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Wenn Geld den Charakter verdirbt

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.
Kennt ihr auch solche Tage, an denen man besser im kuschelig flauschig warmen Bettchen geblieben wäre? Heute ist definitiv einer davon!
Ihr kennt das doch sicher: Man hat frei und der Tag ist fest verplant. So wollte ich heute die Pferde versorgen und auf die neue Weide bringen.
Vielleicht hätte ich Glück gehabt und ein paar Sonnenstrahlen erhascht und einige Fotos geschossen, während meine Bande vergnügt über die Weide hüpft.
Und doch kam es mal wieder völlig anders. Während ich vor meinem Stall parke, verabschiedet sich die Handbremse bei meinem kleinen Auto. Also Plan umgeworfen, Pferde versorgt und eben auf der Stallweide belassen. Und bis mein Auto morgen in die Werkstatt darf werde ich die Fahr- und Futterdienste meiner lieben Freundin aufbrummen müssen.
Und schon jetzt weiß ich, dass es sicher nicht bei einer kleinen Reparatur bleiben wird, so viel Glück habe ich nie. Denn das Leben ist ein Arschloch, und wann immer mal wieder gute Tage sind, brüllt da oben einer »da sind gerade Kapazitäten frei« und gießt den Eimer Scheiße über mir aus.
So sehe ich jetzt schon wieder größere Summen in die Werkstatt fließen, welche eigentlich für andere schöne Dinge, wie zum Beispiel Paddockplatten, bereitliegen.
Nicht dass mich das von meinem Paddockplattentest abhalten wird, aber irgendwie ärgert es mich momentan schon. Schließlich ist es eine ungeplante unnütze Ausgabe, die nicht hätte sein müssen.

Aber im Leben verläuft es eben nie nach Plan, und schon drei Mal nicht, wenn es um Geld und Pferde geht. Deswegen reagiere ich oft auch ein wenig überkritisch bei Trainern oder Reitstarlets, die ihre Methoden derart vermarkten, dass es zu Lasten der Pferde und zu Gunsten der Geldbörse geht.
So gibt es wirklich einige gute Pferdetrainer, die sich charakterlich verändert haben, als sie erfolgreich wurden. Keine Sorge ich möchte weder lästern noch Namen nennen. Anhand meiner Beispiele kann sich aber jeder selber seinen Teil dazu denken.
So gab es einige Trainer, die in den 90ern bekannt wurden, und durch eine geschickte Vermarktung fast guruartig verehrt wurden. Sie lieferten Lösungen für Pferdeprobleme, die oftmals durch eine anständige Erziehung oder eine Schulung für den Besitzer, hätten behoben werden können. So gab es komplette Trainingskonzepte, die sich immer und überall, und bei jedem Pferd und jedem Problem anwenden lassen sollten. Und reagierte das Pferd dann immer noch nicht wie gewünscht, dann fehlte es sicher am passenden Zubehör. Denn auch da wurde die Marktlücke »Sorgenvoller Pferdebesitzer, der um Hilfe bittet« zum Portemonnaie-Füllern.
Indem vom Halfter bis zum Zaum, von der Gerte bis zu Hilfszügeln, vom Deckchen bis zum Futter das passende Zubehör vermarktet wurde. Und genauso wurden diese Konzepte als Gesamtpaket vermarktet. Dabei wurde völlig außer Acht gelassen, dass jedes Pferd anders ist. Dazu die Haltung, die Aufzucht, der Ausbildungsstand, und die Besitzer Erfahrung, welche in das Trainingskonzept mit einspielen sollten.
Es war egal, denn die Verkaufszahlen stiegen nur, wenn man sein Konzept als Allheilmittel gegen alle Pferdeprobleme anpries.

Ich erinnere mich an eine wirklich grauenvolle Szene vor vielen Jahren:

  • Ein junges unerfahrenes Pferd in einem Round Pen auf einer Pferdemesse.
  • Eine fremde Umgebung weg vom heimischen Stall.
  • Allein ohne Herde mit einem fremden unbekannten Trainer.
  • Grelles Licht und eine unheimlich laute Geräuschkulisse.

