Reithengst: Fluch oder Segen?

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.
Ich hoffe, bei euch ist auch dieses wundervolle, sonnige Wetter, das so langsam die ersten Grashalme wachsen lässt? Meine Pferde erfreuen sich momentan täglich mehr und mehr auf der Anweide-Wiese und tun dies mit ausgiebigen Wälzaktionen, aber auch Wettrennen und Hüpfspielen kund.
Ich glaube, es ist für jeden Pferdehalter einfach ein wundervoller Anblick, wenn man sieht wie sehr sich die eigenen Pferde freuen. Und passend zu dem Wetter erwachen natürlich auch die Frühlingsgefühle, und mein Minihengst, mit zartem Größenwahn, umschwärmt seine großen Frauen. So legt er all seinen Charme auf, schmeißt seine kurzen Beinchen, stellt sich in Pose und quietscht wie ein abgestochenes Schwein.
Und wenn er dann all seine »Freude« im Schweif einer seiner Damen hinterlassen hat – höher kommt er ja nicht – dann sind er und seine Damen glücklich. Wie auch immer er es macht, er wickelt sie um den Huf. Charme hat er wohl für seine Damen, das muss man ihm lassen denn sie geiern ihm nach als sei er Tony Stark.

Und kommt dann die Frage, warum ich einen Hengst halte, dann verweise ich auf sein Alter, seine Körung und seine Abstammung und die früheren Zuchtschauen. Ebenso, dass er immer noch seinen Spaß hat, auch wenn es inzwischen »Safer Sex« ist.
Und hätte er diesen Spaß nicht, hätte ich ihn – egal ob gekört oder nicht – schon vor vielen, vielen Jahren kastrieren lassen. Denn ich bin einfach kein Freund davon, wenn man einen Hengst hält, ihn aber nicht seine Triebe ausleben lässt. Auch wenn Hengste sich selber durchaus die Palme wedeln können, so ist das einfach kein Ersatz für das Flirten, das zarte Anbandeln oder auch manchmal die ruppige Abfuhr, die ihn vor einem Liebensspiel erwartet. Ebenso können Hengste und Stuten mitunter sehr innige Beziehungen führen, obwohl er eigentlich eher auf einen Harem ausgelegt ist.
Von daher verstehe ich den Trend der Reithengste nicht wirklich.
Warum tut man sich das an? Und vor allen Dingen: Warum seinem Pferd?
Die wenigsten Ställe bieten eine vernünftige Haltung für Hengste an, denn ein Großteil der Kunden besitzen nun einmal Wallache und Stuten.
Hengste im gleichen Stall zu halten, ist oft mit Aufwand verbunden. Denn zu den Stuten sollen die Hengste natürlich nicht, da diese nicht gedeckt werden sollen. Zu den Wallachen oder in Hengstherden untereinander geht das auch nur bedingt. Denn auch wenn das oft und manchmal auch jahrelang gut geht, so kann sich das schnell ändern. Spätestens, wenn die plötzlich auserwählte Traumstute, mit rossig, betörenden Duft daher trabt, und ihm schöne Augen macht. Nicht selten kam es dann auch in ruhigen Jungsherden zu Kämpfen bis aufs Blut. Und manche endeten leider sogar mit dem Tod eines Herdenmitgliedes.
Wenige Stallbesitzer möchten so etwas riskieren, noch weniger die Pferdebesitzer. Und so kommt es leider wie so oft, dass der Reithengst dann in Einzelhaft steht.
Einzeln in der Box, aber eben auch auf einer separaten Weide. So dass man seine Pferdefreunde nur noch riechen und sich gerade mal die Palme wedeln kann, wenn eine rossige Stute vorbei kommt.
Dass einige Deckhengste leider auch so gehalten werden, ist traurig genug. Ich bevorzuge nur Züchter, deren Hengste in der Herde laufen. Aber als Privatperson mit einem reinen Reithengst kann man sich doch aussuchen, ob man das überhaupt will. Oder je nach Alter und Gesundheitszustand eine Kastration in Erwägung zieht.
Oder aber, ob man sich überhaupt erst einen Reithengst kaufen muss.

