Tag-Archiv | Offenstall

Eine Sache des Platzes

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start in die dritte Jahreszeit? Auch wenn uns nicht gerade ein goldener Herbst beschert wird, so machen wir Pferdebesitzer doch wie immer das Beste daraus. So verbringe ich, wie viele von euch sicher auch, viel Zeit damit den Offenstall winterfest zu gestalten, damit auch der schlimmste Schmuddelwinter kommen kann.

Wenn ich dann ab und an in der Arbeit innehalte, vergleiche ich meinen Offenstall mit den Bildern, die ich im Internet von anderen Pferdebesitzern sehe.
Natürlich sind viele professionelle Bausätze im Internet vertreten, welche nicht nur eine ausreichende Offenstallgröße, sondern auch ein heimeliges Wohnambiente für die Pferde bieten. Und mit Sicherheit sind sie deutlich schicker und moderner als mein schnuckeliger Stall.
Ebenso gibt es wirklich liebevolle und gut durchdachte Eigenbauten, welche nicht nur durch viel Mühe, sondern auch mit durchdachten Konzepten überzeugen. Ställe, die vielleicht nicht perfekt für die schnöde Außenwelt sind, aber den Pferden ein harmonisches und glückliches Leben bieten.
Leider es gibt jedoch ebenso einige Unterstände, bei denen ich nicht wirklich an einen Offenstall denken muss. Da werden Einzelcarports aus dem Baumarkt auf eine Weide gestellt, welche gerade mal 3 x 5 Meter messen. Diese sollen dann wenigstens für zwei Pferde oder mehr Unterschlupf bieten.
Da fasse ich mir dann doch an den Kopf! Denn wie oft wird die Boxenhaltung, mit ganztägigem Auslauf, mit ihren 3 x 3 Meter Boxen, als unzureichend abgestempelt und als Knast vernannt? Aber ein Carport von 5 x 3 Meter soll als Offenstall alles wettmachen?
Wie kann es sein, dass die Liegefläche an Platz und Wert verliert, nur weil man einen Offenstall daraus macht?
Unter uns Betschwestern: Egal ob Box oder Offenstall, jedes Pferd sollte die Möglichkeit haben in Ruhe zu schlafen, und das im Stehen UND im Liegen! Nach Möglichkeit auch alle zusammen / gleichzeitig, wenn sie denn wollen.
Selbst wenn nicht immer alle Herdenmitglieder gleichzeitig liegen, zumindest sollte es platzmäßig möglich sein. Dabei muss man bedenken, dass Pferde sich nicht schlafend übereinanderstapeln, wie Katzen oder Kaninchen das ab und an machen, denen es bisweilen gar nicht eng genug sein kann. Wobei es auch da Ausnahmen gibt, wenn ich an meine Katze denke, die den meisten Platz bei uns im Bett einnimmt, einschließlich meines Kopfkissens und genau abwägt, wie viel Körperkontakt ihr genehm ist.
Aber egal bleiben wir beim Thema: Wenn Pferde und Ponys ausgestreckt liegen, dann nehmen sie von Kopf bis zu den Hufen eine Menge Platz ein. Und die legen sich nicht raumsparend nebeneinander ab, sondern dort wo die Fläche gerade weich, lauschig, kuschelig und sicher ist. 3 x 5 Meter bieten also nicht wirklich genug Platz, damit 2 Pferde / Endmaßponys zusammenliegen und schlafen können, außer es sind extreme Kuschelschläfer.
Nur weil man einen Offenstall anbietet, sollte das Platzangebot nicht schrumpfen! Und ja, ich habe solche Carports auf Bildern schon öfter gesehen, welche dann für 2, 3 und auch schon 4 oder 5 Pferde als einziger Unterstand dienen sollte. Nein, das war leider kein Doppelcarport, und der Unterstand sollte bei Regen, Sturm, Wind, Schnee und Hitze Unterschlupf bieten. Für alle Pferde wohlgemerkt!
Viel zu oft wurde sich dann herausgeredet, dass eh nicht alle Pferde gleichzeitig schlafen und dass nicht alle in den Unterstand wollen. Zudem sollte man sich nicht so anstellen, es sei ja schließlich ein Offenstall und somit 1.000 x besser als eine Box.
Sorry, da frage ich doch schon mal nach dem gesunden Menschenverstand. Klar wollen nicht alle Pferde gleichzeitig in den Unterstand, wie sollen sie das dann auch machen? Sich stapeln? Zusammenfalten? Schrumpfen à la Pan Tau?
Natürlich wechseln sie sich dann ab, und mitunter kommt dann das eine oder andere Pferd zu kurz, was Schlaf, Ruhe und Erholung angeht.
Sicher gibt es auch harmonische Gruppen, die sich stapeln lassen, die sich zusammen in den Offenstall kuscheln. Aber mal im Ernst, schön ist doch anders, oder?
Denn egal wie gut ihr euch mit eurem Partner versteht, egal ob ihr Kuschelschläfer seid, eure Bettseite ist euch sicher ebenso heilig. Und jeder Arm und jedes Bein, das euch im Schlaf stört, wird auf den Mond gewünscht.

Dann gibt es da noch die beliebte Standardausrede: ›Meine schlafen eh immer lieber draußen.‹ Klar, wo sollen sie denn sonst schlafen?Als Pferdemikado?
Das ist vergleichbar mit dem Ehemann, der aus dem Bett zum Sofa flüchtet, weil seine Frau jede Nacht derart laut und röhrend schnarcht, dass er keine Ruhe findet.
Der sagt dann auch: »Spatzerl, ich mach das nur, damit DU in Ruhe schlafen kannst.« Der gibt ja nicht freiwillig zu, dass ihm seine Holde des Nachts den letzten Nerv raubt. Und bei den Pferdebesitzern ist das ähnlich, da wird schöngeredet oder naiv weggesehen. Und lieber werden Pferde eingedeckt als einzusehen, dass es an echtem Schlaf und Ruheraum fehlt.

Wenn wir also einen Offenstall planen dann sollte pro Pferd nicht weniger Liegefläche eingerechnet werden als bei einer Box. Im Gegenteil, ich bevorzuge eher mehr Platz. Denn in einer Box hat ein Pferd wenigstens seine Ruhe vor einem störenden Herdenmitglied. Dort wird es nicht aufgescheucht, weil ein ranghöheres Pferd auf einmal den Schlafplatz für sich alleine beansprucht, es ist sicher hinter seinen 4 Wänden.
Daher muss im Offenstall genug Platz angeboten werden, dass auch rangniedrigere Pferde sicher und ruhig abliegen können. Einfach, damit die Pferde im Stall immer liegen können, wann und wo sie wollen, und sich trotzdem sicher und behaglich fühlen.

Mir ist schon klar, dass ich von einigen Offenstallbesitzern für diesen Beitrag wieder gelyncht werde. Frei dem Motto ›So lange es ein Offenstall ist, ist alles flauschig‹, aber nein, das ist es für mich nicht. Für mich ist der Platzaspekt ebenso wichtig, wie gutes Einstreu, eine gute Belüftung, ebenso wie abgestimmtes Futter und genug Auslauf.

Von daher, das Holz für den Scheiterhaufen findet ihr zu eurer linken Seite, rechts die Steine samt falschen Bärten in reichhaltiger Auswahl für die Steinigung. Ozelotmilch, Otternasen und Wolfszitzenchips für den kleinen Hunger gibt es im Bauchladen.

In diesem Sinne flauschige Grüße
Celeste

 

Ein Sturm zieht auf …

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe ihr und eure Lieben haben diesen großen Sturm gut überstanden?
Ich gestehe, mir geht bei solchen Unwetterwarnungen immer der Arsch auf Grundeis. Verzeiht die offenen Worte, aber besser kann ich es einfach nicht beschreiben. Denn einmal hat es mir bei einem Orkan das halbe Stalldach und einige Zäune umgelegt und danach sieht man die Offenstallwelt bei einem Sturm einfach mit anderen Augen.

Gestern war wieder so eine Nacht, voller Wind und Regen. Gut ich wusste was auf uns zukommen sollte, denn ich beobachte den Wetterbericht täglich mit Argusaugen. Und auch wenn ich froh bin dass die Warnungen dank des Internets so schnell und aktuell wie möglich sind, beruhigend sind die Unwetterwarnungen nicht wirklich.
So lag ich, wie sicher viele von euch, die halbe Nacht wach, während draußen der Sturm tobte. Immer wieder wanderte mein Blick aus dem Fenster zu den wehenden Fahnen im Ort und auch meine klappernden Rollläden traute ich mich nicht zu schließen. In schönster Albtraummanier stellte ich mir die verschiedensten Horror-Szenarien vor und schlotterte unter meiner Kuscheldecke.
Mehrmals fragte mein Mann, ob ich nicht doch hoch zum Stall fahren möchte, aber dies verneinte ich dann doch. Denn was hätte es genutzt? Der Stall war sicher gebaut, die Pferde konnten jederzeit raus. Und selbst wenn es etwas zerlegt hätte, sind rund um meinen Stall riesige Weiden, samt den Feldern meines Bauern.
Auch wenn ich noch so gerne im Stall übernachtet hätte, siegte dann doch meine Vernunft. Denn zum einen ist es mit Grippe nur bedingt sinnig im Stall zu nächtigen, zum anderen, habe ich ja auch noch Versorgungspflichten daheim, welche ich wegen meiner eigenen Ängste nicht zurückstellen kann. Also zog ich die Bettdecke über den Kopf, die schnurrende kleine moppelige Katze neben mich, und mein Mann wachte gewissenhaft über das Wetter und meinen – wenn auch wenigen – Schlaf.
Nach vielen Albträumen und wenig Schlaf hüpfte ich also früh aus dem Bett und machte mich stallbereit, mit regenfester Kleidung und Gummistiefeln. Der Energydrink war fast unnötig so aufgedreht war ich als ich ins Auto hüpfte. Mein Weg zum Stall ist nur kurz, dennoch sah ich schon im Ort Bilder der Verwüstung. Die Straßen waren teilweise voller Schmutz, wie nach einem Silvestermorgen. Nur dass es sich nicht um Reste von Böllern, sondern um Laub und Äste handelte. Der Feldweg zum Stall entlang war nicht besser und mein Magen zog sich merklich zusammen. Auf dem Zufahrtsweg sah ich meinen Stall dann schon aus der Ferne. Soweit ich erkennen konnte, stand er noch.  Je näher ich kam, umso mehr sah ich dann. Meine Raufen die alle noch standen, meine Zäune welche noch heil waren, und meine Pferde die schon auf mich warteten. So langsam beruhigte ich mich dann doch ein wenig.
Als ich ausstieg ließ ich kurz meinen Blick schweifen. Die Pferde begrüßten mich munter und erwarteten freudig das Frühstück.  – Trotz 24/7 Heu meint die Bande wohl das man ohne Hafer augenblicklich vom Fleisch fällt. – Frau Panzer hüpfte über den Paddock wie ein Flummi auf Koks, Herr Pony suhlte sich erst einmal im Matsch der Winterweide und die zwei Schwestern begrüßten mich kurz und verkrümelten sich wieder in den Stall. Bei dem Schmuddelwetter konnte ich es ihnen nicht verdenken.
Ich gestehe, ich war so erleichtert, dass ich mir erst einmal neben meinem Auto noch einmal mein Frühstück durch den Kopf habe gehen lassen. Ja ich weiß, ein unangenehmes Thema aber solche Sorgen schlagen mir eben auf meinen Magen.
Ein verdatterter Blick meiner Pferde später checkte ich noch einmal ganz genau den Stall. Alle meine Sorgen waren wirklich unbegründet.
Okay, die Heuplane hatte etwas gelitten aber gehalten. Die Besucherstühle hatte es umgeweht und 3 Weihnachtskugeln lagen auf dem Paddock. Aber das war auch schon alles gewesen.
Also versorgte ich meine Pferde und dachte dabei, dass ich mit meiner Sorge wohl langsam übertreibe, wenn sogar die Weihnachtsdekoration überlebt hat. Wahrscheinlich hatte ich mich heute Nacht einfach in meine Ängste hinein gesteigert. Ich überlegte sogar schon, wie ich mich bei meinem Mann für die unruhige Nacht entschuldigen sollte. Einzig die immer wiederkehrenden Geräusche von Feuerwehr und Motorsägen, welche bis zum Stall hallten, zeigten mir, dass wohl doch an einigen Stellen größere Schäden entstanden sein mussten.
Als ich anschließend meine Einkäufe erledigte, wurde mir auf der Fahrt dann auch das volle Ausmaß der Schäden bewusst. Immer wieder sah ich umgefallene Straßenschilder, welche aus der Bodenverankerung gerissen waren. Oder Werbeschilder mit riesigen Betonfüssen, welche dem Sturm zum Opfer gefallen sind.

