Übereifrige Tierschützer und andere Plagen

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr habt mich vermisst!
Es ist mal wieder unglaublich heiß bei uns, und ich wünsche mir sehnlichst einen kleinen Pool oder einen See um – samt Pferden – dort hinein zu hüpfen.
Da ich aber weder einen Pool noch einen See zur Verfügung habe, nutze ich meine Zeit, um mich möglichst wenig zu bewegen und für euch meine Gedanken festzuhalten.
Das meine Blogbeiträge einen unfreiwilligen Urlaub nehmen mussten, ist dem Gewitter zu verdanken, das irgendwo in Deutschland meine Leitung zerlegt hat. Einen herzlichen Dank dafür. Regen für meine Weiden wollte der Wettergott mir nicht bringen, dafür aber eine tote Telefon-/Internetleitung

Aber nun gut, widmen wir uns dem heutigen Thema: Tierschützer und andere Plagen …
Kennt ihr das Gefühl, wenn unerwartet die Türklingel läutet?
Man denkt zielsicher an den Postboten und ein Paket voller Reitzubehör das man erwartet. Dann springt man in Erwartung des Lieblingsboten, die Person vor der Tür jubelnd und wild kreischend fast an.
Das so etwas peinlich enden kann, muss ich wohl niemandem sagen …
Aber wegen seiner häufigen Besuche kennt er ja auch schon meinen Vornamen, das Auto vor der Tür und fragt häufig genug mit süffisantem Lächeln: »Ist es wieder für die Pferdchen?«
Und auch die Gerüchteküche der gelangweilten Nachbarn freut sich über jeden seiner Besuche.
Wesentlich seltener und damit überraschender ist der Besuch der Zeugen Jehovas, die einen erwartungsvoll mit großen Augen ansehen, und über Gott sprechen möchten.
Ja, es gibt sie nicht nur in einschlägigen Comedy-Programmen.
Meist reagieren sie verwirrt bis pikiert, wenn man sagt das Gott sich gerne direkt bei einem melden kann, wenn er etwas möchte, auch über Telefon und Internet.
Ist man ganz in schwarz gekleidet kann man auch die Satanisten Nummer abziehen. Denn wenn dann noch die schwarze Katze um die Ecke schaut, verleiht das dem Ganzen noch mehr Wirkung. Wenn ich dann tiefernst antworte, dass Gott und ich wohl nicht die besten Freunde sind, verkrümeln sich die armen Zeugen meist recht schnell, und hinterlassen nicht mal ihr Lieblingsjournal.

Um aber zum eigentlichen Thema zu kommen: Noch seltener, aber fast so beliebt wie die Zeugen Jehovas, sind »Möchtegern Tierschützer«. Und hier ist es schon mal viel wert, wenn sie überhaupt vor der Türe stehen, statt einfach wilde Gerüchte zu streuen, Bilder auf Facebook-Seiten zu stellen und dabei das Ende der Welt herbei zu zitieren.
Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut für den Tierschutz und ich bin absolut dafür, dass man niemals weg sieht. Was ich aber nicht mag, sind Menschen, egal ob jung oder alt, die ahnungslos eine Situation beurteilen wollen, sich dazu aber nicht richtig informieren.

Gerade zu meinen Anfangszeiten im Offenstall habe ich die wildesten Sachen erlebt.
Gut ich gebe zu, für viele unerfahrene Menschen ist es ungewöhnlich, dass Pferde sich im Dreck wälzen. Oder auch mal gerne bei Schnee, Regen oder Sturm draußen stehen, statt im Stall. Und ist der Stall mitten in der Pampa, ist natürlich nicht 24/7 eine Person vor Ort um jeden Grashalm einzeln zu reichen, dauerhaft das Fell zu polieren oder dem Pferd einen Gutenacht-Kuss zu geben. Denn die unerfahrenen Personen glauben wirklich das in Reit- und Pensionsställen 24/7 einer nach den Pferden schaut.
Nun sicher ist es einfacher, wenn man aus dem Fenster schaut und auf die Weiden blicken kann. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass kein Reit-/Pensionsstall ihren Pferden eine 24/7 Überwachung bietet. Denn auch diese Menschen haben ein Privatleben und oft noch einen Beruf neben her. Man mag es kaum glauben, aber bevor sie schlafen gehen werden auch sie vor dem Fernseher die Füße hochlegen.
Das heißt auch in vielen Pensions- und Reitställen werden Verletzungen oder Koliken oft erst bei den Morgen- oder Abendkontrollen bemerkt, wenn es Futter gibt. Und ehrlich gesagt habe ich schon Pensionsställe erlebt, in denen nicht einmal eine Verletzung bemerkt wurde.

