Tag-Archiv | Hilfsbereitschaft

Spenden, Hilfsbereitschaft und andere Sorgen

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, es ist euch gut ergangen? Heute widmen wir uns einem Thema, das ich schon eine Weile auf den verschiedenen Onlineplattformen beobachte: Bettel- und Spendenpostings.

Ich weiß nicht, ob ihr auch schon über sie gestolpert seid, aber sie klingen meist ähnlich:

  • »Suche Pferdesachen egal was, umsonst oder bis 5 €.«
  • »Suche Pferdesachen oder Spenden für meine Tierschutzfälle.«
  • »Habe ein Pferd gerettet und suche nun Spenden.«
  • »Habe nicht viel Geld, aber brauche Zubehör, bitte umsonst oder billig.«
  • »Habe hohe Tierarztkosten, bitte spendet, sonst muss es erlöst werden.«
  • »Möchte ein Pferd vom Schlachter freikaufen, bitte spendet! Auch Zubehör.«

Um einfach ein paar Beispiele zu nennen.

Und schon tauchen die Mädels aus dem Off auf und bieten ihre Ware an. Meist ist es Ramsch, den sie in den Pferdeflohmarktgruppen nicht verkauft bekommen. Zu alt, zu verlottert und manchmal regelrecht versifft. Aber vielleicht findet sich so ja ein Abnehmer, der doch noch 2 € zahlt? Schließlich ist das ja für einen guten Zweck, da gibt es den polierten Heiligenschein gleich gratis dazu.
Das sie allerdings meist keine Antwort auf diese wirklich selbstlosen Angebote bekommen, liegt nicht selten daran, dass wirklich Spendenwillige auftauchen, die gleich ganze Päckchen packen.
Vollgestopft mit alten Sachen und guten Wünschen, werden diese unbedacht an die vermeintlich hilfsbedürftige Person geschickt. Im besten Glauben, das man einer armen Person mit einem leidenden Pferd etwas Gutes getan hat.

Nicht selten gibt es später erstaunte Gesichter, wenn das verschenkte Zubehör auf einmal in Gebrauchtbörsen auftaucht. Denn nicht immer steckt hinter jedem traurigen Spendenaufruf auch ein echter Notfall. Inzwischen ist es zu einem unschönen Trend geworden, einfach nach Zubehör zu fragen, das dann mit einer traurigen Geschichte umsonst eingeheimst wird, nur um es dann zu Geld zu machen. Auch eine Art sein Taschengeld aufzubessern, wenn man so will.
Ebenso gibt es Tierschutzhöfe – natürlich neben denen, die wirklich tolle Arbeit leisten und die damit nicht gemeint sind – bei denen das Geld manchmal an andere Stellen, als die zu schützenden Tiere, wandert. Auch das gibt es, da wollen wir uns nichts vormachen.

Natürlich ist aber nicht jeder Spendenaufruf unehrlich, Gott bewahre, aber manchmal lohnt es sich genauer zu lesen, und Fragen zu stellen. Zum Beispiel:

  • Wo ist der Hof?
  • Welche Tiere gibt es dort?
  • Welche Hilfe wird genau benötigt?
    Helfer vor Ort bei der Arbeit? Futter? Zubehör?
  • Ist der Hof ein Verein bzw. eine Einrichtung oder Privat?
  • Werden Spendenquittungen ausgestellt?