Später im Internet las ich von abgedeckten Dächern aus meiner Region, umgestürzten Bäumen und zerlegten Gartenhäusern wie auch der Feuerwehr im Dauereinsatz.
Ein späterer Blick durch die Offenstallgruppen offenbarte dann auch Bilder von zerstörten Ställen und umgewehten Weidezelten. Erneut machte mein Magen einen Hüpfer, wenn ich mich auch diesmal beherrschen konnte. Mir wurde bewusst, dass meine Sorgen nicht übertrieben gewesen waren und wie viel Glück ich wieder einmal gehabt hatte.
Natürlich vertraue ich auf meinen Stall und meine Weiden, ebenso auf meine wirklich wundervollen Pferde. Aber ich weiß, dass so ein Sturm nunmal nicht aufzuhalten ist. Früher als ich jung und unbekümmert war machte mir ein Sturm keine Angst. Meine Pferde standen in Pension, hatten nachts ihre Boxen und ich war mir sicher, dass ihnen nichts passieren konnte. Schließlich waren die Boxen sicher, der Stall gemauert und mein jugendliches Vertrauen grenzenlos.
Heute weiß ich den Offenstall gerade bei Sturm umso mehr zu schätzen, denn sollte einmal etwas passieren  können die Pferde jederzeit raus und flüchten.

Wie wichtig das ist wurde mir erst vor einigen Jahren klar als ein schlimmer Orkan mein Stalldach teilweise abdeckte und auch einiges an Zäunen zerlegte. Obwohl meine Pferde damals unbekümmert auf der Weide standen, war ich sehr frustriert und schockiert über das Ausmaß des Sturmes. – Bis ich den Hof meines Heubauern besuchte.
Dort waren so viele Bäume umgefallen, dass die Zufahrt komplett versperrt war. Aber umso schlimmer waren die zwei Bäume, welche auf das Haus gefallen waren. Gott sei Dank gab es weder Verletzte bei Mensch oder Tier, wenn man von dem großen Schrecken absieht. Mir wurde aber damals bewusst, dass auch die stärksten Mauern und das beste Dach mitunter keine Chance gegen einen Orkan haben. Und wie gut ist es dann, wenn Mensch und Tier flüchten können, wenn einem das Dach buchstäblich über dem Kopf zusammenbricht.
Nein, ich sehe solche Stürme nicht mehr so unbedacht wie früher. Dennoch zwinge ich mich, nicht ganz meinen Ängsten zum Opfer zu fallen.

Ich weiß,

  • der Offenstall ist gut gebaut.
  • die Pferde können jederzeit raus.
  • sie haben riesige Flächen um zu flüchten.

Und das Wichtigste:
Was auch immer der Sturm an Schäden anrichtet, solange es den Pferden gut geht ist alles wieder zu richten. Denn Ställe und Zäune kann man immer wieder aufbauen. Wobei es allerdings nicht schaden kann, einen Notfall Unterbringungsplan in der Tasche zu haben. Auch wenn wir ihn hoffentlich nie nutzen müssen, hat er doch etwas sehr Beruhigendes.

So bin ich nun froh, dass der Sturm vorbei ist, auch wenn ich weiß, dass es nicht der letzte Orkan gewesen ist. Ich werde sicher noch viele Nächte ängstlich im Bett liegen und mein Kopfkino voller Sorgen wird mich wach halten. Allerdings weiß ich, dass es vielen von euch ebenso geht und der Gedanke ist tröstlich, dass ich mit diesen Ängsten nicht alleine bin.

In diesem Sinne wünsche ich euch sturmfreie Tage,
flauschige Grüße
Celeste

 

Wildpferd oder Couch-Potato?

Hallo meine Flauschehasen, ein frohes neues Jahr wünsche ich euch. Ich hoffe, ihr und eure Lieben seid ruhig in das neue Jahr gekommen. Zumal wie ich, auch viele von euch sicher eine Nachtwache am Stall gehalten haben werden. Denn mögen meine Pferde wirklich unanständig ruhig auf das Feuerwerk reagieren, man ist doch nie vor verirrten Raketen gefeit. Daher ist es bei uns seit Jahren ein festes Ritual das Feuerwerk am Stall bei den Pferden zu genießen.

Wie schon erwähnt, nahm meine Bande das Spektakel ziemlich gelassen. Das Feuerwerk wurde begutachtet und dann wurde weiter gefressen, bis man sich wieder ins Offenstallbettchen verkrümelte. Denn ich muss gestehen, ich besitze eine Bande voller Couch-Potatos, welche lieber drinnen im Offenstall, als draußen auf den befestigten Ausläufen mit Futter verweilen. Liest man dagegen durch das Internet was die anderen Pferdebesitzer so posten, dann ist das wohl eher eine Seltenheit. Denn dort ist sehr oft zu lesen, dass Pferde als ehemalige Wildpferde viel lieber draußen seien. Bei jedem Wetter, egal ob es regnet, schneit oder stürmt, egal zu welcher Tageszeit, bzw. auch über Tage hinweg voller Dauerregen. Schließlich seien sie Wildpferde und keine Höhlenbewohner.
Okay, das werde ich meinen Pferden dann wohl dringend mitteilen müssen. Denn meine spielen wirklich gerne Batman (zugegeben der Haflinger lieber Hulk) und verweilen in der Bat-/ Offenstallhöhle, statt draußen bei Schmuddelwetter zu spielen.
Denn meine Pferde sind bei Ekelwetter lieber drinnen. Aber ebenso wenn die Sonne scheint oder wenn es schneit. Sie gehen raus auf den befestigten Auslauf oder die Winterweide, drehen ein Paar Runden und verkrümeln sich wieder in ihr Offenstallbettchen.
Was mache ich also falsch, das meine Bande ihren Stall so sehr liebt oder andersrum gefragt: Was mache ich richtig?
Denn Offenstallhaltung bedeutet ja nicht nur das die Pferde jederzeit raus auf den Auslauf/Weide können, sondern ebenso, dass sie auch jederzeit wieder in den Stall hinein dürfen.
Kommen wir also noch einmal auf diese tolle Aussage zurück: »Pferde sind Wildtiere und keine Höhlenbewohner.«
Seien wir ehrlich, mit Wildpferden haben unsere Hauspferde so viel gemein wie der Haushund mit dem Wolf und die Hauskatze mit einem Luchs.
Sicher sind noch Grundinstinkte (Fluchtinstinkt usw.) und Grundbedürfnisse vorhanden, aber eigentlich sind es faule Sesselpupser geworden. Wir bieten ihnen also eine möglichst naturnahe Haltung sowie Fütterung und beschäftigen sie. Dennoch haben wir keine Wildpferde mehr daheim. Ebenso besitzen wir nicht solche Laufflächen oder das  Nahrungsangebot, auf welches die Wildpferde zurückgreifen müssen.
So erfreuen sich unsere Pferde nicht nur an einem Service mit uns als Personal. Nein,  entgegen der Wildpferde kann das Nahrungsangebot einzeln abgestimmt und mit Serviceleistungen rund um die Gesundheit abgedeckt werden.
Von daher ist es eigentlich kein so schlechter Deal, kein Wildpferd mehr zu sein.

Doch was ist nun mit der Höhlenbewohnersache? Warum wird sich immer wieder darauf berufen, nur weil manche Pferde lieber draußen verweilen?
Nun eigentlich liegt die Antwort schon in dem Wort ›Höhlenbewohner‹, denn wenn ein Offenstall einer Höhle gleicht, dann ist bei der Planung etwas schief gelaufen.
Okay, das mag nun sicher niemand hören, aber leider sehe ich oft genug Bilder von dunklen Offenställen welche wirklich einer Bathöhle gleichen. Manchmal erwartet man förmlich das einen eine Fledermaus von der Dachschräge aus zuzwinkert.
Ebenso sehe ich oft Offenställe, in denen nur draußen gefüttert wird. Vermeintlich mit der Begründung das Ruhe und Fressbereich getrennt sein sollen.
Mal im ernst, ist euch schon aufgefallen das ein großzügiger Offenstall genug Platz für Schlaf und Fressbereiche, wie auch eine Toilettenecke bietet? Nicht zu vergessen, dass es vielen Pferden eh ganz egal ist. Die fressen vorne, hinten äppeln sie, und gelegen wird da, wo es warm und weich ist. Dazu bieten viele Pferdebesitzer genau aus diesem Grund draußen das Heu an, damit nicht so viel in den Stall geäppelt wird und die Pferde längere Zeit an der frischen Luft sind.
Je nach ursprünglicher Planung des Stalls kann es zudem schnell passieren, dass der Offenstall nicht so einladend ist, wie wir es uns eigentlich für unsere Pferde wünschen.
Zum Beispiel Offenställe, …

  • die nur einen oder zwei Eingänge haben als einzige Lichtquelle.
  • mit dunklen Dächern und Wänden, ohne Lichtfenster.
  • dunkle Laufhallen, bei der allein eine Schicht weiße Kalkfarbe Wunder bewirken könnte.
  • bei denen das Raufutter immer nur draußen gereicht wird.
  • die zu klein sind für die Anzahl an Pferden.
  • deren Liegeflächen nicht weich genug gepolstert sind. (Nicht jedes Pferd mag Matten)
  • die zu wenig Ein- / Ausgänge haben, was zu Rangeleien führt.
  • deren Herde nicht harmoniert und somit Pferde ausgegrenzt werden.

 

Mal im Ernst, wundert es dann jemanden, wenn die Pferde lieber draußen sind, bzw. es zwangsweise müssen?
Welches Pferd verweilt schon gerne in einem düsteren Stall bei Tageslicht?

