Tag-Archiv | Tierschützer

Der Tierschützer in mir

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Mittlerweile, schreitet der Herbst in großen Schritten voran und die vorher leuchtend bunten Herbstfarben haben sich zu einem tristen grau in grau gewandelt. Es regnet, es stürmt und man mag eigentlich nicht vor die Türe gehen. Während der Gedanke an eine flauschige Decke auf dem Sofa, einer Tasse heißen Kakao und einem guten Buch, sehr verführerisch lockt, finden wir uns doch wie immer zur täglichen Stallarbeit ein. Und während ich auch bei Schmuddelwetter unzählige Heunetze stopfe, führe ich – wenn auch oft unfreiwillig – mit so manchen Spaziergängern lange Gespräche. Gut, ich gebe zu ich habe viele nette Menschen, die meinen Stall besuchen, aber manchmal sind auch Personen dabei, da fasse ich mir an den Kopf.

So gab es auch letztens ein Gespräch, das mir einfach nicht aus dem Kopf will:

»Du da hinten sind ja die Esel … denen geht es ja soooo schlecht.«
»Bitte was? Esel? Ich wusste nicht mal das da welche stehen.«
»Ja, aber denen geht es doch schlecht, da kümmert sich ja keiner.«
Ich halte mit der Arbeit inne, sammel mich kurz und stelle die wichtigen Fragen:
»Haben sie denn einen Unterstand?«
»Ja.«
»Haben sie Futter und Wasser? Und ist immer Heu da?«
»Ja.«
»Warum soll es denen dann schlecht gehen?«
»LNa, weil sich da doch keiner kümmert!«

Einatmen, ausatmen, ein Lächeln aufsetzen, das nicht an Wednesday Adams erinnert: »Wenn da täglich Futter und Wasser ist dann kümmert sich doch jemand, das füllt sich ja nicht alleine auf. Ich bin auch oft zu Uhrzeiten da an denen mich so manche Person hier nicht vermuten würden. Vielleicht sind die Besitzer sehr früh am Tag, oder spät am Abend vor Ort.«
»Aber man sieht da ja keinen, da ist nie einer und am Tor ist das Gras nicht zertrampelt also geht da auch keiner rein.«

Wieder sammle ich mich und frage mich, ob mein Gegenüber leicht einen an der Waffel hat.
»Nun, vielleicht haben sie noch einen weiteren Eingang. Sie können sich ja schlecht mit Futter und Wasser zum Stall beamen. Außerdem benutze auch ich nicht immer mein Zugangstor sondern klettere oft einfach nur durch den Zaun, wenn ich nicht aufschließen möchte. Man kann ja nicht von zertrampelten Gras ausgehen, das sich einfach keiner kümmert.«
»Ja aber trotzdem, man sieht ja keinen, und denen geht‹s sicher schlecht.«

Ich habe noch ein wenig erklärt, aber ich fürchte das Bild der armen unterversorgten Tiere hat sich im Kopf der Dame festgesetzt. Ich fand das schon ein wenig erschreckend, denn wenn sie bei mir so offen mit den Vorwürfen gegenüber der unbekannten Eselbesitzer war, so wird sie das mit Sicherheit auch bei anderen Personen erwähnt haben. Personen die vielleicht nicht gefragt haben ob Futter, Unterstand und Wasser gegeben ist. Personen die keine Ahnung haben, aber schnell mal an das Gerücht der vernachlässigten Esel glauben. Mich macht so etwas dann immer betroffen und auch ein wenig wütend. Denn solche Gerüchte sind schneller verbreitet als ein Tripper im Bordell. Schnell heißt es dann die armen Pferde, oder in dem Fall die armen Esel, werden nicht richtig versorgt. Und dann braucht es nur noch eine besorgte Tierschutz Uschi, die dann mal eben anonym beim Vetamt stänkert. Schon müssen die Tierhalter dem Veterinäramt Rede und Antwort stehen.