Genauso verhält es sich bei den Junghengsten.
Da wird so lange mit der Kastration gegeizt als ob die Besitzer das Geld lieber sparen, und in Schabracken investieren möchten.
Immer wieder hört man:

  • Der ist ja sooo lieb, der macht ja nix
  • Der hat noch Zeit, der soll sich erst auswachsen
  • Der will ja nicht decken, obwohl der noch mit 2 bei der Mutter steht
  • Ich kann den ja immer noch legen lassen, wenn der hengstig wird
  • Ich wollte den einmal decken lassen, denn der will ja Vater werden

Äh ja … und ich habe das Verlangen euch bei solchen Sätzen mal dezent mit dem Kopf Richtung Tischplatte zu schubsen. Immer und immer wieder.
Warum warten so viele, bis das Kind in den Brunnen gefallen und abgesoffen ist? Nur weil sich wegen der Hormone das Pferd etwas besser entwickeln könnte?
Warum wartet man bis Johnny seinen Schniedel entdeckt und einmal durch die Herde pimpert? Denn plötzlich ist das Geschrei groß, wenn er zum einen Prügeleien mit den anderen Jungs hat. Zum Anderen, wenn die Stutenbesitzer auf einmal mit Tierarztrechnungen für Trächtigkeitsuntersuchungen aufwarten. Und fängt er sich dabei noch die ein oder andere Geschlechtskrankheit, dann nutzt das Dr. Sommer Gespräch mit ihm auch nichts mehr. Der Junge hat dann das Pimpern für sich entdeckt und wird diesem Drang auch folgen wollen wie Teenagerjungs dem Youporn Channel. Da kann man dann nur noch hoffen, dass die Erziehung besser als 3-Wetter-Taft sitzt. Denn sonst könnte es leicht passieren, dass die gute Kinderstube bei einem Stutenwiehern vergessen wird, und der sonst immer artige Johnny im Eiltempo zur Dame seines Herzens marschiert. Mit seinem menschlichen Pferdemädel als unfreiwilliges Anhängsel im Schlepptau …
So mancher Zaun stellt dann auch kein Hindernis mehr dar und muss ausgetauscht oder aufgerüstet werden.
Nein, sinnvoll ist es doch die Jungs zu kastrieren, sobald die Eiersuche abgeschlossen ist. So erspart man sich, seinem Pferd, aber auch seinen Stallfreunden viel Ärger.

Und mal ehrlich, so Butter bei de Fische: Was zur Hölle findet ihr am Reithengst so schön?
Jede Stute und jeder Wallach kann sich ebenso wunderschön präsentieren. Der einzige Unterschied bei einem Hengst ist, wenn er sich von seinen Hormonen verleitet präsentiert.
Ok, und nun lasst das mal bitte sacken: Ihr findet es schön, wenn sich der Hengst von seinen Hormonen beschwingt präsentiert.
Das wäre bei den Menschen das Gleiche, als wenn ein Kerl stock-geil vor euch steht und sein bestes Stück im Takt zur Musik schwingt. Und damit meine ich jetzt keine Chippendales … 😉

Wenn bei meinem Hengst die Hormone in Wallung geraten dann lache ich ihn aus. Ich finde es putzig und lustig, wie dämlich er dann ist. Egal wie hübsch er sich präsentiert und in Pose schmeißt.
Denn für mich ist er dann einfach nur schwanzgesteuert, wie ebenso viele dumme Menschenmänner es oft sind. Für mich ist das kein Schönheitsideal, dem man hinter her geiern muss. In vielen Wallachen und Stuten steckt ebenso viel Feuer, Eleganz, Temperament, Energie und Schönheit, ohne dass sie sich mit dem Mythos Hengst rühmen können.
Deswegen würde ich auch niemals das Risiko eines reinen Reithengstes auf mich nehmen wollen. Denn auch wenn man momentan den perfekten Stall mit einer guten Hengsthaltung gefunden hat, so weiß man nie, was die Zukunft bringt.
Einen Umzug berufs- oder familienbedingt, ein Pensionsstall, der schließt, oder einen Verkauf, weil man selber krank wird. Man weiß nie, was noch kommt.
Während dann ein Zuchthengst mit guter Abstammung schneller ein gutes Heim findet, wird das mit dem Feld-Wald und Weide-Reithengst von Liesel Müller deutlich schwerer.
Und Pensionsställe mit guter Hengsthaltung sind leider nicht überall zu finden. So kann das kleine Anhängsel zwischen den Beinen Besitzer sowie auch Pferd das Leben ziemlich schwer machen. Und auch die Möglichkeit auf einen guten Platz verbauen.

Nein, mit Wallach oder Stute hat man es einfach leichter.
Und wer vor der Wahl eines Reithengstkaufes steht, sollte dies noch einmal gut überlegen!
Wer einen Junghengst hat, der sollte diesen zeitnah kastrieren lassen. Wartet nicht damit, sondern nehmt euch selber den unnötigen Stress – bevor etwas passiert!

Flauschige Grüße
Celeste

Hengst

 

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