Und ein Trainer, der dieses Pferd durch den Round Pen scheucht, bis es klatschnass ist, und fertig mit der Welt. Als dieses Pferd dann alles was der Trainer Korrektur schimpft, völlig hilflos über sich ergehen ließ, pries der Trainer seine Bücher an, seine Videos, sein Zubehör …
Mit den Worten, dass jeder von uns das auch könne, wenn er sich nur an seine Bücher halte und sein Spezialzubehör kaufe. Und wie die Lemminge standen die Reiter Schlange um ein Autogramm zu erhaschen, und Bücher wie Zubehör zu kaufen.
Sie wollten genauso sein wie er …
Ein Moment, der mich auch heute noch unendlich traurig macht.
Wie konnte so etwas geschehen?

Wie kann es sein, das dies so vielen Trainern passiert, die erfolgreich werden? Sie wollten damals alle nur das Beste für die Pferde. Ihre Gedanken zur Ausbildung waren immer pro Pferd. Aber irgendwann ging das dann verloren. Dann wurden Pferdeseelen für Verkaufszahlen geopfert. Allgemeinlösungen, statt individuellem Training, für gute Verkäufe geboten. Und Pferde für Schau Zwecke missbraucht, statt ihnen wirklich in Ruhe zu helfen.

Aber das passierte nicht nur in den 90ern, auch jetzt gibt es so einige Trainer, die mir sauer aufstoßen. Und nicht nur mir, denn Gott sei Dank wird die früher so verblendete Fangemeinde doch etwas kritischer. In Zeiten von Facebook und Handykameras lässt sich – Gott sei Dank – nun auch nicht mehr so viel verstecken wie früher. Viele Trainingsvideos verbreiten sich im Internet schneller als Genitalherpes im leichten Gewerbe. Aber gerade die Trainer, die derart im negativen Fokus stehen, ändern sich oft nicht. So werden schief gelaufene Korrekturversuche einfach verteidigt oder totgeschwiegen à la »man weiß ja, was man macht«.
Da denke ich mir dann auch: Ist euch das Geld so viel wert, dass ihr alle Prinzipien der guten Pferdeausbildung vergesst?

  • Es braucht keine Veranstaltungen die in 30 Minuten ein Problem lösen sollen.
  • Es braucht kein spezielles Zubehör das angebliche Probleme wie von Zauberhand alleine löst.

Es braucht aber Zeit und Ruhe, Konsequenz und eine dauerhaft gute Erziehung!
Das bitte in einer ruhigen Atmosphäre statt dem Messe Vermarktungsstand. Nicht zu vergessen der Besitzer, der ebenso geschult werden sollte. Aber es gibt niemals ein Allheilmittel oder eine Universallösung für ein Pferde-Problem!

Ähnlich ist es mit den selbst ernannten Facebook Reitstarlets.
Bedingt durch eine große Fangemeinde liefern diese Videos und Bilder, denn die Fans wollen schließlich auf dem neusten Stand sein. Damit man sich aber von der Masse an Seiten abhebt, bieten einige der Reitsternchen oft fragwürdige Bilder und Videos. Nicht selten wird dabei die Straßenverkehrsordnung außer Acht gelassen, wenn Schnuffelpuffel mit Halsring – ohne Sicherheitszaum denn der ist sooooo hässlich – über die Felder schwebt. Oder aber, wenn er ganz ohne Zaum oder Halfter neben der Besitzerin im Wallekleidchen steht. Und leider ist dann auch der Shooting-Bereich, wie auf Nachfrage angegeben, nicht einmal abgesperrt.
Da denke ich mir auch: Muss das sein?
Muss man das Leben seines Pferdes oder das seiner Mitmenschen für ein paar Likes oder ein mögliches Sponsoring riskieren?
Das macht die Reitstarlets ebenso zu schlechten Vorbildern.

Von daher liebe Trainer und Reitstarlets, ich wünsche euch:

  • etwas mehr Courage.
  • etwas mehr Selbstreflexion.
  • etwas mehr Arsch in der Hose, damit ihr euren Prinzipien treu bleibt.

Es gibt keine Universallösung, das sollten auch alle Pferdebesitzer langsam einsehen. Ein Ausbildungsweg ist nie in einer 30-Minuten-Sitzung mit einem Spezialhalfter erledigt. Pferdeausbildung ist ein Weg, den man gemeinsam beschreitet. Mit Konsequenz, klaren Ansagen und Aufgaben, die dem Ausbildungsstand angemessen sind und dabei das Pferd ebenso motivieren. Ein guter Trainer wird diesen Weg mit euch zusammen gehen, ohne Zuschauer und mit Zeit und Ruhe.
Denkt immer daran das Pferd bestimmt den Weg, und kein Geld der Welt ist es wert eine Pferdeseele für den Profit zu opfern.

