zwangsläufig hinter einem Pferd her joggen, sondern sich langsam und vorsichtig nähern.

      -Das *es kann immer etwas passieren* Argument zieht leider nicht, denn es ist in unserer Verantwortung als Reiter das unseren Pferden, aber auch unserem Umfeld nichts passiert.

      -Sicher gibt es Versicherungen die den Schaden abdecken. Allerdings sollte man sich darauf nicht immer verlassen. Denn die Strafe wegen dem Verstoss zahlt die Versicherung zum Beispiel nicht.
      Und bekommt man noch eine Klage wegen Fahrlässigkeit dann kann es einen Finanziell schnell ruinieren.

      Fazit:
      Es gibt keinen Grund nur mit Halsring ohne Sicherheitstrense auszureiten, ausser dem eigenen Ego.
      Und wer sein Ego über das Pferde- und Menschenleben stellt, sollte vielleicht besser auf ein Fahrad umsteigen.

      Flauschige Grüsse
      Celeste

       

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