Ebenso, wenn das Raufutter nur außerhalb des Stalls gefüttert wird. Wie viele Stunden verbringen Pferde damit dieses zu fressen? Und wenn dieses ausschließlich in Raufen oder Netzen an der frischen Luft angeboten wird, dann verbringen die Pferde zwangsläufig auch viele Stunden außerhalb des Stalles.
Sicher kann man Futter und Wasser als Bewegungsanreize über Trails anbieten, aber muss man das wirklich? Wenn man ein gesundes Pferd hat, welches nicht zwangsläufig bewegt oder auf Diät muss. Warum darf es nicht selber entscheiden, wie es seinen Tag verbringen will?
Daher ist eine andere Möglichkeit:

  • Einen großzügigen Stall bei Bedarf variabel trennbar.
  • Mehrere Ein- /Ausgänge
  • Ein befestigter Auslauf
  • Dauerhafter Zugang zur Winterweide
  • Einen großzügig eingestreuten Stall
  • Lichtdurchlässiges Dach /Beleuchtung
  • Heu draußen auf dem Paddock, auf der Weide und im Stall

Richte ich bei meiner Bande zum Beispiel den Stall, sperre ich sie aus und es gibt in dieser Zeit loses Heu auf der Weide. Sobald ich die Tore wieder öffne, stehen sie selbst im schönsten Winterwetter wieder drinnen.
Wenn ein Pferd also freiwillig den Stall wählt, liegt es also nicht nur an einer Box- / Futterkonditionierung, sondern manchmal auch schlichtweg am Offenstall Ambiente wie auch dem Charakter der Pferde.
Hat man also Pferde, die den Stall bei Schmuddelwetter immer noch meiden, dann mag es am Charakter liegen. Dennoch würde ich eher noch einmal die oben genannten Punkte überdenken. Denn wer weiß, vielleicht gefällt euren Pferden der Stall deutlich besser, wenn ihr etwas nachbessert. Frei dem Motto willkommen bei »Schöner wohnen im Offenstall«. Mitunter spart euch das auch Sorgen oder Eindecken bei Unwetter und Sturm. Denn seien wir ehrlich, auch wenn wir Regenwurmpferde haben, bei einem starken Wind und Platz- / Eisregen wäre uns auch wohler wenn wir sie im geschützen Offenstall wissen.

In diesem Sinne, flauschige Grüße an alle Wildpferde wie Couch-Potatos,
Celeste

 

Kinderspiel Selbstversorgung?

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Man mag es kaum glauben, aber wir haben mittlerweile den vierten Advent. Mir kommt es fast so vor als ob die Zeit bis Weihnachten dieses Jahr einfach verflogen ist.
Waren Herbst und Winter sonst immer sehr zäh und langwierig, so vergeht dieser Winter schneller als es all die Jahre zuvor war. Sicher hat das gute Wetter einen großen Anteil daran, denn während die letzten Winter dauernass und matschig waren, sorgen nun kalte und sonnig frostige Tage für ein leichteres arbeiten.
Aber nicht nur das schöne Wetter, auch der neue, befestigte Paddock machen die Stallarbeit für mich zu einer wahren Freude.

Dennoch, trotz aller Freude, verbringe ich täglich viele Stunden im Stall. Dabei sitze ich weniger auf meinen Pferden, sondern versorge ihre Bedürfnisse und optimiere und warte meinen kleinen Stall und die Weiden. Lese ich dann im Internet von Personen, welche in die Selbstversorgung wechseln möchten, dann muss ich immer ein wenig schmunzeln. Wie motiviert lesen sich diese Frischlinge, wie hoffnungsvoll sind sie noch. Und ja, ich darf darüber lächeln, war ich doch vor 12 Jahren nicht anders.

Auch ich hatte den Wunsch alles selber zu regeln und ich dachte mir, dass es so schlimm ja nicht sein könnte. Schließlich hatte ich auch zu Pensionszeiten immer einen großen Anteil der Stallarbeit geleistet.

So hatte ich trotz Vollpension oft, …

  • selber gemistet. Und meist nicht nur meine eigenen Pferde, sondern aus Freundschaft oder Langeweile oft alle Pferde.
  • Futter vorbereitet, für alle Pferde und gefüttert.
  • den ganzen Hof sauber gehalten, mit meinem besten Freund dem Besen …
  • Weide Hol- und Bringdienste übernommen, um den Stallbesitzer zu entlasten.
  • bei der Heu- und Strohernte geholfen. (Mit Heuschnupfen immer wieder ein Erlebnis.)
  • Boxen gestrichen / gekalkt und natürlich nicht nur meine

Usw.

Eigentlich habe ich immer gerne und viel geholfen. Ich habe trotz Vollpension Dienste übernommen, um den Stallbesitzer oder Miteinstaller zu entlasten. Und ja, ich habe es gerne gemacht.

Also dachte ich zum Wechsel in die Selbstversorgung, dass die Arbeiten rund um die Pferde ein Klacks sein würden. Das hatte ich ja eigentlich alles schon früher gemacht.

Heute weiß ich, dass es ein dummer Gedanke war. Ein verständlicher, aber dennoch dummer Gedanke.

Denn ich hatte nicht bedacht, dass ich all diese Arbeiten freiwillig übernommen hatte. Egal wo ich aushalf, es war meine Entscheidung gewesen. Niemand stand hinter mir und sagte ›du musst das aber jetzt!‹.

Nun mit dem eigenen Stall ist man selber sein eigener Sklaventreiber. Denn plötzlich weiß man, dass man all diese Dinge selber erledigen muss. Das keine Stallbesitzer oder Heinzelmännchen diese Dinge für einen erledigen. Man ist plötzlich selber in der dauerhaften Pflicht.

Man muss:

  • Die die Pferde mehrmals täglich mit Futter und Wasser versorgen, bzw. wenigstens dieses kontrollieren.
  • Für Sauberkeit auf Stall und Weiden sorgen.
  • Für genug Futter und Einstreu auf Vorrat sorgen.
  • Für einen ordnungsgemäß eingezäunten Auslauf sorgen.
  • Alle Instandhaltungsarbeiten rund um Stall und Weide managen.
  • Selber kontrollieren, ob alle Pferde gesund und unverletzt sind.
  • Selber bei Terminen wie z.B. Sylvester dafür sorgen das nichts passiert.

Usw.

Und plötzlich verbringt man neben der normalen Versorgung seine Zeit damit auf den Heulieferanten zu warten. Oder nach Silvester die Weiden nach verirrten Raketen abzusuchen. Man setzt auf einmal selber Zäune instand, mit welchen eine Horde Wildschweine wenig erfolgreich Limbo gespielt hat.

Allein die normale Versorgung braucht täglich eine gewisse Zeit. Dazu kommen dann die immer wieder auftretenden Instandhaltungsarbeiten. Und diese treten meist genau dann auf wenn man sie am wenigsten brauchen kann.

Zum Beispiel:

  • Man möchte Abends ausgehen und will kurz vorher in guten Sachen noch bei den Pferden nach dem rechten sehen. Leider stehen diese plötzlich neben der Weide, weil der Haflinger Zaunbingo gespielt und leider gewonnen hat.
  • Während man auf der Arbeit ist, klingelt das eigene Handy Sturm, weil ein pseudo Tierschützer am Stall Stunk macht. Da die armen Pferde ja im Offenstall stehen und das ja eine Tierquälerei ist, muss man die am Zaun für Notfälle ausgehangene Telefonnummer dazu nutzen, dieses sofort mitzuteilen. Und bevor dieser dann gleich noch die Polizei, PETA und den Papst informiert, stellt man sich diesem Gespräch besser und klärt – mal wieder – über Offenstallhaltung auf. Oder warum Heunetze nicht dazu gedacht sind, um die armen geschundenen Pferde zu ärgern.
  • Sonntags ausschlafen oder Urlaube sind nur dann noch möglich, wenn man eine passende Vertretung hat. Denn die Pferde wollen immer versorgt sein, auch am Wochenende. Entweder man hat dann gute Freunde, die ab und an aushelfen, oder man muss einen kostenpflichtigen Versorgungsdienst nutzen. Und meist sind alle Gefallen bei den guten Freunden schon mehr als ausgereizt, wenn man denn selber wieder einmal krank ist. Denn auch wenn wir Grippe oder Magen-Darm haben: Den Pferden ist das egal, sie wollen versorgt sein.

Nun ich denke, ihr wisst worauf ich hinaus will. Aber Selbstversorgung ist ebenso auch etwas wunderschönes, denn es hat auch seine Vorteile:

  • So bestimmt man selber das Futter wie auch seine Qualität und Menge.
  • Man bestimmt über Haltung und Auslauf.
  • Durch die ständige Arbeit vor Ort festigt es die Beziehung zu seinen Pferden ungemein.
  • Man ist sein eigener Herr und muss sich weder mit Stallbesitzern herumärgern, welche sich nicht an Verträge oder Abmachungen halten, noch mit blöden Miteinstallern.

Natürlich haben die wenigsten von uns freiwillig die ganze Arbeit gewählt. Viele wechseln, weil die Zustände in Pensionsställen teilweise untragbar sind. Schlechte Futterqualitäten oder nicht eingehaltene Weidezeiten, aber auch Abmachungen, die nicht beachtet werden, lassen uns oft in die Eigenregie wechseln.

Aber viele geben es nach Jahren der Selbstversorgung wieder auf, weil sie mehr Reiten, statt versorgen wollen.

Von daher sollte man sehr gut überlegen, ob man wirklich in die Selbstversorgung wechseln will.

  • Ob man das körperlich wie auch zeitlich überhaupt schaffen kann, neben Familie und Beruf.
  • Ob man mit damit leben kann, auch mal, oder mal öfter, auf Reiten zu verzichten.
  • Das es nicht wirklich billiger ist als ein Pensionsplatz, wenn man Futterkosten wie auch Wartungsarbeiten und die eigene Arbeit dazu zählt.
  • Das man immer – wirklich immer – selber für seine Pferde verantwortlich ist. 24 Stunden, 7 Tage die Woche, egal was passiert oder was die Bande anstellt.

Ich für mich kann sagen: Ja, es ist viel Arbeit. Gerade im Winter kommt das Reiten oft zu kurz. Aber die gute Versorgung samt einem Leben im Offenstall kann ich meiner Bande nur so bieten. Also nehme ich das auf mich, auch wenn es Tage gibt wo ich auch mal gerne länger schlafen würde. Tage, an denen mich die Grippe plagt und das Bett leise flüstert ›bleib doch liegen, du fühlst dich elend‹. Und trotzdem raffe ich mich auf und gehe zu meiner Bande.

Nein, als ich die Selbstversorgung anfing habe ich mir das wirklich nicht so vorgestellt. Ich dachte lächelnd das ich all das schon schaukeln werde. Das es nicht so hart sein kann wie von anderen beschrieben. Heute weiß ich, meine Gedanken waren naiv und blauäugig. Dennoch war es für mich die beste Entscheidung, die ich mir vorstellen kann. Und wer nun überlegt in die Selbstversorgung zu wechseln der ist gewarnt, dass es nicht ganz so einfach ist. Aber trotz allem ist es dennoch wunderschön!