Ähnlich ist es mit den online Tierschützern, welche auf den verschiedenen Plattformen munter Bildchen posten. Da werden einfach fremde Tiere fotografiert und mit einem vermeintlich schlechten Zustand als Tierschutzfall online zur Schau gestellt. In Zeiten der Smartphones und des Internets ist es aber auch extrem einfach sich das goldene Tierschutzkröhnchen zu verdienen, oder sollte ich besser sagen den Aluhut?
Da gehen jungen Mädels hin, fotografieren einfach fremde Pferde und setzen diese Bilder dann in verschiedene Gruppen als Tierschutzfall zur Schau. Frei dem Motto: Die haben kein Futter oder Wasser, sind ungepflegt oder zu dünn und es kümmert sich ja eh nie einer.
Manche Bilder klären sich von alleine auf, wenn das vermeintlich gequälte Pferd ohne Futter und Wasser, Selbiges dann im Hintergrund auf den Bildern stehen hat. Manchmal machen die Mädels eben auch nicht die Augen auf, kann ja mal passieren vor lauter Tierliebe.
Andere Bilder zeigen manchmal Zustände, die von der Norm abweichen. Allerdings sind sich die Damen nicht selten zu fein gewesen den Besitzer ausfindig zu machen, und nach einem Warum zu fragen.
Denn manchmal gibt es durchaus Gründe warum ein Pferd zum Beispiel:

  •  alleine steht da, Quarantäne oder krank
  • abgemagert ist, da Krankheit oder wieder aufgepäppelt wird
  • überlange Hufe hat da gerade gerettet/gekauft und nun erst an den Schmied gewöhnt werden muss
  • Wasser leer ist, da mehrfach täglich frisch getränkt wird
  • Futter leer ist, da kleine Mengen wie zum Beispiel Heucobs mehrfach täglich gegeben werden

Usw.
Es gibt für viele Dinge eine Erklärung, wenn man denn auch einmal mit den Besitzern reden würde. Aber Bildchen machen und auf Facebook anprangern ist ja so einfach. Das macht einen schnell zum Tierschutzhelden, da man ja nicht wegsieht und die Zustände öffentlich macht. Und neben der ganzen Lobhudelei wird einem dann natürlich geraten das Veterinäramt zu rufen, denn man ruft dieses lieber einmal zuviel, als weiter weg zu sehen.

Und wer nun sagt »Wer nichts zu verbergen hat, der hat nichts zu befürchten« der soll mal bitte kurz in sich gehen. Denn auch wenn man nichts Verbotenes getan hat, es ist nie angenehm einer Behörde Rede und Antwort zu stehen. So muss man zum Beispiel zu diesem Termin auch Zeit opfern. Und es hört sich sicher richtig nett an, wenn man seinen Chef bittet an einem Vormittag frei zu bekommen, da sich das Veterinäramt angemeldet hat. Ebenso ist es richtig nett, wenn die Nachbarn mitbekommen das man eine solche Prüfung über sich ergehen lassen muss. Da braucht es dann  keine Else Kling nur damit sich Gerüchte über eine Prüfung verbreiten wie Cola, nachdem ein Mentos in die Flasche geworfen wurde. Schliesslich wissen ja alle Klatschweiber das dann immer »etwas dran sein muss«, wenn die schon extra raus kommen.
Aber für jene Personen die sich nicht vorstellen können das eine Prüfung des Veterinäramtes nervt, wie wäre es denn anders herum?

  • Wenn euer Kind aufgrund von Schmerzen und Krankheit mehrfach weint und man euch deswegen das Jugendamt auf den Hals schickt?
  • Wenn ihr gerade ein Haus baut und man euch das Bauamt schickt, da ihr bestimmt nicht alle Regeln eingehalten habt?
  • Wenn man euch das Gesundheitsamt schickt, da es bei euch angeblich seltsam riecht?
  • Wenn man euch die Polizei schickt, weil bei euch Herren ein und ausgehen, und ihr vielleicht heimlich ein Bordell betreibt?

Und auch wenn ihr euch in all diesen Fällen nichts zu Schulden habt kommen lassen, ihr wärt doch auch wirklich mächtig genervt über die Zeit, die ihr opfern musstet. Dazu dann das Gerede von Nachbarn und Freunden die euch plötzlich seltsam ansehen, frei dem Motto »da muss ja was vorgefallen sein wenn die solchen Besuch bekommen«. Und schon verbreiten sich Gerüchte hinter eurem Rücken.
Von daher wenn ihr Tiere seht bei deren Haltung euch Fragen aufkommen, dann stellt diese Fragen dem Tierbesitzer.
Das heißt, …

  • ihr wartet zu verschiedenen Zeiten an Stall/Weide und ja das kann auch mal einige Stunden dauern.
  • ihr fragt Anwohner wem die Tiere gehören, aber bitte ohne schlechtes Gerede!
  • ihr fragt beim Katasteramt nach, wem das Grundstück gehört.
  • ihr hinterlasst eure Telefonnummer an Zaun/Tor mit einer FREUNDLICHEN Bitte um Rückruf.