Denn wenn jemand als Privatperson für 10 Pferde Spenden sammelt, aber gleichermaßen behauptet, dass alle Tierarztkosten, wie auch Futter und Versorgungskosten immer gedeckt seien, dann werde ich schon ein wenig misstrauisch. Denn um mehrere kranke oder alte Pferde/Ponys zu umsorgen, braucht es auf Dauer schon einen Lottogewinn, einen reichen Ehemann oder einen fragwürdigen Beruf. Oder aber man opfert sich und alles Geld das man verdient selber auf, und hat dazu das große Glück, das die Tierarztkosten nicht in den 5-stelligen Bereich wandern. Aber wenn man dann noch nach Zubehör bettelt, kommt doch die Frage auf: Warum?
Ein Halfter kostet 5 -10 €, wenn es nicht die ›Haris-Pilton-Flausche-Kollektion‹ sein muss. Ein paar Bürsten kosten auch nur wenige Euro. Und selbst wenn es an Decken fehlt, auch diese gibt es sehr günstig, neu, wie auch gebraucht. Mir kann doch kein Mensch erzählen, dass er immer genug Geld für den Tierarzt, wie auch das Futter bei einer ganzen Pferdeherde hat, aber kein 5er übrig bleibt, für ein popeliges Halfter?Verzeiht wenn ich dann doch etwas misstrauisch werde.
Ebenso bin ich dann immer wieder argwönisch, wenn nach Zubehör gefragt wird – umsonst versteht sich – und nie eine Größe angegeben wird. Oder nicht wirklich benennen möchte, was der Tierschutzfall wirklich an Zubehör benötigt. Eine Decke? Dann könnte man doch gleich sagen was für eine. Zum Beispiel eine Fliegendecke für den Ekzemer, eine Regendecke – gefüttert oder nicht – für den Oldie usw.
Aber wenn dann gar keine oder eine unhöfliche Antwort kommt, oder noch besser ein »ich nehme alles«, dann ist das schon eine spannende Angelegenheit.
Frei dem Motto, nur her damit …
Ich meine, da kann man doch förmlich fühlen, das die Sachen nicht bei dem armen leidenden Pferd landen, falls es dieses überhaupt gibt. Denn was soll das Shetty mit einem Warmbluthalfter, oder das Warmblut mit einer Shetty Decke? Fesselspiele ala 50 Shades oh Hay?
Die werden dann auch nur zuuufääällig verkauft. Natürlich nur die Sachen, welche sich noch gewinnbringend an den Mann, bzw. das Pferdemädel bringen lassen.
Auch immer wieder schön ist es, wenn Reitzubehör wie Sattel, Trensen und Hilfszügel gewünscht werden. Natürlich für arme alte und kranke Pferde. Tierschutzfälle welche sich eigentlich nur noch auf den Brustwarzen vorwärts gerobbt haben, bis unser Anzeigen-Sonnenschein es gerettet hat. Und dank der plötzlichen Wunderheilung muss nun Sattelzeug her, damit das Pferdchen freilich noch geritten wird. Denn merke: Der schönste Retter-Heiligenschein taugt nix, wenn das Pferd nicht wenigstens noch etwas Leistung bringt.

Nun ich bin ein sehr hilfsbereiter Mensch und helfe wirklich gerne. Allerdings möchte ich, dass meine Hilfe auch an echte Hilfsbedürftige geht. Deswegen stehe ich diesen Internetaufrufen wirklich sehr skeptisch gegenüber.

  • Ich möchte schon etwas mehr, als eine rührende Story aufgetischt bekommen.
  • Ich möchte die Möglichkeit eines Besuches vor Ort haben.
  • Ich möchte bei Tierarztrechnungen diese auch sehen, bzw. direkt an die Klinik überweisen dürfen.
  • Ich möchte Futtermittel vor Ort abgeben dürfen.
  • Ich möchte eine Spendenquittung.

usw.

Natürlich schützen diese Dinge auch nicht immer vor Betrug. Es reduziert jedoch die Möglichkeit bei der Trittbrettfahrerwelle der Absahnermädels zu landen. Denn diese haben erkannt, das sich inzwischen nicht nur gut mit ergaunerten Pferdezubehör bescheißen lässt, nein, man kann es sich als Spende ,nach einer heroischen Geschichte, gleich frei Haus schicken lassen. Und da man ja vermeintlich eine gute Tat vollbringt, wird man von den naiven Spendern noch verteidigt, gelobt und imaginär der Kopf getätschelt.

Sicher ist es nicht gerne gesehen, wenn man unter zweifelhaften Spendenpostings Fragen stellt. Noch unbeliebter ist es, wenn man auf die unseriösen Anfragen hinweist und zur Vorsicht anmahnt. Allerdings bin ich den Scheiterhaufen ja inzwischen gewöhnt, und ich wette ich werde auch nach diesem Blogbeitrag wieder ordentlich Feuer bekommen.

Natürlich darf und soll auch jeder spenden wo und wie er will. Auch gerne an Stellen bei denen man vielleicht etwas vorsicht walten lassen sollte. Nur frage ich trotzdem gerne einmal nach. Denn wenn einer um Geschenke/Spenden bittet, dann sollte eigentlich keine Nachfrage zuviel sein.
Und wenn man sich unsicher ist, dann kann man ja an größere Höfe spenden. Welche die zum Beispiel ehrlich sagen: »Gebt uns all die alten Sachen, wir werden die zwar verkaufen, aber das Geld fliesst dann wirklich in die Pferde.«
Da schickt man doch lieber ein Päckchen hin, samt einem Sack Futter, als an User ›Zimtbüte 8210‹ die einfach mal alles brauchen kann und auf Nachfragen bezüglich Größe gleich mal pampig wird.
Denn wir alle wollen letztendlich nur eines: Das Hilfe dort ankommt wo sie wirklich gebraucht wird. Und nicht das die Sachen verkauft werden und statt bei einem notleidenden Pferd, in einem neuen Handy, oder eine Eskiiii Schibbi Schabbi fließt.

In diesem Sinne, flauschige Grüße
Celeste

 

Von Menschlichkeit, Freundlichkeit und dem Blick über den Tellerrand

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder an diesem wunderschönen Ostersonntag.