Liegt ein Offen- oder Privatstall abgelegen in der Pampa, dann ist natürlich kein Wohnhaus und somit Besitzer vor Ort. Viele Leute sehen also einen abgelegenen Stall, und denken oft: da kümmert sich doch keiner.
Sie übersehen aber das die Pferde trotz Schmutzschicht gut gepflegt sind.
Sie übersehen das Futter in den Raufen, das Wasser in den Bottichen und das gemachte »Bettchen« im Offenstall.
Nein, leider denken die Leute oft nicht nach, sondern hüllen sich in ein Mäntelchen des Tierschutzes und wollen den vermeintlichen armen geschundenen Gestalten helfen.
Denn den armen Pferdchen im Offenstall kann es ja nicht gut gehen.
Haben viele Personen doch immer noch das Bild von Boxen in Reitställen im Kopf, in denen sich die Pferde sicher viel wohler fühlen müssen.
Das eine 3×3 Meter Box mit stundenweise Auslauf nicht unbedingt den Wünschen eines Pferdes und somit den Bedürfnissen eines Lauf- und Herdentieres entsprechen, das verstehen sie nicht. Denn in vielen Köpfen ist der Gedanke an eine schöne warme trockene Box einfach fest verankert. Und auch wenn Pferde diese gerne nutzen, so wollen sie ebenso raus wenn es regnet, stürmt oder schneit. Solange ein Unterstand, egal ob Stall oder Bäume, jederzeit zur Verfügung steht, spricht da auch absolut nichts gegen.

Nun schön ist, dass man mit vielen Personen ins Gespräch kommen kann, zeigen, erklären und zum Umdenken bewegen kann. (Siehe hierzu auch Futterterroristen und andere Spinner)
Unschön sind jedoch die Personen, die gleich zum Tierschutz oder Veterinäramt rennen.
Natürlich meinen es diese ja nur gut, sie haben die besten Absichten.
Aber es wäre einfach sinnvoller erst einmal das Gespräch mit den Besitzern zu suchen. Denn so können sich Missverständnisse im Vorfeld aufklären, ohne dass das Veterinäramt ihre Leute raus schicken muss. Denn entgegen der langläufigen Meinung »die tun eh nix« oder  »die brauchen ewig bis die kommen« muss das Veterinäramt jeder Anzeige nachgehen. Und werden sie in der Woche zu 5 unnötigen Fällen geschickt, die mit einer netten Besichtigung und einem Kaffee enden, so fehlt diese Zeit für Termine, die wirklich dringend nötig sind.

Von daher liebe Pferdefreunde, wenn ihr einen Stall/Weide seht, bei dem ihr denkt, das etwas nicht ganz koscher ist, hier eine kleine Checkliste:

  • Ist Wasser vor Ort?
  • Ist Futter da? Vielleicht auch in Raufen oder Netzen?
  • Haben sie einen Unterstand, Bäume und/oder Hecken als Wetterschutz?
  • Wie ist der Allgemeinzustand der Tiere?
  • Schmutz ist kein Zeichen für schlechte Pflege, verfilztes Fell allerdings schon
  • Stehen die Tiere schon länger dort?

Hat man also ein ungutes Gefühl, weil man vielleicht ein abgemagertes Pferd sieht, dann spricht man zuerst mit dem Besitzer! Denn es kann gut sein, das dieses Tier alt oder krank ist, oder in einer Erholungsphase und mühevoll aufgepäppelt wird.
Der Besitzer kann so etwas aufklären, wenn man das Gespräch sucht.
Dass diese natürlich nicht 24/7 vor Ort sind ist verständlich, denn auch sie haben neben den Pferden noch einen Beruf, eine Familie und ein Privatleben.
Um die Besitzer zu erreichen kann man:

  • Morgens und abends vor Ort längere Zeit warten.
  • Einen Zettel mit seinem Namen und der eigenen Telefonnummer samt der Bitte um Rückruf hinterlassen.
  • Anwohner und Hundeausführer fragen, ob sie den Besitzer oder die Zeiten kennen, in denen die Pferde versorgt werden.
  • Das Katasteramt aufsuchen und über das Grundstück den Besitzer ausfindig machen.

