Reiterin und trotzdem Frau

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe es ist euch gut ergangen und ihr, wie auch eure Pferde, genießt dieses sonnige Wochenende. Ich gestehe, ich liebe diese herbstlichen Tage, bevor das triste Winterwetter uns sicher noch erreichen wird. So stopfe ich hingebungsvoll jeden Tag meine Heunetze und unterhalte mich dabei mit Spaziergängern, die mich immer wieder am Stall besuchen. So kam es dann neulich zu einem Gespräch über Reiterinnen und ihre Eigenarten. Und mein männlicher Besucher sagte dann auf einmal sehr bestimmt: »Mir kommt nie wieder eine Reiterin ins Haus.«

O.k., diesen Spruch hat man sicher schon einmal von dem einen oder anderen Mann gehört und dann lächelnd mit einem Schulterzucken abgetan. Schließlich muss nicht jeder Mann eine Reiterin mögen, oder eine Supermutti, ein Modell oder Ähnliches. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, also dachte ich mir nicht viel dabei, bis er seine Aussage begründete:

  • »Die stank immer nach Pferd, immer!«
  • »Und wenn sie mal einen Termin hatte, kam sie in Stallsachen an.«

O.K., der hatte wohl ein Musterexemplar erwischt, dachte ich mir. Doch nach kurzer Überlegung kamen mir plötzlich Aussagen anderer Männer in den Sinn, die ich dann und wann einmal vernommen hatte:

  • »Und der Gaul hatte auch immer was, das war schweine teuer.«
  • »Und Zeit hatte sie auch nie, aber für das Pferd war immer Zeit da.«
  • »Jedes Wochenende war sie auf dem Turnier und ich durfte das Pferd halten.«
  • »Die Waschmaschine ist immer defekt, dank der Pferdehaare.«
  • »Stallstiefel kauft sie ohne Ende, aber mal High Heels tragen bekommt sie nicht hin.«
  • »Sie hat nie Zeit, weil sie immer im Stall ist.«

Ich denke, ihr habt sicher auch schon den einen oder anderen Vorwurf gehört, ob berechtigt oder nicht.

Ich hielt bei der Arbeit inne und wollte schon loswettern, dass nicht alle Reiterinnen so sind. Aber ganz ehrlich? Er hatte ja eigentlich in vielen Dingen Recht. Wir Reiterinnen verlangen unserem Umfeld oft unbewusst eine ganze Menge ab. Dinge die wir als völlig Normal betrachten können bei unserem Umfeld auf Unverständnis stoßen.
Ich schaue also an mir runter und betrachte meine Stallkleidung. Von den Markensachen aus den glänzenden Reitsport Katalogen ist das nun wirklich weit entfernt. Meine Hände haben kurze Fingernägel welche deutliche Spuren der täglichen Stallarbeit aufweisen. Meinen Kopf ziert meine Cappy, dazu baumeln links und rechts meine langen Haare in Zöpfen. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal meine langen Wuschellocken offen getragen? Diesen Sommer noch nicht. Oft war es einfach die Zopffrisur um Zeit zu sparen, denn nach dem Stall kann man fix duschen und die langen Haare wieder nass einflechten. Und geschminkt bin ich nur noch zu Terminen, warum sollte ich auch am Stall Make Up tragen? Und was nach dem Stall erledigt wird, das passiert dann auch in Stallkleidung und ungeschminkt.
Ein Blick zu meinem Auto lässt mich kurz erschaudern. Denn auch wenn ich immer wieder gerne Scherze darüber mache, dass man ›mit dem Inhalt eines Reiterautos in 5 Minuten eine Heuraufe bauen kann‹, so bin ich mir nach einem kurzen Blick in den Innenraum meines Autos sicher, das ich die Heuraufe ebenfalls befüllen könnte. Wann habe ich das letzte mal mein Auto gewaschen und gesaugt? Und irgendwie wird mir bewusst: Scheiße, er hat Recht.

Sicher sind nicht alle Reiterinnen so, aber hat ein Mann einmal eine Hardcore Pferdebesitzerin erlebt, dann ist das auf jeden Fall sehr prägend für die weitere Auswahl seiner zukünftigen Damen.
Dabei macht es einen grossen Unterschied, ob man nur eine Reitbeteiligung hat, ein eigenes Pferd oder gar Selbstversorger ist:

Meist klappte alles wunderbar mit Schule, Freund und Pferd wenn man noch ein Mädel war. Da übernahm  Mutti den Haushalt mit Kochen, Einkaufen, Putzen und Wäsche als rundum sorglos Paket. Die Schule nahm nicht ganz so viel Zeit in Anspruch wie ein Arbeitsplatz und wir konnten uns einfach unserem Hobby widmen. Oft besass man noch kein eigenes Pferd, sondern ein Pflegepferd, oder eine Reitbeteiligung und somit war auch die Verantwortung, wie auch die Sorgen rund um die Kosten beim Pferdebesitzer. Man konnte sich seine Zeit bei dem Pferd noch gut einteilen. Und blieb man länger, dann war es die eigene Entscheidung. Kam man heim, konnte man duschen, warf die Schmutz triefenden Klamotten in die Wäsche und wusste, die Heinzelmännchen würden sich darum kümmern, während man ein Styling auflegte und den Freund anrief.

Schwieriger wird es aber, wenn wir älter werden, eigene Pferde besitzen und aus dem Pensionseinsteller ein Selbstversorger wird. Dann hat man unweigerlich eine Entscheidung für das gesamte Leben, wie auch für sein Umfeld getroffen. Weil plötzlich ist man rund um die Uhr für sein Pferd verantwortlich. Dinge, die man früher dem Pferdebesitzer überlassen konnte, oder dem Stallbesitzer, muss man nun selber erledigen.

