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Alles Chefsache?

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr habt mich vermisst? Denn dank des Besuches meiner Oompa Loompa Julia A. Kris habe ich den vorletzten Sonntagsbeitrag ausfallen lassen, und mit ihr zusammen für ihre Mini Oompa Loompa, Ponybespasser gespielt. Denn leider wohnen wir viel zu weit auseinander und sehen uns daher nur wenige Male im Jahr. Wie gut das es das Internet und das Telefon gibt, mit dem wir dennoch viele Dinge für unsere Bücher absprechen können. Denn ihr wisst ja, Julia und ich arbeiten zusammen an unseren Büchern und Texten. So sind wir also nicht nur Familie und Freunde, sondern auch noch Arbeitspartner. Und das Gute daran ist, dass wir uns gegenseitig ergänzen, aber niemand die Chefposition innehat. Denn vom Streitpotential einmal abgesehen ist die Chefrolle eine sehr anstrengende Position, die nicht jeder freiwillig auf sich nehmen möchte.

Bei den Pferden ist dies ähnlich. In einer guten Herde gibt es eine Leitstute und je nachdem noch einen Hengst oder Wallach, der sich für den Chef hält, und die Schutzrolle übernimmt.
Oft lese ich in den verschiedenen Gruppen, dass die Pferdebesitzer stolz darauf sind, wenn ihr Pferd die Chefrolle übernommen hat. Das sie glücklich sind darüber, weil es nun ›das Sagen hat‹, oder aber, dass es ja nun ›etwas ganz besonderes ist‹ …
Warum muss ich hier gerade an die ›Werther‘s Echte‹-Werbung denken?
Dabei vergessen viele Pferdebesitzer, dass die Führungsposition in der Herde eine große Verantwortung in sich birgt. Denn der Herdenchef sorgt nicht nur für Ordnung innerhalb der Herde, sondern ist auch für die Sicherheit derer zuständig.
Das heißt, die Bande verlässt sich voll und ganz auf ihren Boss, egal ob sie fressen, schlafen oder pupsen.

Das bringt so einige Nachteile mit sich denn:

  • So mancher Chef kommt nicht zur Ruhe, da es aufmüpfige Kackbratzen gibt, die dauerhaft den Chefposten anzweifeln.
  • Einige Chefs ziehen sich Verletzungen zu, durch immer wiederkehrende Rangordnungskämpfe.
  • Manchmal nehmen sie ab, durch vermehrte Bewegung und Aufregung.
  • Oder aber sie sind öfter müde und erschöpft, nach einer durchwachten Nacht.

Nicht zu vergessen, dass manche Pferde ebenso wie die Menschen schlichtweg für den den Chefposten ungeeignet sin, und durch den Stress dauerhaft überfordert werden.
Ebenso gibt es Pferde, welche die Chefposition zwangsweise übernehmen müssen, da kein anderes Herdenmitglied dafür geeignet ist, bzw. die Herde es in die Rolle hineindrängt. Pferde, die diese Chefrolle übernehmen, aber nicht wirklich geeignet sind, gibt es zudem leider häufiger als man denkt, oder sich mancher Pferdebesitzer eingestehen will.

Hier muss man wirklich genau beobachten, ob sich ein Pferd übernimmt, und ob die Ruhezeiten und der Stressabbau nicht zu kurz kommen.
Ist dem so, dann muss man Abhilfe schaffen, z.B. durch kleinere Gruppen oder aber auch nächtliches Separieren in eine Box, bzw. einen Einzel- /Zweier-Offenstall.
Denn bei aller Liebe zur Herde, Ruhezeiten braucht jedes Pferd, und keinem ist geholfen, wenn es sich in seiner Rolle übernimmt.
Um einmal aus dem Nähkästchen zu plaudern:
Ich hatte viele Jahre eine wirklich grandiose Leitstute in meiner Herde. Sie war in der Rolle wirklich zufrieden und glücklich und hatte diesen Posten bis zu ihrem letzten Tag inne. Dennoch hat ihre Freundin ›Frau Pferd‹ immer mal wieder diesen Posten angefragt, und derbe Senge kassiert. Immer und immer wieder.
Als meine Leitstute dann starb, kam die Zeit des Trauerns in der Herde. Plötzlich hatte ›Frau Pferd‹ die Chefrolle inne, welche sie sich die ganze Zeit gewünscht hatte. Nur hatte sie sich das wohl nicht ganz so vorgestellt, wie die Realität es ihr schonungslos näher brachte. Denn auf einmal musste sie für Ordnung sorgen, für Sicherheit und für Ruhe. Dafür musste sie dann nicht selten ihre eigenen Wünsche und Belange zurückstecken. Sie selber hat das enorm geschlaucht, sie wurde unzufrieden, gestresst und war sehr oft wirklich müde und erschöpft. Erst Zweiergruppen im Winter, als auch das Delegieren der Pflichten an Frau Ente, hat sie zur Ruhe kommen lassen.
Dennoch muss sie immer noch die Chefrolle übernehmen. Glücklich macht es sie nicht, auch wenn es heute viel entspannter ist als in den ersten Jahren.
So kann es zu Situationen kommen, in denen alle anderen freudig mampfend die Nase in den Futtertrog stecken, sie aber hungrig abwartet, bis die nächtlichen Besucher (Jäger) wieder heimfahren. Genauso gab es Tage, in denen sie sich nach einer durchwachten Nacht in meinem Beisein auf der Weide ablegte, mir quasi die Verantwortung übergab, und sofort einschlief – müde und erschöpft.
Ich bin froh das sie nun die Arbeit aufgeteilt hat und Frau Ente mithilft. Ebenso ist nun das Panzerlein erwachsen geworden und kümmert sich hingebungsvoll um die neuen Jungs.
Für ›Frau Pferd‹ heißt das mehr Ruhe und Erholung. Für mich bedeutet es die Gewissheit, das sie sich nicht mehr überfordert. Dennoch habe ich immer noch ein wachendes Auge darauf und werde dies auch weiter beibehalten.
Für einige Pferdebesitzer mit Pferden in Chefposition wünsche ich mir das gleiche. Das geübte Auge, um zu sehen ob und wann es einem Pferd zuviel wird, und der Gewissheit, dass man einschreiten wird, wenn es nötig wird.

In diesem Sinne, erholsame Tage für euch und eure Herdenchefs!
Flauschige Grüße
Celeste