Tag-Archiv | Mineralfutter

Die kleine Raupe Nimmersatt

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Nach einer kleinen Grippepause melde ich mich nun wieder zu Wort. Ich muss sagen, dieses Mal hat es mich wirklich übel erwischt. Hatte ich mich doch bei einem kleinen Bazillenmutterschiff angesteckt, welches den Virus wahrhaft bis zur Perfektion ausgebrütet hat. Also habe ich mich mit Medikamenten eingedeckt und mich dann die meiste Zeit im Bett verkrochen und dieses auch nur dann verlassen, wenn ich die Pferde versorgen musste. Denn seien wir ehrlich, so eine richtig fieser Grippalerinfekt braucht eben seine Zeit, wenn er sich einmal bei uns heimisch fühlt. Nun ich habe mich brav geschont und mich gezwungen meine Medikamente zu nehmen. Ebenso habe ich mich selber genötigt genug zu trinken. Denn auch wenn ich weder Durst noch Hunger hatte, so weiß ich doch, wie wichtig es ist, in solchen Fällen nicht auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Denn wenn es nach eben jenem gegangen wäre hätte ich dauerhaft nichts gegessen oder getrunken.
Aber wir Menschen sind ja nicht blöd, wir wissen das es eben nicht immer gut ist auf den eigenen Körper zu hören und all seinen Gelüsten nach zu gehen. Denn unser Körper weiß nicht immer, was er eigentlich gerade am nötigsten braucht oder was ihn gesund erhält.

Komischerweise erwarten wir das bei unseren Pferden genau anders herum. Denen dichten wir in mythischer Wildpferdmanier die absolute Weitsichtfähigkeit an, mit denen sie sich selbst schützen und versorgen sollen.
So gibt es zum Beispiel einen ganz neuen Trend in der Offenstallszene und zwar die Mineralfutterstationen. Dort werden für die Pferde frei verfügbar die verschiedensten konzentrierten Mineralstoffe in verschiedenen Trögen frei zur Verfügung angeboten. Der Hintergedanke dabei ist, dass sich die Pferde nur dann daran bedienen, wenn sie das Mineral gerade benötigen.
Okay, an für sich eine wirklich schöne Idee. Und sieht man diese Mineralfutterstationen auf den verschiedenen Bildern, hat man gleich den Eindruck, dass Tine Wittler ein ›schöner wohnen für Pferde‹ Komitee durch den Stall gejagt hat. Die Mineralfutterstationen machen auch designmäßig wirklich etwas her und gleichzeitig bekommt jeder Pferdebesitzer das Gefühl so eine Station ebenso anbieten zu müssen. Denn je länger wir die Bilder betrachten, umso mehr kommt das schlechte Gewissen in Form eines kleinen Teufelchens, das auf unserer Schulter sitzt und uns piesackt. Frei dem Motto:

  • Du bist keine gute Pferdemutti, wenn du so etwas nicht auch anbietest.
  • Du verwehrst deinen Pferden wichtige Mineralien.
  • Die sollen sich selber frei bedienen können, auch das ist Freiheit.
  • Die wissen selber ganz genau, was sie brauchen.

Und schon eifern viele Pferdemuttis diesem Trend nach, völlig arglos und unbedacht, denn sie wollen ja nur das Beste für ihre Lieblinge.
Aber Hand aufs Herz, ist so eine Station wirklich gesund für unsere Pferde?
In diesen Stationen werden verschiedene Mineralien frei angeboten. Das Pferd darf sich daran bedienen, wie es mag. Die Hoffnung ist ja das diese nur solche Mengen aufnehmen, wie sie auch wirklich benötigen. Aber eigentlich wissen wir doch, unsere Kackbratzen sind verfressene kleine Monster. So gibt es Pferde, die kennen selbst bei 24/7 Heu kein Ende und mutieren zur Kugel. Ebenso kenne ich kein Pferd, das bei Kraftfutter leise rülpst und sagt ›ich bin eh schon zu fett, lass mal stecken‹. Dazu gibt es Kandidaten die sogar bei wirklich furchtbar schmeckender Medizin einen Nachschlag wollen, oder Wurmkur freiwillig schlotzen als wäre es ein leckeres Dessert.
Und auch wenn die meisten Mineralfuttersorten bei weitem nicht so gut schmecken wie so manches Futter, gibt es doch Kandidaten, die einfach permanent daran rum schlecken. Und so nehmen einige Pferde aus Langeweile, Hunger, Futterneid oder einfach weil es angeboten wird, mehr an Mineralstoffen zu sich, als sie wirklich benötigen.
Und so wie wir keinen Mineralstoffmangel bei unseren Pferden haben wollen, ist eine Überversorgung ebenso ungesund.