In diesem Sinne ein Hoch auf alle Selbstversorger, die sich den Pferden zuliebe abrackern. Die diese Arbeit auf sich nehmen um ihnen ein besseres Leben zu bieten. Und wenn ihr es auch manchmal im Stress vergesst: ›Seid stolz auf euch und eure Arbeit!‹

Flauschige Adventgrüße

Celeste

P.S. Weihnachten und Neujahr gibt es keinen Blogbeitrag. Ihr werdet es kaum glauben, aber meine Oompa Loompa und ich nehmen uns frei. 😉

 

Ausflugsziel Offenstall

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder und ich wünsche euch sowie euren Vierbeinern einen wundervollen zweiten Advent. Nun geht es so langsam in riesigen Schritten auf Weihnachten zu und ich darf Stolz verkünden, dass nicht nur alle Weihnachtsgeschenke besorgt sind, sondern auch die zweite Ladung Weihnachtsplätzchen gebacken wurden. So habe ich also etwas Luft um mehr Zeit im Stall zu verbringen, bei diesem wunderschönen frostig-sonnigen Wetter.

Und genau dieses Wetter lockt wie immer eine Menge Spaziergänger an. Leute die ihre Hunde ausführen. Touristen welche in den nahe gelegenen Pensionen wohnen. Und natürlich die Stammspaziergänger, welche meinen Stall mittlerweile als tägliches Ausflugsziel auserkoren haben.
Ja, ihr habt richtig gelesen: Diese meist älteren Personen besuchen wirklich täglich meinen kleinen doch recht abgelegenen Offenstall.
Das war zu Anfang schon etwas gewöhnungsbedürftig, schließlich ist mein Stall weder ein Streichelzoo noch ein Freizeitpark. Und mit den geleckten Anlagen der meisten Reitställe kann ich mit meinen panierten Offenstallschnitzeln nun auch nicht mithalten. Mich wunderten diese täglichen Besuche, die schon fast ritualisiert werden, also sehr.
Dazu kam natürlich noch die Sorge, dass die Pferde trotz Verbotsschilder gefüttert werden. Also suchte ich zügig das Gespräch mit den verschiedenen Personen.
Schnell stellte sich heraus, warum meine Zaungäste solchen Spaß an den Besuchen haben. Nicht zuletzt ist das wohl meinem kleinen Haflingermädchen geschuldet, das sich am Zaun allen Besuchern anbiedert wie eine Bordsteinschwalbe bei einer gerade eingelaufenen Schiffscrew.
Und so lässt sie sich tätscheln und kraulen und lauscht den Geschichten der Omis, wenn sie von den alten Arbeitspferden aus ihrer Kindheit erzählen.
Während meine anderen 3 die Besucher nicht mal mit dem Hintern anschauen, ist mein Panzerlein zu jedem Besucher freundlich. Nicht selten erzählen mir dann meine Gäste wie zutraulich das Panzerlein ist und auch, dass dieses Pferd sie ja so lieb gewonnen haben muss, da es ja immer zu ihnen kommt.
Gut, in diesem Moment möchte ich sie dann nicht uncharmant auf den Boden der Tatsachen zurück holen und erklären das dieses Pferd zu jedem geht – quasi ein Pferdeflittchen eben. Also belasse ich sie im Glauben ihrer besonderen Beziehung und lächele.

Das Gute an den dauernden Besuchen ist, dass meine Gäste sehen, wie viel Arbeit die tägliche Versorgung macht. Wie lange ich Heunetze stopfe, während ich mich mit ihnen unterhalte. Und wie ich säckeweise Einstreu in den Stall bringe, den Auslauf harke oder kanisterweise Wasser schleppe.

Auch die Mengen an Rundballen Heu, wie deren zügiger Schwund, wird beobachtet und kommentiert.
Oft kommen dann Aussagen und Fragen:

  • Das man nicht gedacht hätten das es so viel Arbeit sei.
  • Warum ich mir freiwillig so viel Arbeit aufbürde.
  • Warum ich sie nicht lieber in einen Reitstall stelle, mit Boxen und fließend Wasser. Da hätten die Pferde es ja gleich so schön warm.

Und das ist dann der Moment, wenn ich auf meine Pferde-Bande zeige und erkläre, dass …

  •  die Pferde hier einen sehr großzügigen Offenstall haben, mit größeren Innenbereichen pro Pferd, als die normalen Boxengrößen in den Reitställen.
  •  die Pferde hier selber entscheiden dürfen, ob sie rein oder raus möchten und dieses Angebot auch gerne nutzen.
  • ich draußen und drinnen Futter anbiete, damit sie ihre freie Wahl auch genießen können.
  • sie hier riesige Winterweiden haben zum Laufen, Toben, Spielen, Wälzen, rum Hüpfen oder Wildschweine Schubsen.
  • sie keine Decken oder gar einen warmen Stall brauchen, sondern flauschig warmes Winterfell tragen.

usw.

Und wenn sie dann in das warme flauschige Fell des Panzerleins fassen, merken sie, dass die Pferde wirklich nicht frieren. Ein Blick in den Stall zeigt, das lauschig eingestreute Bettchen. Der prüfende Blick auf die Pferdefigur Marke: ›Pummelfee‹, lässt mehr als nur erahnen das die Pferde ausreichend gefüttert werden.

Hüpft das Panzerlein dann auch noch sorglos über die Weide, erkennen auch meine Besucher, dass ein Offenstall eine gute Sache ist.

Natürlich muss man zu Anfang viel erklären, das ist aber auch kein Wunder. In den Köpfen der meisten Pferde unkundigen Personen gehört ein Pferd in eine Box. Dort ist es ihrem Glauben nach warm, geschützt vor Wind und Wetter und auch seine Versorgung ist einfacher. Hört man den Gesprächen der Besucher zu, dann kennen viele diese Haltung noch von den Arbeitspferden von früher. Die mussten tagsüber auf den Feldern schuften und abends ging es in die Box mit Decke und Kraftfutter. Viele haben auch die Bilder der meisten Großreitställe vor Augen, jene mit vielen Boxen. Und Pferde unkundige Personen glauben teilweise, dass die Pferde nur allein der Nahrungsaufnahme wegen auf die Weide kommen. Nicht wegen der nötigen Bewegung und der sozialen Interaktion.

Hier muss man wirklich erklären und aufklären, das ein Pferd ein Bewegungs- und Herdentier ist. Zeigt man dann auf seine Bande die gerade zusammen spielt, sich hemmungslos wälzt oder Mähnenkraulen betreibt, dann ist das auch für die Besucher schnell einleuchtend.

So habe ich viel zu erklären und oft stehlen mir diese Gespräche die Zeit. Aber sie bringen auch viel Gutes:

  • Die Besucher wissen, dass sie nicht füttern dürfen und warum.
  • Sie wissen, warum die Pferde auch im Winter problemlos im Offenstall leben.
  • Sie tratschen diese Dinge weiter. An jeden, der es hören oder nicht hören will …
  • Sie achten darauf, dass niemand Fremdes füttert.
  • Sie spielen für Fremde den Erklärbär mit ihren neugewonnenen Informationen.
  • Sie haben immer ein Auge auf die Pferde, auch wenn ich nicht da bin.
  • Das Panzerlein freut sich über jede Aufmerksamkeit und die Besucher freuen sich über das freundliche Pferd.

Und gerade deswegen habe ich nun extra Stühle vor dem Zaun aufgestellt. Da kann jeder rasten, wenn er mag. Sitzen und plauschen und die Pferde beobachten, wie er will.

Ebenso achte ich immer darauf das Futter und Wasser im Stall, wie auch draußen gut sichtbar aufgestellt ist. Damit niemals derlei Fragen aufkommen, wenn ich nicht da bin.
Dazu wird der Stall immer wieder neu dekoriert, zu Weihnachten, Ostern, Frühling usw. Meine Besucher lieben dies und fragen immer wieder danach.
Natürlich könnte man auch sagen das einem die Besucher den Buckel runter rutschen können. Das die ganzen Gespräche und Erklärungen die Mühe nicht wert seien.

Aber ich bin ehrlich, ich versuche meinem Umfeld freundlich zu begegnen. Ich mag es wenn sich die Menschen an Stall und Pferden erfreuen. Aber viel wichtiger ist mir auch, das dem Thema Offenstall auch von pferdeunkundigen Personen aufgeschlossener begegnet wird. Dass es so zu mehr Einsicht und Verständnis gegenüber dieser Haltung kommt. Daher versuche ich meinen kleinen Anteil als Erklärbär zu leisten und sehe mich bestätigt, wenn die vorher unerfahrenen Personen nun Fremde voller Stolz aufklären.

In diesem Sinne kann ich nur raten, eure Zaungäste zu ›erziehen‹. Man kann sicher nicht alle aufklären oder bekehren, aber man kann es ja versuchen. Und wenn ich sehe mit welcher Freude meine Besucher strahlen sobald sie meinen Stall sehen, dann haben doch alle gewonnen.

Flauschige Grüße
Celeste

touristen

 

Boxen sind nicht immer schlecht

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Langsam aber sicher kämpfen wir uns durch die dunkele Jahreszeit. Auch wenn das Gebäck in den Supermärkten nicht mehr Weihnachts-, sondern Herbstgebäck heißt, zeigt die ansteigende Dekoration doch deutlich, dass Weihnachten so langsam auf uns zu kommt. Mittlerweile habe ich mir schon neue Dekoration für den Stall zugelegt, denn ich liebe es, diesen jedes Jahr weihnachtlich zu schmücken.
Aber auch für euch gibt es als kleine Weihnachtsfreude eine Möglichkeit eines meiner Bücher als Verlosungs- oder Rezensionsexemplar für eure Facebook-Seite / Blog/Youtube-Channel zu bekommen.
Vielleicht mag ja der ein oder andere mit seiner Seite mitmachen.

Aber kommen wir zum heutigen Thema und da richte ich mich schon jetzt auf meine virtuelle Hinrichtung ein. Aber wie wir wissen vertrete ich meine Meinung ohne einem Trend zu folgen, noch scheue ich unangenehme Themen.
Von daher begebe ich mich nun freiwillig auf den Scheiterhaufen. Aber als eingefleischter Offenstaller muss ich heute einmal eine Lanze für die Boxenhalter brechen. Wohlgemerkt Boxenhalter mit Auslauf, denn 24/7 Box ist außer im Krankheitsfall nicht wirklich pferdegerecht.

Warum ich so denke, will ich gerne erklären:

Hierzu muss man erst einmal trennen, welche Haltungsformen es überhaupt gibt:

  • Box mit Auslauf
    Hier bestimmt der Mensch die Zeitspanne, die das Pferd auf dem Auslauf / der Weide verbringt.
  • Laufstall
    Hier gibt es statt der Einzelbox eine Gruppenhaltung in einem größeren Stall. Auslauf / Weide wird weiterhin von den Menschen gesteuert.
  • Offenstall
    Eine Gruppenhaltung für Pferde, welche eigenständig den Auslauf / die Weide aufsuchen können.

Also steuern wir bei einer Offenstallhaltung einzig die Entscheidungsmöglichkeit des Pferdes, ob es seinen Auslauf / die Weide aufsuchen will, oder seine Zeit lieber im Stall verbringen möchte.
Der Vorteil ist für das Pferd also gegeben: Es darf seine Wahl beim Offenstall selber treffen. So kann der Bewegungskasper dauerhaft draussen rum hüpfen wenn er mag, während sich der Couch Potato im Stall verkriecht und die Nase nur unter Zwang nach draussen steckt.
Dazu bietet der Offenstall natürlich ein dauerhaftes zusammenleben in der Herde, als auch einem grösseren Bewegungsangebot für das Pferd, sofern es dieses nutzen möchte.
Nachteil ist allerding das gute Offenställe nicht auf Bäumen wachsen. Oft scheitert eine Eingliederung an einer falschen Herdenzusammenstellung, genügend Fress- und Ruheplätzen oder auch allgemein am Platzangebot. Manchmal sind es auch Sachen wie schlechtes Futter oder schlecht befestigte Ausläufe, oder nicht eingehaltene Stalldienste, die uns samt Pferd flüchten lassen. So kann aus dem Traum der Offenstallhaltung schnell ein Albtraum werden.
Manche wagen noch einen weiteren Versuch, Andere geben auf und wechseln wieder in die Boxenhaltung. Wieder Andere versuchen sich aus lauter Frust an einem eigenen Stallkonzept an welchem sie wachsen, oder manchmal auch scheitern.