Und wenn ihr dann mit dem Tierbesitzer sprecht, macht dies bitte freundlich und ohne Vorwürfe. Interessiert, höflich und verständnisvoll für eine individuelle Situation. Denn eine kreischende Tierschutz Uschi die gleich keift das die armen Tiere schlecht versorgt werden, ist sicher kein Gesprächspartner dem man seine Zeit opfern möchte. Merkt ihr das euer Gegenüber Hilfe braucht dann bietet ruhig eine helfende Hand an. Denn das ist dann echter Tierschutz, wenn man seine Hände auspackt und hilft, statt Bildchen im Internet zu verbreiten.

Ist aber eure Hilfe nicht erwünscht und eure Zweifel konnten nicht besänftigt werden, dann, ja erst dann, nach dem Gespräch mit dem Besitzer, ist das Veterinäramt euer Ansprechpartner. Sprecht offen mit dem Veterinäramt und auch bitte nicht anonym. Wer Missstände anzeigen will sollte auch ehrlich dazu stehen. Und bedenkt das ihr dem Veterinäramt bitte nur Notfälle meldet. Die Ämter sind oft genug völlig überlastet, weil sie für jeden Furz rausgerufen werden. Und so stiehlt man den echten Notfällen die Mitarbeiter Kapazitäten.

Von daher meine lieben Tierschutz Freunde, seid keine Uschi, sondern sprecht mit den Besitzern. Bietet Hilfe an und erst wenn das nicht hilft, geht den letzten Weg zum Veterinäramt.
Aber bitte postet keine Bilder im Internet, oder tratscht vermeintliche Horrorgeschichten durch die Nachbarschaft. Weil im Zweifelsfall erwischt man euch bei solchen Verleumdungen und das kann mitunter sehr teuer für euch werden.

In diesem Sinne, flauschige Grüße
Celeste

tierschuetzer

 

Übereifrige Tierschützer und andere Plagen

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr habt mich vermisst!
Es ist mal wieder unglaublich heiß bei uns, und ich wünsche mir sehnlichst einen kleinen Pool oder einen See um – samt Pferden – dort hinein zu hüpfen.
Da ich aber weder einen Pool noch einen See zur Verfügung habe, nutze ich meine Zeit, um mich möglichst wenig zu bewegen und für euch meine Gedanken festzuhalten.
Das meine Blogbeiträge einen unfreiwilligen Urlaub nehmen mussten, ist dem Gewitter zu verdanken, das irgendwo in Deutschland meine Leitung zerlegt hat. Einen herzlichen Dank dafür. Regen für meine Weiden wollte der Wettergott mir nicht bringen, dafür aber eine tote Telefon-/Internetleitung

Aber nun gut, widmen wir uns dem heutigen Thema: Tierschützer und andere Plagen …
Kennt ihr das Gefühl, wenn unerwartet die Türklingel läutet?
Man denkt zielsicher an den Postboten und ein Paket voller Reitzubehör das man erwartet. Dann springt man in Erwartung des Lieblingsboten, die Person vor der Tür jubelnd und wild kreischend fast an.
Das so etwas peinlich enden kann, muss ich wohl niemandem sagen …
Aber wegen seiner häufigen Besuche kennt er ja auch schon meinen Vornamen, das Auto vor der Tür und fragt häufig genug mit süffisantem Lächeln: »Ist es wieder für die Pferdchen?«
Und auch die Gerüchteküche der gelangweilten Nachbarn freut sich über jeden seiner Besuche.
Wesentlich seltener und damit überraschender ist der Besuch der Zeugen Jehovas, die einen erwartungsvoll mit großen Augen ansehen, und über Gott sprechen möchten.
Ja, es gibt sie nicht nur in einschlägigen Comedy-Programmen.
Meist reagieren sie verwirrt bis pikiert, wenn man sagt das Gott sich gerne direkt bei einem melden kann, wenn er etwas möchte, auch über Telefon und Internet.
Ist man ganz in schwarz gekleidet kann man auch die Satanisten Nummer abziehen. Denn wenn dann noch die schwarze Katze um die Ecke schaut, verleiht das dem Ganzen noch mehr Wirkung. Wenn ich dann tiefernst antworte, dass Gott und ich wohl nicht die besten Freunde sind, verkrümeln sich die armen Zeugen meist recht schnell, und hinterlassen nicht mal ihr Lieblingsjournal.