Ich erinnere mich da an eine Geschichte aus meiner Kindheit: Da gab es einen Sommer, der war wirklich sehr heiss, als ich klein war. Irgendwann brachte meine Mutter einen ganzen Korb voller Zitronen mit nach Hause. Diese rochen wundervoll und ich machte mir einen Spaß daraus, diese mit etwas Zucker zu essen. Irgendwann warnte mich mein Vater, dass zu viele davon einen Vitamin-C-Schock auslösen können. Mein Onkel der zu Besuch war sah das aber gelassen, und meinte ›ach die nimmt nur so viel wie sie braucht und vertragen kann.‹
Ich denke ihr wisst, was nun kommt. Es dauerte nicht lange und mein Gesicht brannte wie die Hölle. Überall hatte ich Flecken und Ausschlag von dem Vitamin Überschuss. Ich habe Zitronen seitdem nie wieder einfach so gegessen, und schon gar nicht in solchen Mengen. Mir waren die Schmerzen eine Lehre, aber ein Pferd kennt solche Verknüpfungen natürlich nicht. Das versteht nicht das die Kolikschmerzen von der geplünderten Tonne Hafer kommen. Es weiß nur noch, das es wirklich verdammt lecker war.

Und dann gab es noch eine andere Sache, alle Vegetarierer mögen mir bitte verzeihen.
Als kleines Kind hatte ich eine seltsame Vorliebe, und zwar liebte ich rohes Fleisch. Man muss sich vorstellen das klein Celeste immer wieder Fleischstücke stibitzte, wenn Mutter Drake daheim kochte. Auch wenn es Ärger gab und ich wusste, dass ich das Fleisch nicht roh essen sollte. Ich liebte es und aß es mit Genuss, wenn ich etwas ergattern konnte.
Heute weiß ich, dass Salmonellen und Co. sicher kein Spaß sind, aber als Kind bin ich einfach, wie bei den Zitronen meinen Gelüsten gefolgt. Ich hatte keine Mängel die es auszugleichen galt. Nein, ich aß einfach, was mir schmeckte und worauf ich Lust hatte. Und ähnlich wie Bon Bons, Schokolade und Chips die dazu führten, dass ich mich auch das eine oder andere Mal überfraß, habe ich aus meinen Erfahrungen gelernt.