Ich hoffe ihr und eure Lieben, habt das stürmische Wetter überstanden und eure Ställe sind heil geblieben?! Wenn man nun aus dem Fenster schaut, sehen wir den Frühling in riesen Schritten auf uns zu kommen. Das Gras wächst in zartem grün, die Büsche und Sträucher sprießen und die ersten Blüten unterbrechen das bisher alles beherrschende grau. Und natürlich zwitschern die Vögel endlich wieder und versüßen die Tage.
Die Pferde stehen draußen auf der Weide und eigentlich, ja eigentlich, könnte das ein wirklich wundervoller Ostersonntag sein.
Eigentlich …
Denn uneigentlich habe ich mich schwarz geärgert. Und deswegen gibt es statt meinem geplanten »Fohlen aus der eigenen Stute« -Thema, heute etwas völlig anderes!

Wie jeden Tag rufe ich Facebook auf und freue mich über die vielen unterhaltsamen Diskussionen. Eine war allerdings dabei die mir die Laune dezent verhagelt hat …
Vielleicht weil ich persönlich betroffen bin, vielleicht weil mich die Engstirnigkeit der Menschen manchmal so unvermittelt trifft.
Es ging um ein Posting, bei dem auf eine behinderte junge Frau reagiert wurde, als diese erklärte, dass sie mit den Pferden anderer Leute agieren dürfe.
Dabei mache ich auf keinen Fall der Posterstellerin einen Vorwurf. Diese hat in der Situation -für mich – zwar falsch gehandelt, aber dieses später auch eingesehen. Erschreckt hat mich jedoch die Vielzahl an Aussagen, die in meinen Augen sehr Behinderten feindlich waren.

Eine davon war: »Behinderte wollen doch immer gleich behandelt werden.«

Ich finde hinter dieser Aussage wird sich zu gerne versteckt, wenn man unhöflich oder ohne darüber nachzudenken agieren möchte. Oder aber, wenn man einer Person einfach nicht helfen möchte und sich überhaupt mit ihr befassen.
Mal Butter bei de Fische!
Nein, nicht alle Behinderten Menschen wollen gleich behandelt werden!
Das ist in der Praxis auch überhaupt nicht möglich.
Und als schwerbehinderte Autistin mit dem Asperger Syndrom darf ich das wohl sagen.
Wie will man denn bitte alle behinderten Menschen gleich behandeln?
Dem blinden Menschen einfach ein normales Buch in die Hand drücken?
Den Rollstuhlfahrer vor der Treppe stehen lassen?
Den Asperger Autisten in eine Menschenmenge sperren und sagen: »Stell dich nicht so an, ihr wollt doch alle gleich behandelt werden«?
Oder aber einem Mädchen mit Trisomie 21 einen Anschiss zu verpassen und mit einer Anzeige drohen, weil es seinen Traum, alle Pferde reiten zu dürfen, äußert?

Hier frage ich mich, ob manche über ihre Aussagen überhaupt länger als 3 Sekunden nachdenken. Oder sich, wenn auch nur kurz, mit der Thematik auseinandersetzen.
Gleich behandelt werden wollen bedeutet, dass man nicht ausgegrenzt werden möchte.
Das man nicht wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt wird.
Das man nicht schief angesehen wird, weil man eben anders ist.
Aber es bedeutet keineswegs, dass man nicht doch ab und zu Hilfe, oder eine besondere Fürsorge braucht. Kleinkinder werden auch an die Hand genommen, wenn man sie über die Straße führt. Und für ältere Menschen steht man im Bus auf. Auf jeden Fall diejenigen, die ein Mindestmaß an Erziehung genossen haben.

Höflichkeit, Freundlichkeit, sowie Hilfsbereitschaft sollten selbstverständlich sein. Sind es jedoch leider heutzutage nicht mehr.
Natürlich wird es immer Personen geben, die Hilfe ablehnen. Aber dann hat man sie wenigstens angeboten!
Ebenso sollte es selbstverständlich sein, sich nur über Themen zu äußern, mit denen man sich auch befasst hat. Nicht nur Halbwissen von sich zu geben und sich hinter der vermeintlich gewünschten Gleichstellung zu verstecken.
Das ist traurig und teilweise nur geschmacklos. Zeigt es doch, dass viele nicht in der Lage sind über ihren eigenen Tellerrand zu blicken.

Gerade nach dem Lesen eines solchen Beitrages hoffe ich immer wieder auf mehr Menschlichkeit, mehr Hilfe, mehr Freundlichkeit und mehr Respekt. Und einfach darauf, dass Leute nicht allem mit Ablehnung begegnen, was sie nicht verstehen.
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt …

Flauschige Grüsse
Celeste

050415