Aber NIE unbefugt Weiden/Stall betreten oder gar selber Hand an die Pferde legen. Niemals!

Hat man den Besitzer erreicht dann bittet man freundlich und höflich um ein Gespräch!
Bitte fallt nicht gleich über diesen her, als ob er ein Satanist wäre, der seine Pferde nur hält, um sie in schwarzen Messen zu opfern.
Klärt freundlich ab, warum die Pferde in diesem Zustand sind und was dagegen getan wird. Wenn nötig bietet Hilfe an.
Denn Tierschutz bedeutet nicht nur anzeigen und sich das Maul zerreißen, sondern auch aktiv helfen!
Sind die Zustände dennoch gravierend und der Besitzer zeigt keine Einsicht, dann kann man das Veterinäramt um Hilfe bitten. Aber hier sollte man den Arsch in der Hose haben und zu seiner Anzeige dort stehen und sie nicht anonym machen.
Dem Amt sollte man gleich alle Informationen liefern, ebenso das man bereits mit dem Besitzer gesprochen hat.
Alles Weitere werden diese dann regeln.
Aber versteht bitte, dass eine Anzeige beim Veterinäramt immer der letzte Weg sein sollte, damit sich diese wirklich um die kümmern können, bei denen sie auch gebraucht werden.

Was kann man als Pferdehalter tun, um kein falsches Bild zu wecken?

  • Wasser möglichst sichtbar aufstellen.
  • Futter möglichst sichtbar aufstellen in Raufen und Netzen.
  • Pferde einzopfen. Denn mit Zöpfchen wirken selbst Schlammschweinchen gepflegter
  • Den Stall sauber halten und schmücken.
    Hört sich seltsam an aber eine Weihnachtsdekoration am Stall wirkt selbst in einem trüben grauen Winter herzlich und liebevoll.
  • Verbringt Zeit am Stall zu den Stoßzeiten. Also auch sonntags Vor- und Nachmittag damit die Spaziergänger und Hundeausführer euch kennen lernen können.
  • Schilder am Stall/Weide, die neben Füttern verboten auch darauf hinweisen, dass diese Tiere mehrfach täglich versorgt werden.
  • Schilder die ungewöhnliche Ausrüstung wie Fressbremse, Ekzemerdecke oder Fliegenmaske erklären.
  • Eine Telefonnummer am Zaun/Stall für Rückfragen.

Hört sich das teilweise schräg an? Das sind manche Sachen auch.
Aber allein die Sache mit der Dekoration ist etwas, das bei mir vielen Spaziergängern gezeigt hat, das man sich liebevoll um den Stall kümmert.
Die Spaziergänger haben nicht nur positives Feedback dazu gegeben, nein, inzwischen freuen sie sich Jahr für Jahr darauf.
Es fällt also nicht nur positiv auf, sondern bleibt auch in den Köpfen der Leute als ein »hier wird sich gekümmert« haften. Zudem bietet es unweigerlich auch einen schönen Gesprächseinstieg um evtl. Fragen los zu werden. Viele Spaziergänger waren überrascht, dass ich täglich wenigstens 2x vor Ort bin. Ebenso das es zu Zeiten ist, in denen manche noch, oder eben schon wieder im Bett liegen.
Man tut gut daran, dies immer wieder vermeintlich beiläufig in Gespräche einfließen zu lassen. Denn Spaziergänger und Hundeausführer reden miteinander. Und wenn einer davon weiss, dass man wenigstens 2x vor Ort ist, wird sich das schon rum sprechen.
Sachen wie Fliegendecken, Masken oder Fressbremsen sind unerfahrenen Menschen einfach unbekannt und erschrecken sie mitunter.
Eine Fressbremse würde wohl eher als Maulkorb für ein bissiges Pferd angesehen, statt einer Hilfe zur Rationierung des Futters.
Auch hier muss man oft viel erklären und sollte davor keine Scheu haben.
Ebenso sollte man ruhig erwähnen, wenn man alte oder kranke Tiere dabei hat. Wenn man es vernünftig erklärt dann verstehen das auch unerfahrene Personen.
Hier kann man auch gerne den Vergleich mit einem älteren Menschen aufzeigen. Denn auch alte Menschen haben mal Zipperlein und sind nicht mehr ganz so frisch.
Das sind Vergleiche, die Pferde unkundige Menschen verstehen.