Fakt ist, gute Offenställe gibt es nicht überall und teilweise ist es regional sehr unterschiedlich, was ihre Menge und Ausstattung angeht. So gibt es Gebiete in denen es viele Offenställe gibt, aber ebenso welche in denen sie noch nahezu verpönt sind. Nicht zuletzt macht das Priveligierungsgesetzt  den meisten privaten Offenstallern einen Strich durch die Rechnung.
So sehr wir es uns also auch wünschen, es gibt Offenställe leider nicht im Supermarkt oder bei Amazon auf Bestellung. Als Pferdebesitzer muss man sich nach dem Stallangebot richten welches sich in erreichbarer Entfernung befindet. Denn viele von uns haben ja auch noch Job und Familie, denen wir neben den Pferden gerecht werden müssen. So verstehe ich absolut wenn man einen guten Boxenstall mit viel Auslauf (das sollten auch im Winter wenigstens 8 Stunden sein) einem schlechten Offenstall vorzieht.
Denn was nützt es wenn sich das eigene Pferd im Offenstall nicht wohlfühlt? Wenn es mit den örtlichen Gegebenheiten oder der Herdenzusammenstellung nicht klarkommt? Wohl dem, der einen eigenen Stall hat und alles entsprechend anpassen kann, aber als Pensionsgast kann man nicht mal eben den ganzen Stall verändern.

Von daher: Ja, ich bin absolut für die Offenstallhaltung, aber nur wenn dies auch pferdegerecht möglich ist. Denn Offenstall nur um des Offenstall willen, wird mitunter auf dem Pferderücken ausgetragen. Und bevor dies passiert bin ich für eine Boxenhaltung mit ausreichend Auslauf.
Dummerweise darf man das nicht überall laut sagen, denn sonst ist man bei einigen Personen kein ›echter Offenstaller‹ mehr.
Zapperlot, ich wusste gar nicht, dass es echte und unechte Offenstaller gibt. Das heißt, sobald ich die Stalltüren dauerhaft öffne, muss sich auch meine Einstellung ändern? Ich muss Boxenhalter dann plötzlich per se doof finden?
Sorry nein, so nicht meine Freunde!
Ich weiß, dass viele Pferdebesitzer mehr als nur bemüht sind, das Beste für ihre Lieblinge zu bekommen. Sie umsorgen sie, sie lieben sie, sie suchen den besten Stall für die Bedürfnisse des Pferdes aus. Und wenn dann kein passender Offenstall zur Hand ist, wie kann man dann lästern, weil das Pferd teilweise in der Box steht? Wie kann man dann beleidigend werden? Und ja Boxenknast und Tierquäler oder Fotovergleiche mit Legebatterien sind alles andere als freundlich.
Sicher kann man den Offenstall so sehr lieben, das man damit missionieren will. Ebenso kann man von seiner Meinung fest überzeugt sein. Aber man sollte weder beleidigen noch ausgrenzen. Leider habe ich beides in letzter Zeit vermehrt gelesen. Teilweise in einem Ausmaß, das ich mich als Offenstaller fremdschämen musste.
Ist euch bewusst, das ihr mit euren harschen Worten beleidigend und verletztend werdet? Das ihr Menschen verletzt die sich mitunter ein Bein ausreissen damit es ihren Pferden gut geht? Das diese nicht aus Faulheit die Box gewählt haben sondern aus Mangel an einem guten Offenstallplatz?
Nun werden einige aufstöhnen, murmeln das nicht alle so sind und mit den Finger auf jene Pferdebesitzer zeigen, welche überhaupt nicht in Offenställe wechseln wollen.
Natürlich gibt es Pferdebesitzer, die bewusst die Box wählen. Manche sogar damit das Pferd sauber und griffbereit bleibt. Aber muss man sie deswegen beleidigen? Warum nicht lieber freundlich erklären und aufklären statt dauerhaft schimpfen?
Mich erinnert das an penetrante Vegetarier Diskussionen, da werden Fleischesser als Leichenfresser und Mörder beschimpft. Sicher kann man seinem Unmut so Luft machen, aber bewirkt man so etwas? Ist es nicht sinnvoller seine Freunde mit leckeren Fleischlosen Gerichten zu verführen statt sie zu beschimpfen?
Ähnlich ist es beim Offenstall. Hier sollte man Vorbild sein und sich nicht auf seinem Glück ausruhen einen passenden Offenstall gefunden oder gebaut zu haben.
Ich bin froh, das es Einige gibt die ähnlich denken, sich ihres Glückes bewusst sind und nicht hardcore missionieren, sondern Toleranz und Akzeptanz für die persönlichen Lebensumstände walten lassen.
Ich kann daher nur sagen: Ihr lieben Pferdebesitzer in Boxenhaltung mit Auslauf seid versichert, nicht alle Offenstaller denken so engstirnig. Es gibt viele die euch und eure Beweggründe verstehen ohne euch zu verurteilen.

Natürlich werde ich diesen Beitrag nicht in den Offenstallgruppen teilen, denn ich möchte niemanden vor dem Kopf stoßen, da solche ›pro Box‹-Beiträge nicht gern gesehen sind.  Wer als Offenstaller dennoch über diesen Beitrag stolpert und sich angesprochen fühlt, nun das Feuer für den Scheiterhaufen befindet sich links. Steine aller Größen für die Steinigung samt falschen Bärten sind rechts gestapelt.

Flauschiges Vergnügen
Celeste

boxenhaltung

 

Tagebuch einer Paddockbefestigung – Teil II:

Hallo meine Flauschehasen, wie versprochen geht es weiter mit meinem Tagebuch des Grauens. Na ja, ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber so eine Paddockbefestigung ist schon eine große Sache. Aber weiter geht‘s …

Letzte Woche habe ich ja die Ridcon Platten bekommen, ebenso wie das Vlies. Nachdem ich das Vlies verlegt habe, wartete ich auf meine erste Lieferung Kies. Dank der Erklärungsseite von Ridcon mit der praktischen Einkaufsliste konnte ich ja die passende Menge gut ausrechnen. Diese hat mir mein Heudealer auf meinen Wunsch hin dann im nächsten Kieswerk besorgt.

Ich wartete also am Liefertag völlig gespannt auf meinen Heudealer und hüpfte wie ein Schlumpf auf Drogen durch den Stall. Netterweise hatte ich für den Tag sogar Hilfe bekommen: Der beste Freund meines Mannes wollte sich freiwillig den Sklaven – äh, Hilfsdiensten bei mir im Stall stellen. Die arme Socke, wenn er wüsste, das er damit seine Seele verkauft hat.

Als mein Heudealer mit seinem wunderschönen neuen Anhänger kam, rangierte er wie ein Künstler den Hänger so aus, dass der Kies direkt auf dem Vlies abgekippt werden konnte. Kennt man die örtlichen Begebenheiten bei mir, weiß man, das er damit ein Meisterstück der Fahrkunst hingelegt hat.
Als er die Hängerklappe entriegeln wollte, dachte ich, dass ich ihm wie immer zur Hand gehe. Doch wer mich kennt, weiß das kann nicht gut gehen. Ist es auch nicht.
Ja, ich bin ein tollpatschiger Bewegungsdepp. Ich stehe dazu. Ich wollte die andere Seite entriegeln und hatte noch den alten Anhänger vor Augen. Jener den man 2 x entriegeln muss, auf jeder Seite und an dessen Griffe man zerren muss wie der Hulk persönlich. Nun das war aber ein neuer Anhänger und es machte nur *Plopp* und uns kam die Klappe entgegen. Sie erwischte schwungvoll und beschwert durch den Kies, meinen Heudealer am Arm, wie auch mich an Arm und Hand. AUTSCH!
Nach x Entschuldigungen meinerseits, für meine allseits berühmte Tollpatschigkeit – und ja, es ist mir auch jetzt noch peinlich – war das Thema aber Gott sei Dank schnell gegessen. Der Kies wurde auf dem Vlies abgekippt und mein Heudealer machte sich auf zur nächsten Tour. Zurück blieben wir mit einem Berg voll Kies und gutem Willen.

Wir haben den gesamten Kies mit Schaufel, Schubkarre und Rechen verteilt und es war wirklich heiß. Ich überlegte dabei ernsthaft, wie man sich diese Arbeit erleichtern könnte. Wenn man so vor sich hin schaufelt, kommen einem ja die dümmsten Gedanken …
Ob man vor dem nächsten Splitt / Sand abkippen eine Eskiiii Schibbi Schabbi der neusten Kollektion unter den Berg legen sollte und dann eine Horde junger Eski süchtiger Mädels einlädt? Da wäre der Berg doch in kürzester Zeit von Hand verteilt, so gierig wie die Meute dann danach graben würde.
Aber wahrscheinlich hätte das dann eher ›Grabbeltisch im Schlussverkauf‹-Niveau und Sand und Splitt würden überall hinfliegen. Also wurde der amüsante Gedanke verworfen und weiter gearbeitet.
Obwohl es körperlich sicher sehr anstrengend war, konnte man allerdings gut erkennen, dass der riesige Berg immer weiter abnahm. Mit jedem Meter den das Vlies unter dem Kies verschwand, stieg dann die Motivation.
Irgendwann, viele Stunden später, war der gesamte Kies dann auf dem Vlies verteilt und wir krochen mehr oder minder zum Auto. Ich bin ehrlich, kochen habe ich an diesem Tag gestrichen und wir haben den Asia-Imbiss meines Vertrauens überfallen. Irgendwie sahen wir auch total zerstört aus, denn an der Kasse wurden wir gleich gefragt was wir denn angestellt haben.
Lustigerweise hatte ich zwar trotz Handschuhen Blasen an den Händen vom Schaufeln, aber am nächsten Tag keinen Muskelkater. Da sieht man mal wieder, dass die Selbstversorgung eines Offenstalles das beste Fitnesstraining ersetzt.