Flauschige Grüße
Celeste

Wenn Geld verdirbt

 

Von Lavalampen, Hippies und Haschkeksen

Hallo meine Lieben, da bin ich wieder!

Wie einige von euch wissen, bin ich ja schon ein wenig älter, und als Kind der 70er Jahre groß geworden. Ok, nicht wirklich groß, denn 1,59 m ist gerade mal knapp am Schlumpf vorbei geschossen …
Wie auch immer, die 70er Jahre waren bunt und sehr strange, und neben freier Liebe, Hippies und Drogen fanden Gurus auch vermehrt Zulauf.
Mit den Gurus ist das so eine Sache. Jeder Mensch hat einmal Probleme, die gar nicht oder nur schwer lösbar sind. Gurus picken sich dann gerne die labilen und/oder unerfahrenen Menschen heraus, und versprechen ihnen eine Lösung für all ihre Probleme. Man muss nur fest genug daran glauben und natürlich auch alle Anweisungen befolgen. Und wenn es nicht klappt, glaubt man eben nicht fest genug …

In der Reiterwelt hat es in den 90ern angefangen, dass einige Lehrmeister neue Wege gingen. An für sich eine tolle Sache. Neue Wege bedeuten nicht immer etwas Schlechtes. Und ich bin immer offen für Neues. Allerdings müssen neue Wege für mich begründet sein, nachvollziehbar und auch Wirkung zeigen. Wenn solche neuen Lehrmeister ihre Wege aber sektenartig aufbauen. Ihr Publikum für sich einnehmen, und ihnen eine Gehirnwäsche verpassen, dann sage ich auch: Herr wirf Hirn oder Steine, aber triff!

Nun wir haben 2015, und die Gurus gibt es immer noch. Immer wieder verschwinden Alte, und Neue kommen aus ihren Löchern gekrochen. Das Publikum will bedient werden, denn mit Pferden zu arbeiten ist immer noch ein hartes Handwerk. Vor allem für einen selbst. Und bleiben die Erfolge aus, möchte man möglichst leichte und schnelle Lösungen.
Von Versprechen und frommen Sprüchen voller Tierliebe gespickt und gelockt, verfangen sich die jungen Reiter dann wie die Fliegen in den Klebefallen. Denn die Gurus »hust« ähm, Lehrmeister machen es geschickt: Tierliebe, freier Wille, Mitspracherecht, kein Zwang, keine Dominanz. Das sind Schlagwörter, die gerne benutzt werden. Denn schnell macht sich das schlechte Gewissen breit.
Nutzt man sein Pferd zu sehr aus? Stellt man es unter Dauerzwang? Man will ja schließlich einen Partner, einen Freund … Und schon ist man leichte Beute.
Nun für mich kann jeder reiten – oder auch nicht – wie er mag. Vorausgesetzt er schadet seinem Pferd dabei nicht. Ob die Person im Taucheranzug auf dem Pferd sitzt, oder im rosa Tutu neben dem Pferd seinen Namen tanzt, ist mir völlig gleich. Schwierig finde ich es aber wenn diese Meinungen als ultimative Wahrheiten so verbreitet werden das junge Menschen sie sich unbedacht zum Vorbild nehmen.
Von daher bitte ich alle: Nehmt ab und zu die rosa Brille ab! Seht Pferde als das was sie sind – nämlich Pferde. Herdentiere, die in der Herde glücklich sind und deren Bespaßung nicht vom Menschen abhängig sein sollte. Es sind Begleiter, die erzogen werden müssen, und sich auch unangenehmen Situationen stellen müssen, damit wir sie pflegen und gesund erhalten können. Denn es kann nicht sein, dass ich erst bei einem MateTee ausdiskutieren muss, ob Schatzilein eine Spritze will.
Wir lieben und umsorgen unsere Pferde, aber dazu gehören auch Regeln, denen sie sich beugen müssen. Nur so können wir für ihre Sicherheit und Gesundheit sorgen.

Von daher: Schmeißt die Haschkekse und die Lavalampe weg und kommt wieder in die Realität!

Als Ausklang für diesen Beitrag, das passende Lied von Phil Collins.

Alles liebe Celeste