Seelenpferd über den Tod hinaus

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.
Ich hoffe, ihr habt die grausigen Stürme und den ersten Schnee gut überlebt, und hoffe es geht euch und euren Pferden – und anderen Vierbeinern – gut.

Heute ist der erste Advent, und wir starten in die Vorweihnachtszeit. Das ist die wundervolle Zeit, in der man die Nase aus der Tür raus streckt und den Winter förmlich riechen kann. Vielleicht fällt auch die ein oder andere Schneeflocke und bleibt liegen. Überall machen sich nach und nach Lichterketten und Weihnachtsdekoration breit, und auch die ersten Plätzchen werden gebacken, und meist auch schon vernichtet.

Eigentlich liebe ich diese Zeit.
Ich liebe diese wundervollen Dekorationen. Oder, wenn man abends an geschmückten Häusern vorbei fährt und es überall leuchtet. Und ja ich gestehe, sogar die übermäßigen Dekorationen aus Amerika, samt den aufwendigen Weihnachtsmann Wunschsesseln in den Einkaufscentern finde ich toll.

So ist es nicht verwunderlich, dass es zu Weihnachten bei uns auch gewisse Traditionen gibt. Eine davon ist das Probeessen am ersten Advent. Dabei wird dann das eine oder andere Menü ausprobiert, das dann an einem der Weihnachtsfeiertage aufgetischt werden soll. Dabei ist es eigentlich nur eine Ausrede, um einen schönen Adventabend bei gutem Essen mit der Familie zu genießen.

Ebenso ist es Tradition, dass ich einen Tag vor dem ersten Advent am Stall die Weihnachtsdekoration aufhänge. Denn auch wenn mein Offenstall abgelegen liegt, so lieben es viele Spaziergänger, diesen zu besuchen. Denn sie lieben meine Weihnachtsdekoration. Immer wieder bekomme ich erzählt wie schön es die Pferde haben. Wie nett es sei, das auch die Pferde Weihnachten nicht vergessen werden, und eben, wie hübsch alles aussehe. Und damit ich am ersten Advent Zeit für die Essensvorbereitungen habe, wird der Stall eben immer einen Tag vorher geschmückt.

Zumindest bis vor 5 Jahren. Denn seitdem ist es nicht mehr das Gleiche.
Vor 5 Jahren verstarb am ersten Advent mein Seelenpferd.
Über 20 Jahre war sie an meiner Seite, wir kannten einander in und auswendig. Und wenn es doch nicht unerwartet war, so kam es dennoch plötzlich. Am Tag davor habe ich wie immer die Weihnachtsdekoration am Stall aufgehängt. Sie war an dem Tag bester Laune. Sie klaute mir die Tüten mit den Kugeln, zupfe an der Girlande und ist nicht von meiner Seite gewichen. Ich hätte niemals gedacht, was mich am nächsten Tag erwartet.

Ich darf mich nicht beschweren denn sie war friedlich eingeschlafen. Etwas das weder allen Menschen noch Tieren vergönnt ist. Und während sie da lag und ich auf ihre Abholung wartete, fielen die ersten lang ersehnten Schneeflocken auf sie nieder.
Der Schnee, der mich sonst glücklich machte, war wie ein letzter trauriger Gruß des Himmels. So wurde der Tag, an dem ich eigentlich glücklich in die Adventzeit starte, mit einem Mal mit einem Schleier belegt, den ich bis heute nicht ganz entfernen kann.