Mit der Zeit lernen einen die Menschen besser kennen. Sie sehen, wenn man zum Stall oder zu den Weiden fährt.
Die Spaziergänger beobachten, wenn man Zäune instand setzt, Weiden von Unkraut befreit, oder mit riesigen Heubergen kämpft.
Nach einer Weile und vielen Gesprächen wissen sie dann, welche Arbeit und Mühe man auf sich nimmt.
Mittlerweile kennen meine Pferde und mich unheimlich viele Menschen.
Menschen die dort in der Nähe wohnen, dort spazieren gehen, oder ihre Hunde ausführen. Sie sind alle nett, freundlich, freuen sich einen zu sehen und sie alle haben ein Auge auf das Wohlergehen meiner Pferde. Aber nur wenn man sich offen und freundlich allen Fragen stellt kann ein herzliches Verhältnis mit seinem Umfeld zu Stande kommen.
Und ich bin froh um alle Personen, die so liebevoll nach meinen Pferden sehen und ein Auge auf sie haben.

In diesem Sinne liebe Tierfreunde, wenn ihr Fragen habt dann wendet euch immer zuerst an die Besitzer der Pferde, statt das Ende der Welt herbei zu zitieren, im Schutze des Tierschutz Mäntelchens.

Und liebe Besitzer, bitte beantwortet freundlich und höflich alle Fragen eures Umfeldes, egal wie sehr es euch auch nerven mag. Denn dann kann sich das Veterinäramt um die wichtigen Fälle kümmern, die es verdient haben.

In diesem Sinne, flauschige Grüße
Celeste

tierschützer

 

5 Gedanken zu „Übereifrige Tierschützer und andere Plagen

  1. Pingback: Militante Tierschützer und Co. | Mariposalut

  2. Hallo liebe Celeste,

    ich bin auf diesen Beitrag gestoßen und muss sagen, ich bin begeistert. Du triffst es wirklich auf den Punkt. Ich habe mich auch mit diesem Thema beschäftigt, weil mich diese ganzen Möchtegern Tierschützer, die ohne jegliche Informationen sich das maul zerreißen einfach nur aufregen. Es betrifft zwar mich (noch) nicht, aber werde damit bestimmt viel später konfrontiert werden, da ich mal ein zukünftiger Hundehalter sein werde und auch mit diesen arbeiten möchte. Da lässt es sich sicherlich nicht vermeiden, da man es NIE allen recht machen kann. Ich finde du hast sehr passende Worte gefunden und hilfreiche tipps gegeben, weiter so! Habe übrigens auch auf diesen Artikel in meinem Artikel (https://mariposalut.wordpress.com/2015/08/21/militante-tierschuetzer-und-co/) verlinkt. Hoffe das geht in Ordnung.

    Liebe Grüße,
    Lucy

     
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  4. Hallo, also ich bin echt begeistert von deinem Artikel und du sprichst mir aus der Seele 🙂
    Erst vorgestern ist mein Fohlen auf der Weide geboren und prompt steht gestern die Polizei vor der Tür . Eine Nachbarin hat dort scheinbar angerufen und eine dramatische Leidensgeschichte des kleines Kerls erzählt. Nun zu den Umständen meine beiden Stuten stehen direkt auf der Hausweide mit 1.5 ha Land, einem großen Unterstand und Wasserbehälter , soweit Wuttereimern. Nun der kleine Knirps ist Grade erst auf der Welt und schon werde ich ja angesprochen das es ja wohl keine Haltung für ein Fohlen wäre etc. Und gestern klingeln dann die Beamten und meinen so geht das ja nicht wirklich , ein Fohlen gehört in eine Box …..und so weiter ….bis dann zu meiner Freude auch deine Dame vom Tierschutz kam und auch zu den Polizisten meinte, das es doch ein wahres Pferde Paradies sei…Ende vom Lied alle sind abgezogen und alles tutti. …aber die Gerüchteküche brodelt jetzt richtig…..ich weiß die Leute meinen es ja nur gut …..aber so einen Aufstand und dann das lästern machen mir doch ganz schön zu schaffen :/ aber es baut auf, das auch andere sich mit solchen Themen befassen müssen….

     

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