Am nächsten Tag wurde dann der Splitt geliefert. Aber dieser musste noch warten, bis die Rüttelplatte zum Einsatz kommen konnte. Diese hatte ich im Baumarkt meines Vertrauens reserviert und gleich wieder den Freund meines Mannes für dessen Nutzung bestellt. Denn seien wir ehrlich, ich bin schon zu tollpatschig für eine Anhängerklappe, niemand will mich in der Nähe einer Rüttelmaschine sehen. Niemand! Leider war die kleine Rüttelplatte defekt, also musste die nächst Größere her, was mich wenig beruhigte. So ein Ding ist doch arg gruselig …
Am nächsten Morgen sind wir also gleich zum Baumarkt und wurden dort freundlich begrüßt. Der Papierkram war unproblematisch und schnell erledigt. Man nimmt die Personalien auf (Personalausweis bereithalten) und zahlt eine Kaution. In diesem Fall waren es 175 €. Abgerechnet wird später, wenn man die Rüttelplatte wieder abliefert, dann die Zeit. 4 Stunden waren etwa 31 € und ein Tag etwa 40 € und ein paar Euro für eine Versicherung falls man die Rüttelplatte zerlegt. Das nötige Benzin konnte man in einer kleinen Flasche für wenige € gleich mit kaufen.
Die Rüttelplatte selber hatte an einer Seite Rollen, die man aufklappen konnte, so war der Weg bis zum Auto kein Problem. Schwieriger war es die Rüttelplatte in meinen Corsa zu hieven, denn ich muss zugeben mit ihren zarten 80 kg ist sie echt schwer. Aber gut, zu zweit haben wir die Platte hinein gehievt bekommen und auch die Heckklappe ließ sich ohne weiteres schließen, nachdem die Hutablage entfernt wurde. Die Fahrt zum Stall fuhr ich wirklich vorsichtig, aber die Rüttelplatte ist aufgrund des Gewichtes nicht einen Millimeter gewandert.

Am Stall haben wir die Platte vorsichtig ausgeladen und sie mit Benzin befüllt. Dann durfte mein Helfer ran, denn wie bereits erwähnt, finde ich das Ding gruselig. Für alle, denen es ähnlich ergeht, ich kann euch beruhigen: Sie war im Betrieb, nicht annähernd so laut und so gruselig, wie ich gedacht hatte. Das Geräusch war auch ohne Ohrenschutz erträglich, ebenso wie die Handhabung. Einzig das diese Dinger unheimlich schwer durch die Ecken kommen, denn sie besitzen keinen Rückwärtsgang, was ein deutliches Manko darstellt. Auch das Eckenausfahren gestaltet sich schwierig, aber nicht unlösbar. Bedingt durch Größe und Gewicht, ließ sich die Platte von Hand in den Ecken *rum ziehen* und somit war auch das Problem gelöst.
Also war die Arbeit schnell erledigt und ich war fast – O.K. nur fast – versucht es selber einmal zu versuchen. Aber bevor mich mein Mut überkam (und somit die sicher folgende Tollpatschigkeit) habe ich es doch gelassen und angefangen den Splitt zu verteilen. Wieder mit Schaufel und Karre und Kraft meiner Offenstallärmchen.
Aber der Splitt ließ sich bedeutend leichter Schaufeln als der Kies. Und auch wenn es eine schwere Arbeit war, sie ging leicht von der Hand. Der Splitt war mit dem Rechen fix verteilt und gerade gezogen und alles wartete nun auf die Platten.
Aber die Rüttelplatte musste ja auch wieder zum Baumarkt zurück. Also wollten wir diese guten Mutes wieder in den Corsa hieven. Dummerweise passierte das, was immer passiert, wenn man mit mir arbeitet: Chaos …
Wir hoben zu zweit die Rüttelplatte an. Ich rutschte weg und zog dabei mit voller Wucht den Bügel hoch, genau ins Gesicht meines Helfers. Gut, er hat noch alle Zähne, aber seine Lippe sah aus, wie die aufgespritzten Dinger der Hollywoodsternchen und schmerzte. Mein Lachflash der darauf folgte, war sicher nicht hilfreich, aber wenigstens ansteckend. Denn er kennt meine tollpatschige Ader und nimmt normalerweise einen gebührenden Sicherheitsabstand, wenn ich agiere. Tja, in diesem Fall war das nicht ausreichend.
Der Gerechtigkeit halber kann ich aber sagen, dass unser Ausladen später problemlos verlief. Auf jeden Fall bis zu dem Moment, als ich mir die Kofferraumhaubenecke schwungvoll selber auf den Kopf knallte. Hatte ich mich doch aufgrund des anderen Standwinkels völlig verschätzt. Bis zum Baumarkt rollten wir unseren kleinen Helfer anschließen ohne weitere Zwischenfälle. Auch die Abgabe und die Rückzahlung der Kaution waren ruck zuck erledigt.
Also ging es ab nach Hause. Dort wurden dann die Paddockplatten in beide Autos verstaut, gestapelt und getürmt. Ich habe mich auch nur 2 x im Hausgang gestoßen und mir nur einmal eine Paddockplatte vor den Kopf geknallt beim Stapeln. Also eigentlich ein guter Schnitt. 😀
Als alle Platten am Stall waren ging das Verlegen schneller als gedacht. Ich bin beeindruckt, wie einfach die Ridcon Platten zu verlegen sind. An 2 Seiten gibt es eine Verzahnung mit Nase, welche die Verlegetechnik quasi vorgibt. Da konnte nicht einmal ich etwas falsch machen. Und selbst als Pfosten im Weg waren, ließen sich die Platten mit einer HGW-Handsäge (HGW = hundsgewöhnlich) sehr einfach kürzen und in Form schneiden.
Ich kann es nur noch einmal sagen: Ich bin von den Platten mehr als begeistert. Sie wurden geschleppt, geworfen, gequetscht, getreten, drüber gelaufen und doch haben sie alles überlebt. Ich war natürlich – nur aus Testgründen – nicht nett zu ihnen. Trotzdem ist nicht eine Verzahnungsnase gebrochen, oder auch nur ein Kratzer in den Platten.

Nun sind sie alle verlegt und ich muss noch auf meinen Sand warten. Bis dieser kommt, werde ich wohl noch zum Baumarkt flitzen und neonfarbene Sprayfarbe besorgen, um die Platten zu markieren. Damit sie keiner klaut – sicher ist sicher!

Fotos zum Projekt findet ihr übrigens auf meiner Facebookseite.

Fortsetzung folgt …

tagebuch-ridcon-teil-ii

 

Eine herrlich unperfekte Welt

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ist es bei euch auch so sonnig und warm? Ich gestehe, mir ist im Moment wirklich heiß. Wenn ich gleich zu meiner Bande fahre, weiß ich jedoch das sie gut geschützt unter den Bäumen schlafen. Das machen sie tagsüber sehr gerne, und nachts, wenn es dann kühler ist, futtern sie ihr Gras und höppeln beschwingt über die Weide.
Das führt oft dazu das die Spaziergänger ein etwas verfälschtes Bild von der Bande haben.

  • Oh die sind sicher alt, die schlafen ja nur
  • Denen ist ja langweilig, weil die nur dumm rum stehen auf dem Gras
  • Die bewegen sich ja nie und kommen auch nicht wenn ich rufe, die sind bestimmt nicht mehr gesund

Nein, meine Damen und Herren, die sind einfach knacke faul! Und genau das wäre ich auch, wenn ich die Wahl hätte. Wie gerne würde ich es meinen Pferden gleich tun und tagsüber in der Hängematte unter den Bäumen Siesta halten. Und alle Arbeit in die kühlen Abend- oder Morgenstunden verlegen.
Meine Offenstallbande hat es da wirklich gut, da sie sich ihre Zeit einteilen kann, wie sie mag, und ich gönne ihnen diesen Luxus von Herzen. So kann der Schein also trügen, wenn die vermeintlich alten faulen Rentnerpferde dann abends oder früh morgens vergnügt über die Weide hüpfen, statt sich mit einem Rollator nach Luft japsend von Grashalm zu Grashalm zu schieben.

Und der Schein trügt häufiger, als man glaubt. Eine ebenso charmante Aussage von Spaziergängern, die nur sporadisch auftauchen ist immer wieder:
»Ich sehe dich aber niiieee bei den Pferden.« dicht gefolgt von »Ich sehe dich aber niiieee reiten.« Äh ja und ich sehe dich nie einkaufen, für deinen Mann kochen, und beim Pimpern hab ich euch auch noch nicht zugesehen. Merkste was?
Als Selbstversorger bin ich natürlich nicht an die gängigen Öffnungszeiten eines Pensionsstalles gebunden. Das gibt mir die Möglichkeit die tägliche Versorgung so zu planen, dass es für die Pferde als auch meinen Zeitplan optimal ist.
Nicht selten fällt daher die – wenigstens 2x tägliche – Versorgung auf Zeiten frühmorgens, wenn so mancher Spaziergänger noch im Bettchen liegt. Oder ich versorge sie spätabends, wenn sie wieder daheim auf dem Sofa sitzen.
Ähnlich ist es mit meiner freien Zeit zum Reiten. Denn ich gestehe, dass diese bedingt durch meine Selbstversorgung manchmal knapper ausfällt, als mir lieb ist. Dennoch ist auch diese dann meist frühmorgens um Mücken und Bremsen weitläufig aus dem Weg zu gehen. Nur liegen meine Stalkingfreunde dann meist noch im flauschigen Bettchen.
Vielleicht sollte ich demnächst dann doch mal dort vorbei reiten und sie aus dem Bett klingeln?
Nein, so gemein bin ich natürlich nicht.

Aber das Auge des Betrachters ist immer so eine Sache, man sieht es oft genug im Internet. Ein gepostetes Bild wird schnell zerrissen ohne das man nach den Hintergründen fragt. Phrasen und Allgemeinlösungen werden in den Raum geworfen, ohne das Problem genauer zu betrachten.
Eine Aussage, die mich immer wieder erheitert, ist:
»… und dann stehen die Pferde bestimmt noch in einem windschiefen Unterstand, der mal eben zusammen gezimmert wurde.«
Wenn ich das lese, muss ich immer wieder schmunzeln. Denn auch mein Offenstall ist alles andere als perfekt. Ich hatte erst letztens wieder eine spannende Unterhaltung mit einem Mann der auch zuerst meinte: »Oh, die eine Seite da ist es aber schief.« Und ob die schief ist, denn ein Standbalken ist dort zu Bruch gegangen und das Dach an der Stelle etwas runter gesunken. Natürlich wurde der Balken getauscht, alles neu gemacht. Weitere Balken samt einer neuer Wand eingezogen. Aber das schwere Dach konnte ich alleine nicht mehr hoch hebeln. Also ist die eine Ecke eben etwas tiefer.
Stört mich nicht, stört die Pferde noch weniger, und hält bombenfest. Das musste dann auch mein Kritiker anerkennend einsehen, als er sich alles ganz genau ansah.
Und das Amüsante ist, für einen Außenstehenden wirkt es vielleicht windschief, ich weiß aber das alles hält und in Ordnung ist. Und was noch viel wichtiger ist, diese Stelle erinnert mich jedes Mal daran, das mein Pferd überlebt hat! Denn der Balken wurde zerstört als diese sich voller Schmerz dagegen warf als sie eine Ripper Attacke überlebte.
Genauso ist es mit ihrem Bein. Andere sehen eine vernarbte Wunde, unperfekt, sicher nicht schön. Ich sehe mein geliebtes Pferd, das diese Aktion vor 10 Jahren mit einer Not-OP überlebte. Die Narbe ist für mich nicht hässlich, sondern ein Zeichen, das wir diesen Kampf zusammen geschafft haben! Für viele Menschen wäre sie so nicht mehr perfekt, für mich ist sie einzigartig und wunderschön.