Ich kam mir undankbar und ungerecht vor, denn sie war nicht das erste Pferd, das ich gehen lassen musste. Und doch trauerte ich um sie mehr als um die Anderen. Auch wenn meine anderen Pferde wirklich innig liebe, so hatte dieses eine Pferd eben einen wirklich besonderen Platz in meinem Herzen. Ebenso besaß ich noch weitere Pferde, welche ebenso mit dem Verlust zu kämpfen hatten. So schleppte ich mich durch den Tag, nur um kurz darauf von meiner Schwiegermutter einen Satz zu hören, den ich bis heute nicht vergessen kann:
»Du bist aber gleich beim Essen dabei und benimmst dich, du kannst da nicht heulen, wir wollen ein schönes Essen.«
Ich war geschockt und verzweifelt. Ich wollte mir die Decke über den Kopf ziehen und einfach nur im Bett liegen und weinen. Aber Familie ist Familie und so hielt ich das Essen tapfer durch.  Ich machte Smalltalk und versuchte zu lächeln. Dabei wäre ich am liebsten nur nackt nach draußen in den Schnee gelaufen, nur damit die eisige Kälte meinen Schmerz überdecken könnte.
Und wieder darf ich mich nicht beschweren, denn genau jene Familie – auch das Schwiegermonster – erkannte schließlich das meine Fassade bröckelte. Allgemein kam man zu dem Schluss, das ich noch ein Pferd dazu bekomme. Am Anfang dachte ich, dass es keine gute Idee sei. Ein Pferd, kann doch nicht durch ein anderes ersetzt werde. Ebenso wollte ich nicht undankbar oder unfair meinen anderen Pferden gegenüber sein. Denn ich wollte nicht das jemand auf den Gedanken käme das diese nicht ausreichen.
Allerdings merkte ich ebenso, dass meine kleine Herde wirklich unglücklich war ohne ihre Leitstute, und willigte zu meinem Weihnachtsgeschenk ein. So gab es zu Weihnachten viele Umschläge, und im Januar zog ein neues Familienmitglied in den Stall ein.

Meine Pferde waren glücklich mit ihrer neuen Freundin.
Und ich? Ich war erst einmal beschäftigt. Mein kleines neues Panzerlein hielt mich arg beschäftigt, und sorgte ebenso dafür das alle Zäune aufgestockt werden mussten. Und irgendwann ertappte ich mich dabei, dass dieses kleine Pferdchen, was hinreißend und einnehmend war, mein Herz eroberte. Ersetzen kann sie mein Seelenpferd nicht, aber das muss sie auch nicht. Ich liebe sie so wie sie ist.

Dennoch, auch nach 5 Jahren, ist der erste Advent schwierig für mich.
Dieser Schleier des Trauerns liegt immer noch auf diesem Datum. Ich merke es schon Tage vorab, wie mich dieses Datum verunsichert. Also habe ich entgegen der Tradition schon jetzt die Weihnachtsdekoration aufgehängt.
Denn jede Kugel und jede Girlande erinnert mich an den Tag vor 5 Jahren, als sie mir diese spaßeshalber stibitzte. Ich habe sie wie immer aufgehängt, fest entschlossen dem Trauerschleier zu trotzen.
Für meine Pferde, die vielleicht nicht Weihnachten kennen, aber deren Stall hübsch ausschaun soll.
Für die Spaziergänger, die sich Jahr für Jahr darauf freuen.
Und für mich, die ich diesen Schleier vielleicht nicht ganz zerreißen kann, aber durch ihn hindurch schreiten, in dem Wissen das es weiter geht.
Weiter mit meinen wundervollen Pferden und wundervollen Menschen um mich herum.
Ich weiß, dass ich nicht alleine bin, denn wir alle müssen irgendwann ein geliebtes Tier gehen lassen.

Viele von euch mussten Ähnliches erleben. Ich muss euch nichts erzählen, ihr wisst genau, wie sich das anfühlt.
Dennoch wenn es mal wieder zu schlimm wird:

  • Es ist absolut o. k. zu weinen, soviel man will.
  • Es ist aber auch absolut ok zu lachen. Nur weil man trauert, muss man nicht auf Humor oder Galgenhumor verzichten.
  • Es ist absolut o. k., sich ein anderes Pferd zu kaufen. Es ist kein Ersatz, sondern ihr bietet einem neuen Freund einen Platz in eurem Herzen und ein gutes Zuhause.
  • Und wenn es zu schlimm wird, spricht nichts dagegen, seine Sorgen und Gefühle mit einem Psychologen zu besprechen.