Um aber zum eigentlichen Thema zu kommen: Noch seltener, aber fast so beliebt wie die Zeugen Jehovas, sind »Möchtegern Tierschützer«. Und hier ist es schon mal viel wert, wenn sie überhaupt vor der Türe stehen, statt einfach wilde Gerüchte zu streuen, Bilder auf Facebook-Seiten zu stellen und dabei das Ende der Welt herbei zu zitieren.
Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut für den Tierschutz und ich bin absolut dafür, dass man niemals weg sieht. Was ich aber nicht mag, sind Menschen, egal ob jung oder alt, die ahnungslos eine Situation beurteilen wollen, sich dazu aber nicht richtig informieren.

Gerade zu meinen Anfangszeiten im Offenstall habe ich die wildesten Sachen erlebt.
Gut ich gebe zu, für viele unerfahrene Menschen ist es ungewöhnlich, dass Pferde sich im Dreck wälzen. Oder auch mal gerne bei Schnee, Regen oder Sturm draußen stehen, statt im Stall. Und ist der Stall mitten in der Pampa, ist natürlich nicht 24/7 eine Person vor Ort um jeden Grashalm einzeln zu reichen, dauerhaft das Fell zu polieren oder dem Pferd einen Gutenacht-Kuss zu geben. Denn die unerfahrenen Personen glauben wirklich das in Reit- und Pensionsställen 24/7 einer nach den Pferden schaut.
Nun sicher ist es einfacher, wenn man aus dem Fenster schaut und auf die Weiden blicken kann. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass kein Reit-/Pensionsstall ihren Pferden eine 24/7 Überwachung bietet. Denn auch diese Menschen haben ein Privatleben und oft noch einen Beruf neben her. Man mag es kaum glauben, aber bevor sie schlafen gehen werden auch sie vor dem Fernseher die Füße hochlegen.
Das heißt auch in vielen Pensions- und Reitställen werden Verletzungen oder Koliken oft erst bei den Morgen- oder Abendkontrollen bemerkt, wenn es Futter gibt. Und ehrlich gesagt habe ich schon Pensionsställe erlebt, in denen nicht einmal eine Verletzung bemerkt wurde.

Liegt ein Offen- oder Privatstall abgelegen in der Pampa, dann ist natürlich kein Wohnhaus und somit Besitzer vor Ort. Viele Leute sehen also einen abgelegenen Stall, und denken oft: da kümmert sich doch keiner.
Sie übersehen aber das die Pferde trotz Schmutzschicht gut gepflegt sind.
Sie übersehen das Futter in den Raufen, das Wasser in den Bottichen und das gemachte »Bettchen« im Offenstall.
Nein, leider denken die Leute oft nicht nach, sondern hüllen sich in ein Mäntelchen des Tierschutzes und wollen den vermeintlichen armen geschundenen Gestalten helfen.
Denn den armen Pferdchen im Offenstall kann es ja nicht gut gehen.
Haben viele Personen doch immer noch das Bild von Boxen in Reitställen im Kopf, in denen sich die Pferde sicher viel wohler fühlen müssen.
Das eine 3×3 Meter Box mit stundenweise Auslauf nicht unbedingt den Wünschen eines Pferdes und somit den Bedürfnissen eines Lauf- und Herdentieres entsprechen, das verstehen sie nicht. Denn in vielen Köpfen ist der Gedanke an eine schöne warme trockene Box einfach fest verankert. Und auch wenn Pferde diese gerne nutzen, so wollen sie ebenso raus wenn es regnet, stürmt oder schneit. Solange ein Unterstand, egal ob Stall oder Bäume, jederzeit zur Verfügung steht, spricht da auch absolut nichts gegen.