Bei den Pferden schaut es wieder anders aus, denn sie kennen solche Verknüpfungen aus Erfahrungen nicht. Die lieben zum Beispiel die ersten Tage auf der neuen Weide und würden uns mit einem gezeigten Fuckhuf am liebsten auf den Mond wünschen, wenn wir sie nach kurzen Anweidezeiten, wieder auf den Paddock schicken. Denn trotz aller Wildpferdinstinkte wissen sie eben nicht, was gut für sie ist und wo die Grenze ist.
Das Bauchgefühl ist also nicht immer der beste Berater, was Essen angeht.
Warum wollen wir dann unsere Pferde nach diesem wählen lassen?
Pferde, die quasi ja eh immer verhungern, zumindest glauben sie das ja.
So teilen wir das Heu ein damit sie lange und mehrfach davon essen können. Kraftfutter wie Zusätze werden sorgfältig ausgesucht. Und nicht zu vergessen die Anweidezeiten bei frischer Weide, damit wir Hufrehe und Koliken aus dem Weg gehen.
Warum legen wir dieselbe Sorgfalt nicht auch bei den Mineralien wieder an den Tag?
Denn auch wenn das ›schöner Wohnen‹-Mineralbarelement wirklich designmäßig etwas her macht, so riskieren wir mitunter eine Überversorgung. Und das nur, damit wir uns auf die Schulter klopfen können, weil es so chick ausschaut und wir glauben, etwas Gutes zu tun?
Ohne regelmäßiges Blutbild würde ich so eine freie Versorgung nicht anbieten wollen. Mir wäre das zu gefährlich. Denn wie die Raupe Nimmersatt habe ich kleine Fressmonster dabei. Die einfach wegen der angebotenen Gelegenheit, wie auch einer guten Portion Futterneid daran rum schlotzen würden. Und bei meinem Glück würde das mit Nierenschäden, statt einem wunderschönen Schmetterling, enden.

Ich kann daher nur raten, baut nicht alles wahllos nach, was im Internet so hübsch angepriesen wird. Überlegt euch gut, was ihr in solchen Stationen frei zur Verfügung stellen wollt. Und wenn ihr Mineralien frei anbietet, dann checkt ab und an die Blutwerte und vergesst bitte 24/7 Heu nicht.
Solltet ihr keine Mineralstation anbieten dann ist das nicht schlimm, man muss nicht jedem Trend nacheifern, nur um eine perfekte Pferdemutti zu sein.

Flauschige Grüße,
eine unperfekte Celeste

 

Von Fertiggerichten und Futtergurus

Hallo meine Flauschehäschen, da bin ich wieder.
Zu Anfang möchte ich mich erst einmal entschuldigen, dass ihr auf den letzten Sonntagsbeitrag verzichten musstet. Leider war ich gesundheitlich nicht so auf der Höhe und die Druckfreigabe für »Pony statt Plüschtier« war dazu noch ziemlich zeitintensiv. Jetzt ist aber alles auf den Weg gebracht und mein Musterexemplar ist bereits auf dem Weg zu mir. Alle Blogger/innen unter euch, sollten meine Seite in den nächsten Tagen ganz besonders intensiv im Auge behalten. Warum werdet ihr bald herausfinden. 😉

 

Pony statt Plüschtier

 

Nun aber mein heutiger Sonntagsbeitrag für euch:
Na ist der Frühling bei euch auch schon eingezogen? Fusseln eure Pferde schon mächtig oder zieren sie sich noch?
Da ich nun mit einem neuen Laptop ausgestattet bin, dank meiner liebsten Oompa Loompa passend in glitzer Pink, können wir uns wieder mit einem neuen Thema befassen.

Also nehmen wir uns heute das Thema Pferdefütterung zur Brust:
Früher war Pferdefütterung unkompliziert. Man stellte sein Pferd in einen Stall und die alten Stallmeister, Stallbesitzer oder Bauern wachten mit Argusaugen über die Pferdefütterung. Meist wusste man damals nicht einmal ganz genau was im Pferd landete, aber es funktionierte. Die Pferde waren in aller Regel gesund, das Fell glänzte und kein Stallmeister hätte sich die Blöße gegeben, dass ein Pferd zu dünn geworden wäre.
Hat man sich früher als Pflegemädel mit der Fütterung beschäftigt, dann waren die Mittel eigentlich recht einfach:
Gutes Heu, Gras ,Hafer und bei Bedarf ein Mineralfutter. Zum Päppeln, wenn es denn sein musste, auch mal gerne etwas Mais. Dazu Futterrüben oder Futtermöhren und ab und an Rote Beete.
Das war dann auch schon der große Zauber. Und ja, auch Leckerlis waren ab und an erlaubt …