Eine schöne Möglichkeit seinen verlorenen Freund bei sich zu tragen sind ebenso:

  • Wandbilder und Fotoalben
  • Eine Einäscherung und eine Urne, die man aufstellt
  • Ein Diamant oder Kristall, den man aus Asche oder Haaren fertigen lassen kann
  • Ein Armband / Kette / Ring aus seinen Haaren
  • Haare die in Plastikherzen eingeschmolzen werden
  • Trensen oder Anhänger, die aus Mähnen und Schweifhaar gehitcht wurde

Oder einfach der Platz in Gedanken und Herzen.

Für was auch immer ihr euch entscheiden werdet, macht das, was euch wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Das was euch das Gefühl verschafft, das euer Seelenpferd immer noch einen Teil bei euch gelassen hat.
Ich selber habe immer noch eine dicke Strähne aus der Mähne.
Bis heute kann ich sie nicht verarbeiten lassen. Aber irgendwann werde ich so weit sein. Bis dahin ist sie in meinem Herzen.

Also starten wir nun in die Weihnachtszeit, und ich bitte um Verzeihung das mein Beitrag nicht so humorbetont wie sonst ist. Ich wünsche euch, euren Pferden und anderen Vierbeinern das ihr alle gesund und munter bleibt. Dass es euch gut geht, dass ihr Spaß habt und glücklich seid.

Ich werde versuchen den ersten Advent gut über die Bühne zu bringen. Und sollte sich, wie jetzt beim Schreiben, ein Tränchen verirren, so ist das auch in Ordnung. Ich habe  viele Erinnerungen an mein Seelenpferd, das kann mir niemand nehmen.

Flauschige Grüße
Celeste

osch

 

2 Gedanken zu „Seelenpferd über den Tod hinaus

  1. Hi, schön geschrieben. Ich kann deine Gefühle nur zu gut verstehen. Heiligabend, am 24.12.2012 ist mein liebes Pony verstorben, morgens noch total fidel, abends, wir waren mitten im Weihnachtsgottesdienst, klingelt mein Handy, ich dachte noch „Warum ruft mich jemand mitten im Gottesdienst an“, und drückte weg. 10 Minuten später noch ein Anruf, ich raus aus der Kirche. Am anderen Ende war meine damalige Reitlehrerin. Callimero hatte beim toben auf der Weide einen Tritt in die Rippen bekommen.Ich bin sofort zum Stall gefahren, dachte: Tierarzt anrufen, evtl. Pony in die Klinik bringen, wird schon. Als ich ankam lag er auf der Weide, der Tierarzt bei ihm. Ich habe mich zu ihm gesetzt, Callis Blick war total treu, ich am weinen. Diagnose: Eine Rippe hat in die Lunge gestochen. Er würde vorraussichtlich innerhalb der nächsten Stunden qualvoll ersticken. Schweren Herzens musste ich mich am Weihnachtsabend dazu entschließen meinen treuen Freund gehen zu lassen.
    Ich habe heulend auf den Transporter gewartet, der ihn abholen sollte. Ich war völlig am Boden zerstört. Aber unsere Turnierzicke (deren Pferde übrigens NIE eine Weide von nahem sehen) musste erst wieder kommentieren, dass das Leben eines Pferdes gefährlich sei und ich ja selbst schuld sei, wenn ich mein Pferd auf die Weide stelle. In der Box würde sowas nie passieren…!

    Mir war schon relativ bewusst, dass ich ihn mit seinen 34 Jahren so oder so irgendwann hätte gehen lassen müssen, aber musste es auf dem Weg sein? Musste es am Heiligabend sein?

    Es ist nun fast 3 Jahre her, aber ich kann mich nicht mehr auf Weihnachten freuen…

     
  2. Ich kann dich so gut verstehen. Es sind zwar schon ein paar Jahre her, wo ich mein Seelenpferd gehen lassen musste, aber es tut immer noch weh. Ich hatte die Möglichkeit, mich von ihm zu verabschieden und bin auch sicher, dass der Zeitpunkt richtig war. Aber trotzdem. … ich habe Badewannen voll geheult und ich vermisse mein Schimmelchen. Er war eben mein Herzenspferd. Aber ich bin sicher, dass es ihm gut geht und wir uns wiedersehen. Auch wenn ich einen neuen süßen Pferdefreund habe, weiß ich: mein Schimmel wartet im Himmel auf mich

     

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