Oder mein Auto. Oh weh, das ist weit von Perfektionismus entfernt. Im Fußraum sammeln sich Gras und Erde, auf der Rückbank ist alles voller Heuhalme. Im Kofferraum stehen meine Wasserkanister, die seit 12 Jahren ihren Dienst tun. Im Fußraum der Rückbank finden sich von Halftern über Putzkoffer und Hufwerkzeug, das Erste-Hilfe-Set, bis hin zur Ast- und Heckenschere. Und dazu X Meter Litze, Isolatoren und Griffe. Ja, ich entschuldige mich jedes Mal, wenn mein Auto ungeplant in die Werkstatt muss. Aber mittlerweile wissen auch die, dass ich ein Pferdeauto habe.
Sie wissen, dass meine Welt vom Pferd geprägt ist und somit auch mein Auto. Das perfekte Tussieauto in Pink, das immer glänzt, kann ich leider nicht bieten, aber das will ich auch nicht.

Natürlich bleiben auch Einkäufe in Stallkleidung nicht aus. Und mag es sicher auch mal das eine oder andere Raunen an der Kasse hinter mir geben, so lebe ich damit, dass ich unperfekt bin. Ich schaffe es eben nicht nach dem Stall noch Heim zu fahren, zu duschen, mich umzuziehen, fertig zu stylen und dann erst einkaufen zu fahren. Nur um mich danach, wenn ich am Stall bin, gleich wieder einzusauen. Denn wir kennen es ja alle: Man braucht ein Pferd nur auf 200 m anzusehen und schon hat man seine sauberen Sachen versaut.
Nein sorry, ich kaufe eben auch in Stallsachen ein. Ich Luder ich.
Und dabei fühle ich mich nicht weniger fehl am Platz, als ein Bauarbeiter der nach Teer muffelnd den Laden betritt. Oder eine hoch gestylte Dame, die in ein Parfüm gefallen ist. Ein Hoch hier auf meine bevorzugten Supermärkte, die mich in Stallkleidung genauso nett bedienen wie in normaler. Nur das sie mich dann gestylt meist nicht mehr erkennen. 😉

Ich lebe also in einer herrlich unperfekten Welt.

  • Eine Welt, in der Pferde Schönheitsmangel haben dürfen.
  • Eine Welt, in der ein Stall nicht perfekt aussehen muss.
  • Eine Welt, in der ich nicht nach der Stechuhr reiten oder füttern muss.
  • Eine Welt, in der auch mein Auto oder meine Kleidung zeigen dürfen, das ich vom Pferd komme.
  • Eine Welt, in der die Pferde einfach Pferd sein dürfen.

Und schauen wir uns einmal in anderen Ställen um wird es in jedem Stall etwas geben das nicht perfekt ist.
Mag uns die Facebook-Gemeinschaft doch oft mit Worten und Bildern blenden, und eine perfekte Welt vorgaukeln: In jedem Stall gibt es eine Schmuddelecke oder etwas das nicht gänzlich perfekt ist.
Aber das ist nicht schlimm, denn wir müssen nicht perfekt sein! Eine Schmuddelecke kann davon zeugen, dass man lieber Zeit mit seinem Pferd verbracht hat, statt aufzuräumen.
Ein Pferd, das etwas mäkelig auf Bildern ausschaut, kann sich in der Erholungsphase befinden, welche der Besitzer mit Zeit und Mühe fördert. Es gibt viele Dinge, die nicht perfekt sind, und es ist völlig egal, was die Anderen denken. Wichtig ist nur, dass es euren Pferden gut geht und diese optimal versorgt sind.

Meine Welt ist herrlich unperfekt und ich werde mich nicht dem Zwang nach Perfektion beugen.
Ich wünsche euch das Gleiche,
flauschige Grüße
Celeste

unperfekt

 

Billiglösung Offenstall

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.
Heute ist Nikolaus und ich hoffe, eure Nikolausstiefel waren gut gefüllt! Und ich denke doch, dass es für eure Lieblinge auch noch etwas Leckeres gab, außer der obligatorischen Nikolauswurmkur? Ok, meine hatten ihre Wurmkuren mit Apfelgeschmack. Aber mal im Ernst: Wurmkuren schmecken immer scheiße.
Auch wenn es Wurmkuren mit Apfelgeschmack sind, schmecken diese dann immer noch wie Scheiße mit Apfelgeschmack. Zumindest wenn ich die Gesichter meiner Pferde richtig deute. Aber auch das gehört dazu, und ein Leckerchen später ist die Wurmkur auch schon wieder vergessen.

Doch kommen wir zum heutigen Thema, denn es gibt eine Sache, über die ich immer wieder im Internet stolpere: Der Irrglauben, dass ein eigener Stall bzw. Offenstall eine billige Lösung der Pferdehaltung ist. Frei dem Motto: »Du musst nur ein Stück Land pachten, dann setzt du da einen Stall drauf«.
Gerne ergänzt durch: »Du hast ja dann nur noch die Futterkosten«.
Und anschließend getoppt von: »Die Offenstallmatschlöcher kosten ja eh nix«.

Ähm ja … Und Kinder bringt der Storch und Schweine können fliegen …

Also wie sieht die Realität aus?
In einem Pensionsstall zahlt man jeden Monat einen festen Betrag.

Dieser deckt meist:

  • Eine Box/Offenstall ab.
  • Dazu Weidegang und Auslauf im Winter.
  • Das Kraft-, wie Raufutter

Je nach Stall gibt es dann noch Zusatzleistung z.B.:

  • Weidebringdienste
  • Deckenservice
  • Halle/Reitplätze
  • Putz/Solarienplätze
  • Tierarzt/Hufschmiedservice

usw.

Die Möglichkeiten, die ein Pensionsstall anbieten kann, sind grenzenlos. Und diese Dienste lassen sich die Stallbetreiber selbstverständlich auch gut bezahlen. Für einen Pensionseinstaller ist das dann ein »Rundum-sorglos-Paket«, denn für den monatlichen Festbetrag weiß er, dass diese Leistungen immer abgedeckt sind. Von daher sind manche Pensionspreise entsprechend hoch, schließlich bekommt man ja auch viel dafür Geboten. Und wenn man will, muss man den Stall nur besuchen, sich mit seinem Pferd beschäftigen und wieder gehen. Dass die Anlage in einem gepflegten Zustand bleibt, muss einen nicht interessiere, schließlich ist man ja »Mieter«.

Anders ist es bei einem eigenen Stall.
Entweder man hat das Glück einen fertigen Stall zu pachten, oder aber man muss selber alles aufbauen. Muss man selber einen Stall samt Zäunen erstellen, scheitert man meist vorab schon an den Genehmigungen / Privilegierungsgesetzen. Und schafft man es doch noch diese Hürde zu meistern, erschreckt man erst einmal, welche Kosten ein eigener Stall im Aufbau mit sich bringt.

So kann der Bausatz eines 2er-Offenstalls schon mal ganz dezent bei 3.500 € anfangen.  Aber meist darf man je nach Zusatzwünschen (Sattelkammer / Heulager / Futterständer / Heuraufen) noch so viel Geld drauflegen, dass man davon getrost einen schicken Neuwagen kaufen könnte.
Und es ist ja nicht nur der Stall selber. Nein, Zäune kosten im Aufbau ebenso eine Menge Geld. So liegen Fertigzäune gerne mal bei 10 € – 30 € pro Meter, je nachdem ob man Holz oder Litze oder gar beides wählt. Da darf man sich dann gerne mal ausrechnen, was eine vernünftige Einzäunung für eine große Weide / Paddock kostet. Und langsam wird aus dem Neuwagen ein Sportwagen, den man stattdessen hätte kaufen können.

Baut man dann noch einen Reitplatz oder einen Round Pen dazu, oder befestigt Böden mit Drainagen und / oder Sand und Paddockplatten, denkt an Strom und eine ausreichende Beleuchtung, dann wird aus dem Sportwagen eine Eigentumswohnung.

Natürlich kann man viel Geld sparen, wenn man sowohl den Stall, als auch Zäune und Raufen selber baut. Das ist auch absolut ok, wenn man dies sorgfältig macht. Denn es nützt nichts an den Kosten für den Stallbau zu sparen, wenn den Pferden beim nächsten Sturm das Dach auf den Kopf fällt. Hier sollte man also sorgfältig abwägen, ob die eigenen handwerklichen Fähigkeiten oder die der Freunde und Bekannten wirklich ausreichen. Manchmal ist eine Firma vom Fach, nämlich doch die bessere Wahl.

Doch selbst wenn man selber baut, sind die Materialkosten nicht unerheblich und werden viel zu oft unterschätzt. Und im Gegensatz zum »Rundum-sorglos-Paket« heißt es bei Pferdehaltung in Eigenregie: Egal was man baut, man ist selber dafür verantwortlich.

  • Hält der Stall einem größeren Sturm stand?
  • Halten die Raufen den Schubberattacken des Ekzemers stand?
  • Halten die Zäune das gewitzte Shetty und den Alpenpanzer in ihrem Bereich?
  • Überleben die Tore, wenn ein Wildschwein damit Bingo spielt?
  • Halten die neuen Paddockplatten wirklich den Boden trocken?

usw.

Egal was ihr aufbaut- ihr seid dafür verantwortlich!
Und oft lernt man viele Sachen erst aus der Praxis, und bezahlt jeden selbst gemachten Fehler mit Zeit und sehr viel Geld. So kann das Lehrgeld für falsch verlegte Paddockplatten in die Tausende gehen. Ein Dach das vom Sturm abgedeckt wird ebenso. Und selbst wenn dann die Stallanlage samt Ausläufen und Zäunen fertig ist, so muss dieser Zustand auch dauerhaft erhalten bleiben. Das sind dann nicht nur zeitaufwendige Kontrollen und Instandhaltungsarbeiten, sondern auch immense Kosten, die immer wieder auftreten.

Und auch wenn man es nicht glaubt, aber meist wird genau dann das Stromgerät geklaut, der Zaun zerlegt oder eine neue Heuraufe nötig, wenn man es geldmäßig am wenigsten brauchen kann.  Frei dem Motto: Murphys Law. »Wenn schon daheim der Staubsauger den Geist aufgibt, dann wird die Spülmaschine oder das Auto bald folgen«
Aber da man selber alle Verantwortung in seinem Stall trägt, muss man dann diese nötigen Kosten auf sich nehmen. Egal wann und zu jeder Zeit. Denn die Unterbringung und Versorgung der Pferde muss gesichert sein.
Nun warum sollte man das also auf sich nehmen?
Warum vorab eine Menge Geld, für den Bau eines Stalles, ausgeben und ebenso für die Instandhaltungskosten?
Warum selber alle Arbeiten erledigen?
Warum lehnt man sich nicht einfach zurück und überlasst das gegen Betrag-X einem Pensionsbetreiber, stellt seine Pferde unter und reitet, statt Zäune zu flicken?

Ganz einfach: Weil es leider viel zu wenig gute Ställe gibt.

Niemand schüttelt mal eben spaßeshalber eine größere Summe aus dem Ärmel, um einen Stall aufzubauen. Ebenso wünscht sich niemand, jeden Tag 24/7 seinen Pferden zur Verfügung zu stehen. Denn egal wie sehr wir unsere Pferde lieben, jeder möchte gerne auch mal ausschlafen, oder sich bei Schmuddelwetter die Decke über den Kopf ziehen und nicht vor die Türe gehen.
Wir wählen den Weg des eigenen Stalles mit immensen Kosten und viel Arbeitsaufwand, damit wir unseren Pferden die Haltungsbedingungen bieten können, die wir für richtig erachten. Sei es ausreichender Auslauf, ausreichendes Raufutter, sorgfältig zusammengestellte Herden usw.