In der heutigen Zeit ist es jedoch so, dass viele Pferdehalter selber das Futter ihres Lieblings bestimmen wollen. Das liegt oft daran, dass in vielen Ställen Selbstversorgung angeboten wird. Aber eben auch daran, dass man selber seinem Pferd gerne etwas Gutes tun möchte.
Und bewegt man sich durch die Reihen im Futterhandel, dann ist das wie Halfter oder Schabracken Shopping.
Verlockende Namen, Müslisorten mit Kräutern, Gemüse, Zusatzmineralien – die Auswahl ist riesig und dann duften sie auch oft noch so wundervoll.
Dazu kommt noch die Vielfalt an Probepäckchen, die man auf Pferdemessen oder im Futterhandel zu gesteckt bekommt. Bunte Farben und verlockende Werbesprüche, die einem eindringlich versichern, das nur genau dieses Zusatzfutter die Bedürfnisse des eigenen Pferdes erfüllt.

Und im Fall, dass man nur durch die Regalreihen schleicht und nach einem Sack und popeligen Hafer greifen will, erschlägt einen förmlich das schlechte Gewissen.

Kann man mit Heu und Hafer denn wirklich alle Bedürfnisse erfüllen?

Die Müslisorten und Zusatzmittel fressen sich förmlich in die Gedanken. Denn es gibt ja Futtersorten extra auf spezielle Rassen abgestimmt. Das muss doch seinen Zweck haben!?
Oder die Kräutermüslisorten, das muss! einfach gesund sein für das Hustenpferd, oder?
Zweifel machen sich breit, man ist verunsichert. Und während man noch überlegt, landen zwei Tüten Leckerlis wie von alleine im Einkaufswagen und komplettieren das schlechte Gewissen.
Hat man doch gelesen, was für ein Müll in Leckerlis enthalte ist, und das man seine Pferde damit eh nur verzieht.

Nun bringen wir einmal etwas Licht ins Dunkel:
Erst einmal ist die beste Fütterung -für mich- immer noch Gras und Heu.
Als Zusatz reicht im Normalfall Hafer völlig aus, dazu ein Mineralfutter.
Müslisorten braucht man eigentlich nicht. Denn meist sind hier wesentlich mehr Zusätzen enthalten als Getreidesorten.
Aber ich möchte keine Müslis verurteilen. Ich habe selber schon darauf zurückgegriffen, wenn der Futterhändler eine zu schlechte Qualität an reinem Hafer angeboten hat.
Man muss sich aber bewusst sein, was man seinem Pferd da gibt.

Es ist mit dem Verzehr von Fertiggerichten vergleichbar, oder ob man sich die Mühe macht selber, mit frischen Zutaten, zu kochen.
Mal ist es nett und zeitsparend auf Fertigmahlzeiten zurückzugreifen, aber auf Dauer, ist das frisch zubereitete einfach gesünder.

Was Möhren und Leckerlis angeht, ist es ähnlich: Die Masse macht es.
Man sollte genau darauf achten, was man seinen Pferden gibt und auch in welcher Menge.
Mal ein paar Leckerlis sind ok. Händeweise, jeden Tag, muss nun wirklich nicht sein.
Bei den Möhren sieht das nicht anders aus, die müssen auch nicht jeden Tag eimerweise verfüttert werden.

Und bitte haltet Abstand von solch seltsamen Versuchen wie Schokolade, Kekse, Fleisch usw.!
Und wenn es noch X mal gut geht, eine einzige Kolik kann ein Pferdeleben beenden.

In diesem Sinne: Ich kann euch nur nahe legen etwas weniger den Futter-Shopping-Verlockungen zu erliegen, und dafür ein wenig mehr zu den Ursprüngen zurück zu kehren.

Auch wenn Hafer und Heu nicht so putzig verpackt sind und keine tollen Werbesprüche tragen, es sind immer noch die wertvollsten Futtermittel.

Ich wünsche euch einen flauschigen Abend, mit einem lustigen und passenden Video:

Alles Liebe
Celeste