Nun schön ist, dass man mit vielen Personen ins Gespräch kommen kann, zeigen, erklären und zum Umdenken bewegen kann. (Siehe hierzu auch Futterterroristen und andere Spinner)
Unschön sind jedoch die Personen, die gleich zum Tierschutz oder Veterinäramt rennen.
Natürlich meinen es diese ja nur gut, sie haben die besten Absichten.
Aber es wäre einfach sinnvoller erst einmal das Gespräch mit den Besitzern zu suchen. Denn so können sich Missverständnisse im Vorfeld aufklären, ohne dass das Veterinäramt ihre Leute raus schicken muss. Denn entgegen der langläufigen Meinung »die tun eh nix« oder  »die brauchen ewig bis die kommen« muss das Veterinäramt jeder Anzeige nachgehen. Und werden sie in der Woche zu 5 unnötigen Fällen geschickt, die mit einer netten Besichtigung und einem Kaffee enden, so fehlt diese Zeit für Termine, die wirklich dringend nötig sind.

Von daher liebe Pferdefreunde, wenn ihr einen Stall/Weide seht, bei dem ihr denkt, das etwas nicht ganz koscher ist, hier eine kleine Checkliste:

  • Ist Wasser vor Ort?
  • Ist Futter da? Vielleicht auch in Raufen oder Netzen?
  • Haben sie einen Unterstand, Bäume und/oder Hecken als Wetterschutz?
  • Wie ist der Allgemeinzustand der Tiere?
  • Schmutz ist kein Zeichen für schlechte Pflege, verfilztes Fell allerdings schon
  • Stehen die Tiere schon länger dort?

Hat man also ein ungutes Gefühl, weil man vielleicht ein abgemagertes Pferd sieht, dann spricht man zuerst mit dem Besitzer! Denn es kann gut sein, das dieses Tier alt oder krank ist, oder in einer Erholungsphase und mühevoll aufgepäppelt wird.
Der Besitzer kann so etwas aufklären, wenn man das Gespräch sucht.
Dass diese natürlich nicht 24/7 vor Ort sind ist verständlich, denn auch sie haben neben den Pferden noch einen Beruf, eine Familie und ein Privatleben.
Um die Besitzer zu erreichen kann man:

  • Morgens und abends vor Ort längere Zeit warten.
  • Einen Zettel mit seinem Namen und der eigenen Telefonnummer samt der Bitte um Rückruf hinterlassen.
  • Anwohner und Hundeausführer fragen, ob sie den Besitzer oder die Zeiten kennen, in denen die Pferde versorgt werden.
  • Das Katasteramt aufsuchen und über das Grundstück den Besitzer ausfindig machen.

Aber NIE unbefugt Weiden/Stall betreten oder gar selber Hand an die Pferde legen. Niemals!

Hat man den Besitzer erreicht dann bittet man freundlich und höflich um ein Gespräch!
Bitte fallt nicht gleich über diesen her, als ob er ein Satanist wäre, der seine Pferde nur hält, um sie in schwarzen Messen zu opfern.
Klärt freundlich ab, warum die Pferde in diesem Zustand sind und was dagegen getan wird. Wenn nötig bietet Hilfe an.
Denn Tierschutz bedeutet nicht nur anzeigen und sich das Maul zerreißen, sondern auch aktiv helfen!
Sind die Zustände dennoch gravierend und der Besitzer zeigt keine Einsicht, dann kann man das Veterinäramt um Hilfe bitten. Aber hier sollte man den Arsch in der Hose haben und zu seiner Anzeige dort stehen und sie nicht anonym machen.
Dem Amt sollte man gleich alle Informationen liefern, ebenso das man bereits mit dem Besitzer gesprochen hat.
Alles Weitere werden diese dann regeln.
Aber versteht bitte, dass eine Anzeige beim Veterinäramt immer der letzte Weg sein sollte, damit sich diese wirklich um die kümmern können, bei denen sie auch gebraucht werden.

Was kann man als Pferdehalter tun, um kein falsches Bild zu wecken?