Und natürlich ist jeder Anfang schwer. Nicht immer ist ein eigener Stall oder Offenstall gleich perfekt. Wir lernen aus den Fehlern und verbessern uns stetig.
Oft hindern uns auch einfach Gesetze oder Bodenbeschaffenheiten an einer perfekten Umsetzung eines Vorzeigestalles. Dennoch ist mir jeder Matschoffenstall lieber, als ein Boxenstall ohne Auslauf.

Von daher liebe Pferdefreunde, die manchmal doch etwas herablassend auf unsere kleinen Offenställe runter blicken, spart euch eure Vorurteile. Nehmt euch lieber die Zeit und setzt euch einmal damit auseinander, wie viel Zeit, Arbeit, Liebe aber auch Geld in unsere kleinen Paradiese geflossen sind. Vielleicht sind sie keine perfekten Barbiställe, aber sie bieten trockene Bettchen, Auslauf und abgestimmtes Futter und sorgfältig zusammengestellte Herden.
Sachen, die uns in Pensionsställen viel zu oft fehlten.
Billiger sind unsere Ställe deswegen nicht wirklich. 😉

Flauschige Grüße
Celeste

Offenstall

 

Selbstversorger oder Masochist?

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.

Momentan widme ich mich vermehrt den Vorbereitungen für den Winter. Und wer nun glaubt, ich hänge Herbstdeko auf, koche Kürbissuppe und backe schon mal Plätzchen, dem sei versichert, dass er sich irrt. Gut ok, das mit den Plätzchen klingt verlockend, aber es ist ja noch ein wenig Zeit.

Eine Facebook-Bekannte bat mich einen Beitrag zu schreiben über das Thema »Was sich als Selbstversorger ändert, für den Pferdehalter«. Und natürlich schreibe ich auch gerne einen Sonntagsbeitrag zu eurem Wunschthema. (Eine kurze PN reicht dazu)

Also legen wir mal los:
Es gibt 2 Arten von Selbstversorgern.

Jene, die das Glück Gottes auf ihrer Seite haben. Neben einem kleinen Goldesel, oder zumindest einem gut gefüllten Bankkonto, die Pferde daheim halten können.
Meist können sich diese, eine schöne Anlage leisten, nebst Reitplatz und Halle. Strom und Wasseranschluss sind natürlich ebenso gegeben. Diese Personen haben meist soviel Geld, das Zäune von Firmen gesetzt werden, Reitplätze und Hallen fertig gebaut werden. Und die Weidepflege übernimmt der Trecker oder ein Bauer im Auftrag.
Diesen Pferdehaltern gönne ich ihr Glück aus vollem Herzen.
Denn auch wenn sie bei der rundum Betreung ihrer Pferde weniger Arbeit haben, so stecken sie immer noch mehr Arbeit, Zeit und Geld hinein, als ein reiner Pensions Einstaller.

Aber da gibt es noch die Anderen:
Jene Pferdehalter, die eigentlich keinen Goldesel daheim haben, aber sich irgendwann für die eigenen 4 Wände / Selbstversorgung entschieden haben.

Gründe dafür können sein:

  • Zu wenig Weidegang / Auslauf
  • Weidegang / Auslauf in einer unharmonischen Gruppe (Verletzungsrisiko)
  • Es wurde bislang nicht auf die Futterqualität geachtet
  • Es wurde nicht ausreichend oder zuviel gefüttert
  • Das Pferd braucht spezielle Bedingungen, die kein Pensionsstall in der Nähe erfüllt (z.B. ein Rehepferd)
  • Man möchte einen Hengst artgerecht halten
  • Man möchte dem Stallgezicke entfliehen
  • Man glaubt, dass die Selbstversorgung kostengünstiger ist. (Bis einen die Realität erwischt)

Am Anfang ist man meist voller Enthusiasmus. Man malt es sich in den schillernsten Farben aus. Die eigenen 4 Wände, in denen man schalten und walten kann, wie man will. Man sieht sich schon Zäune streichen, die Sattelkammer einrichten und glückliche Pferde auf den Weiden. Und die Versorgung selber kann ja nicht so schlimm sein. Schließlich hat man früher auch fast alles alleine erledigt, da kann man das doch locker schaukeln, oder nicht?
Ok, ich dachte auch so. Hatte ich doch in vielen Pensionsställen immer einen Großteil der Versorgung geleistet.

Hm nein, die Realität sieht meist anders aus.
Während einem am Anfang noch von allen Seiten Hilfe versprochen wird, à la »das bau ich dir schon«, »den Zaun setz ich mit links« oder »das kann ich fix mit dem Trecker machen«, so lernt man in der Realität schnell, dass man meist auf sich allein gestellt ist.
Schlechtes Wetter und Regen lassen einen rasch merken, dass man die meiste Arbeit doch allein erledigt. Während die freundlichen Helfer meist auf dem Sofa liegen und genau dann einen Schnupfen auskurieren. Oder ein anderer Infekt, einen verstauchten Zeh, oder betreffende Personen unbedingt mit der Schwiegermutter essen wollen.

Von daher, wenn man sich mit dem Gedanken an die Selbstversorgung trägt, sollte man sich darüber im Klaren sein: Man ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für seine Pferde verantwortlich.
Und das bedeutet, das man jeden Tag wenigstens 2 x am Stall ist und für Futter, Wasser, Pflege und Bettchen sorgt.
Und wenn es einem nicht gut geht, interessiert das keine Sau.
Dann kann man nicht mal eben den Pensionsbetreiber anrufen, dass er sich bitte um die Versorgung kümmert. Denn man ist selber der Stallbetreiber.

Da man nicht immer eine Freundin belangen kann oder will, und auch die Familie irgendwann streikt, kriecht man auf den Brustwarzen vorwärts zum Stall. Man erledigt die Versorgung trotz Fieber und Schüttelfrost, während einem kotzsterbens schlecht ist. Und während man sich nach dem warmen Bettchen und einem heißen Tee sehnt, erbricht man sich vor den Hufen seines Pferdes, das einen dabei anschaut, als ob man vom Mond kommt.
Meist merkt man spätestens dann, dass man sich übernommen hat. Wie eigentlich schon viele Male davor. Und dennoch schleppt man sich vorwärts und denn es muss weiter gehen. Die Hauptsache ist, den Pferden geht es gut.
Aber es ist nicht nur die Versorgung selber, die sich ändert. Nein, es kommen ja noch Zusatztermine dazu. Ärgerte man sich früher darüber, dass der Tierarzt oder Hufschmied vielleicht zu spät kam, wartet man jetzt noch zusätzliche Stunden auf den Heu- / Strohlieferanten.
Und meist ist es genau dann schweine kalt oder nass. Oder aber das Heu muss geholt werden, und das Kraftfutter ebenso. Dann verbringt man seine Zeit auf fremden Höfen  oder in Geschäften, und damit wie man das Futter auf Anhängern oder ins Auto stapelt.

Ach ja das Auto … Als Selbstversorger darf man sich von einem sauberen Auto verabschieden! Denn so sehr man sein Auto liebt und pflegen möchte, es wird immer Situationen geben, in denen man in schmutzigen Stiefeln ins Auto springt.
Die nasse Jacke klebt voller Heu, die Reithose hat es nicht geschafft den Matschflecken aus zu weichen, und ein zarter Stallgeruch wird das Auto assimilieren.
Oder aber es wird Heu im Auto transportiert und man stellt fest, dass die Säcke doch nicht ganz so dicht sind.

Ich gestehe, ich habe es einmal geschafft, dass in meinem alten Auto Hafer gewachsen ist.
Wie das passierte?
Ein undichter Wasserkanister auf der Rückbank, und ein umgekippter Hafereimer …
Einige sonnige Wochen später kamen zarte grüne Sprösslinge aus den Ritzen meiner Rückbank!
Es wird euch nicht überraschen, dass ich heute noch damit aufgezogen werde. 😉
Aber zumindest benutze ich seitdem nur noch Futtereimer mit Deckel  …

Die Wasserversorgung kann ebenso schneller ein Problem werden als in flauschigen rosa Träumen vorher ersonnen. Hat man nicht das Glück eines Wasseranschlusses oder Brunnens, so schleppt man jeden Tag das Wasser in Kanistern zum Stall. Denn auch aufgefangenes Regenwasser ist je nach Jahreszeit nicht immer ausreichend.
Hat man dazu noch keinen Stromanschluss, darf man sich mit Konstruktionen aus Grablichtern und Frostwächtern arrangieren, um das Wasser eisfrei zu halten.
Schön ist das nicht …

Auch sieht man die Welt plötzlich mit völlig anderen Augen. Man läuft im Baumarkt plötzlich nicht mehr arglos durch den Holzbereich, sondern sieht förmlich neue Stallwände und Raufen vor sich.

Oder aber die Kleidung. Diese hat sich von Reitsport-Marken-Kleidung, plötzlich zu praktisch, bequem und robust verändert. Denn so schön die Kollektionen in den Reitzubehör Katalogen auch sind, wie soll man damit Zäune flicken und durch Matsch und Schnee waten?

Und wenn dann die beste Freundin von ihrem Sommer Urlaub auf den Malediven schwärmt und denn Preis dazu nennt, dann sehen wir plötzlich nicht mehr Sonne und Meer vor uns. Nein, wir rechnen den Urlaubspreis in Heuballen oder Paddockplatten um. Sachen, die uns auf einmal viel wichtiger geworden sind, als Sonne Strand und Meer. Oder eine Behandlung bei der Kosmetikerin, oder ein Besuch im Sonnenstudio.

Ebenso wird man merken das sich die Beziehung zu seinen Pferden deutlich ändert, denn Reiten wird nicht mehr im Vordergrund stehen. Bedingt durch die reichliche Arbeit, fehlt einem einfach oft genug die Zeit. So verbringt man Wochenenden mit dem Zaunbau. Oder aber man sucht stundenlang die Weiden nach Giftpflanzen ab.
Dann gibt es noch die Momente in denen Pferd oder Wildschwein (manchmal besteht da kein Unterschied) just in dem Moment einen Zaun zerlegen, wenn man eigentlich schon mit dem Sattel vor dem Pferd steht. Also legt man diesen beiseite und macht sich an die Arbeit. Das Wohl der Tiere steht über dem Wunsch nach einem Ausritt.

Machen wir uns nichts vor, als Selbstversorger ändert sich für uns eine Menge. Und es gibt Tage, an denen man weinen, kreischen und toben möchte. Tage an denen man sich die Bettdecke über den Kopf ziehen und einfach nicht vor die Türe will. Die Pferde auf den Mond wünscht. Naja, oder wenigstens in einen Pensionsstall.
Und dennoch lohnt sich das Alles.
Denn man hat plötzlich selber in der Hand, wie die Pferde versorgt werden.  Wenn die Pferde aufblühen dank passender Sozialkontakte. Wenn sie gesünder sind dank mehr Auslauf. Wenn sie nicht mehr koliken, dank passendem Futter. Dann ist es all das Wert.

Von daher gilt meine Hochachtung allen Selbstversorgern, weil ich weiß, wie hart dieses Leben sein kann.

Flauschige Grüße
Celeste
(Offenstall-Selbstversorger, seit 11 Jahren)

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