Und plötzlich sind sie da, die kleinen heimlichen Zeitfresser:

  • Das Pferd wird krank.
  • Hufschmied / Tierarzt / Heulieferant verspätet sich.
  • Der Zaun / Stall wurde vom Pferd oder Wildschwein zerstört.
  • Man muss fremde Kinder von der Weide jagen.
  • Verbringt Stunden mit dem Einkauf von Futtermitteln.
  • Verbringt Tage und Wochen damit Stall / Weiden und Zäune instand zu halten.
  • Man steht Anwohnern und Spaziergängern Rede und Antwort. (Warum zum Beispiel das arme Pferd eine Decke / Fressbremse usw. tragen muss.)

Kein Wunder also, das wir dann irgendwann vom gestylten Katalog Reitermädel, zum ungeschminkten Männer-Albtraum in Gummistiefeln mutieren. Weil die Zeit, die Verantwortung und die Arbeit rund ums Pferd, neben einem stressigen Job und Haushalt, sind schon ein Balanceakt.

Wohl denen, deren Männer das sang und klanglos ertragen. Mädels haltet sie fest und tragt sie auf Händen! Denn auch wenn wir es uns immer wünschen: Nein, es ist nicht normal, dass unsere Männer nur noch mit der Wimper zucken, wenn wir mal wieder Kuschelzeit absagen, weil unserem Pferd ein Furz quer sitzt.

Noch schöner ist es, wenn unsere Männer unser Hobby unterstützen. Wenn sie mit in den Stall kommen, vielleicht auch reiten, oder sich an der Stallarbeit beteiligen. Aber auch das ist nicht der Normalfall. Und wenn ihr ein solches Exemplar Daheim habt: Haltet es fest.

Gerade weil viele Männer unser Hobby nicht teilen, macht ihnen unsere Leidenschaft das Leben so schwer. Von daher kann man sich nur selber am Schopf packen und überlegen, wie man seinem Mann / Familie das Leben schöner gestalten kann:

  • Freie Tage durch eine Stallhilfe erleichtern das Leben ungemein.
  • Vorkochen und einfrieren leckerer Gerichte für Tage, an denen es schnell gehen muss. Nicht jeder Mann mag immer nur Tiefkühlpizza wenn das Essen wegen einem Notfall ausfällt.
  • Nicht nur praktische Unterwäsche und Kleidung kaufen, sondern auch mal etwas das dem Mann gefällt.
  • Im Stall/Auto Ersatzkleidung / Schuhe und Feuchttücher bereithalten, für Termine nach einem Stallnotfall.
  • Das Auto öfter saugen und waschen. Auch wenn man es als Stallauto dann gleich wieder versaut, ab und an zählt auch der gute Wille. Alternativ Säcke und Autodecken, welche das Auto wenigstens vor groben Verschmutzungen schützen.

Wenn ihr darüber nachdenkt, fällt euch sicher noch mehr ein wie ihr euer Familienleben bereichern könnt. Bei mir sind es noch selbst gebackene Kuchen, oder dann und wann ein frischer Hefezopf, mit denen ich das Herz meines Mannes erwärmen kann.

Zudem, man mag es kaum glauben, haben Reiterinnen trotz allem auch ihre Vorzüge:

  • Sie sind tierlieb.
  • Haben keine Angst, ein 600 kg Pferd in die Schranken zu weisen.
  • Können meist nicht nur gut Auto, sondern auch Anhänger fahren.
  • Stapeln problemlos im Auto den Monatseinkauf Lebensmittel, neben 3 Kindern und 5 Säcken Futter.
  • Können auch mal derbe Sprüche vertragen. (Wir hören sie oft genug als Reiterin.)
  • Haben oft genug Verständnis, wenn der Mann selber ein zeitintensives oder teures Hobby hat.
  • Haben keine Angst sich dreckig zu machen.
  • Haben keine Angst vor körperlicher Arbeit.
  • Sind nicht zimperlich. Wir fliegen vom Pferd und fragen trotz aller eigenen Schmerzen erst, ob mit dem Pferd alles o.k. ist.

Es gibt viele Gründe, warum eine Reiterin also doch nicht die schlechteste Wahl ist. Einzig, wenn wir unser Leben ganz nach den Pferden ausrichten, sollte unser Partner damit einverstanden sein. Denn entgegen des Partners, der sich im Notfall auch selber etwas zu Essen machen kann, sind wir für unsere Pferde immer in der Pflicht sie zu umsorgen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wundervollen Sonntag, ob mit eurem Liebsten, oder dem Pferd bleibt euch ganz allein überlassen.
Ich werde ihn nutzen und das Lieblingsgericht meines Mannes kochen, dazu einen schönen Hefezopf für später und zwischendurch werde ich natürlich noch meine Pferde bespaßen. Denn die richtige Balance ist das halbe Leben einer Reiterfrau. 😉

Flauschige Grüße
Celeste

reiterin-und-trotzdem-frau

 

2 Gedanken zu „Reiterin und trotzdem Frau

  1. Solche Sprüche habe ich auch schon gehört:

    Da sagt der ledige Landwirt, der eigentlich eine Frau sucht, aber es ist erst dringend, seitdem Mami es gesundheitlich nicht mehr schafft und er den Vorschlag bekommt, ob vielleicht eine Reiterin eher auf einen Hof geht:
    Frau mit Pferd, ist nichts wert.
    Dann soll er alleine bleiben, wenn er solche allgemeinen Vorurteile hat.

     

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