  • Wasser möglichst sichtbar aufstellen.
  • Futter möglichst sichtbar aufstellen in Raufen und Netzen.
  • Pferde einzopfen. Denn mit Zöpfchen wirken selbst Schlammschweinchen gepflegter
  • Den Stall sauber halten und schmücken.
    Hört sich seltsam an aber eine Weihnachtsdekoration am Stall wirkt selbst in einem trüben grauen Winter herzlich und liebevoll.
  • Verbringt Zeit am Stall zu den Stoßzeiten. Also auch sonntags Vor- und Nachmittag damit die Spaziergänger und Hundeausführer euch kennen lernen können.
  • Schilder am Stall/Weide, die neben Füttern verboten auch darauf hinweisen, dass diese Tiere mehrfach täglich versorgt werden.
  • Schilder die ungewöhnliche Ausrüstung wie Fressbremse, Ekzemerdecke oder Fliegenmaske erklären.
  • Eine Telefonnummer am Zaun/Stall für Rückfragen.

Hört sich das teilweise schräg an? Das sind manche Sachen auch.
Aber allein die Sache mit der Dekoration ist etwas, das bei mir vielen Spaziergängern gezeigt hat, das man sich liebevoll um den Stall kümmert.
Die Spaziergänger haben nicht nur positives Feedback dazu gegeben, nein, inzwischen freuen sie sich Jahr für Jahr darauf.
Es fällt also nicht nur positiv auf, sondern bleibt auch in den Köpfen der Leute als ein »hier wird sich gekümmert« haften. Zudem bietet es unweigerlich auch einen schönen Gesprächseinstieg um evtl. Fragen los zu werden. Viele Spaziergänger waren überrascht, dass ich täglich wenigstens 2x vor Ort bin. Ebenso das es zu Zeiten ist, in denen manche noch, oder eben schon wieder im Bett liegen.
Man tut gut daran, dies immer wieder vermeintlich beiläufig in Gespräche einfließen zu lassen. Denn Spaziergänger und Hundeausführer reden miteinander. Und wenn einer davon weiss, dass man wenigstens 2x vor Ort ist, wird sich das schon rum sprechen.
Sachen wie Fliegendecken, Masken oder Fressbremsen sind unerfahrenen Menschen einfach unbekannt und erschrecken sie mitunter.
Eine Fressbremse würde wohl eher als Maulkorb für ein bissiges Pferd angesehen, statt einer Hilfe zur Rationierung des Futters.
Auch hier muss man oft viel erklären und sollte davor keine Scheu haben.
Ebenso sollte man ruhig erwähnen, wenn man alte oder kranke Tiere dabei hat. Wenn man es vernünftig erklärt dann verstehen das auch unerfahrene Personen.
Hier kann man auch gerne den Vergleich mit einem älteren Menschen aufzeigen. Denn auch alte Menschen haben mal Zipperlein und sind nicht mehr ganz so frisch.
Das sind Vergleiche, die Pferde unkundige Menschen verstehen.

Mit der Zeit lernen einen die Menschen besser kennen. Sie sehen, wenn man zum Stall oder zu den Weiden fährt.
Die Spaziergänger beobachten, wenn man Zäune instand setzt, Weiden von Unkraut befreit, oder mit riesigen Heubergen kämpft.
Nach einer Weile und vielen Gesprächen wissen sie dann, welche Arbeit und Mühe man auf sich nimmt.
Mittlerweile kennen meine Pferde und mich unheimlich viele Menschen.
Menschen die dort in der Nähe wohnen, dort spazieren gehen, oder ihre Hunde ausführen. Sie sind alle nett, freundlich, freuen sich einen zu sehen und sie alle haben ein Auge auf das Wohlergehen meiner Pferde. Aber nur wenn man sich offen und freundlich allen Fragen stellt kann ein herzliches Verhältnis mit seinem Umfeld zu Stande kommen.
Und ich bin froh um alle Personen, die so liebevoll nach meinen Pferden sehen und ein Auge auf sie haben.

In diesem Sinne liebe Tierfreunde, wenn ihr Fragen habt dann wendet euch immer zuerst an die Besitzer der Pferde, statt das Ende der Welt herbei zu zitieren, im Schutze des Tierschutz Mäntelchens.

Und liebe Besitzer, bitte beantwortet freundlich und höflich alle Fragen eures Umfeldes, egal wie sehr es euch auch nerven mag. Denn dann kann sich das Veterinäramt um die wichtigen Fälle kümmern, die es verdient haben.

In diesem Sinne, flauschige Grüße
Celeste

tierschützer