Offenstalltauglich? Ja, nein, doch, vielleicht?

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, euch ist es gut ergangen in der letzten Woche? Wer meine Facebook-Seite in der letzten Woche verfolgt hat, weiß, dass es bei mir mal wieder turbulent zugegangen ist. Denn nachdem Flecksie, mein Kanienchen, letzte Woche über die Regenbogenbrücke gehoppelt ist, konnte ihr Partner Flash ja nicht alleine bleiben. Und so kamen Penny und Mazikeen als neue Freundinnen dazu.
Da meine Kaninchen in freier Wohnungshaltung leben, ohne jegliches Gehege oder gar Käfig, war die letzte Woche doch sehr aufregend. So habe ich die Hoppels im Bett, an den Füßen beim Schreibtisch, oder ich drehe mich um und sie stehen bettelnd hinter mir.
Aber das ist genau das was ich will: Kaninchen, die sich komplett frei bewegen können. Hoppels die selber entscheiden dürfen wann sie fressen, wann sie schlafen, wann und mit wem sie kuscheln wollen, und wann sie mit einem Affenzahn Haken schlagend durch die Zimmer düsen. Auch wenn ich mir deswegen mein Bett mit ihnen und der Katze teilen muss, das ist mir diese etwas andere Offenstallhaltung wert.

Bei meinen Pferden halte ich es schließlich nicht anders, auch da lege ich auf die Offenstallhaltung sehr viel wert. Soviel das ich die Selbstversorgung, inklusive täglichen Wasser Schleppens, auf mich nehme, um ihnen dieses kleine Paradies anbieten zu können. Daher runzle ich unweigerlich die Stirn, wenn ich wieder höre- und lese ›mein Pferd ist nicht Offenstall tauglich‹. Denn schlüsseln wir doch einmal auf, was genau bedeutet eine Offenstallhaltung eigentlich:

Ein Offenstall bietet gegenüber einem Lauf oder Boxenstall mit Auslauf dem Pferd die alleinige Möglichkeit zu entscheiden, ob es den Stall oder den Auslauf aufsuchen möchte. Dabei ist es völlig egal, wie der Stall aufgebaut ist, wie die Herde zusammengestellt wird, wo und wie gefüttert wird usw.
Offenstall bedeutet einzig, dass dem Pferd die Entscheidung über die Wahl seinen Auslauf/Stall aufzusuchen überlassen wird, statt es ihm als Besitzer vorzugeben. 

Warum werden dann so viele Pferde als ›nicht offenstalltauglich‹ abgestempelt, wenn der Unterschied einzig in der alleinigen Wahl des Pferdes statt des Menschen liegt?
Nun, viele dieser Pferdebesitzer haben leider schon negative Erfahrungen mit schlecht geführten Offenställen machen müssen. Denn ein gut geplanter Offenstall ist noch seltener als ein gut organisierter Boxenstall.
Während die Pferde in den abgetrennten Boxen wenigstens stundenweise ihre Ruhe vor pöbelnden Herdenmitgliedern haben, so sind sie diesen in einem Offenstall schutzlos ausgeliefert.
Ein guter Offenstall muss also wesentlich mehr Platz bieten als ein Boxenstall pro Pferdenase! Weil hier müssen sich die Pferde nicht nur im Stall ausweichen können, sondern auch gefahrlos ablegen und schlafen. Und das platzmäßig bitte alle gleichzeitig!

Ebenso gibt es bei der Fütterung einiges zu beachten. Während ein Pferd in der Box gefahrlos fressen kann, muss es im Offenstall sein Futter mitunter mit den anderen Herdenmitgliedern teilen. Stehen also nicht ausreichend Fressplätze für alle Pferde zur Verfügung, wird immer mal wieder ein Pferd zu kurz kommen.

Ähnlich ist es mit dem Wohnambiente des Offenstalles, so sind mehrere Ein-/Ausgänge kein Zierrat, sondern dienen einem gefahrlosen ausweichen der Herde untereinander. Denn im Boxenstall führen wir das Pferd in oder aus der Box, und sorgen dafür das die Herdenmitglieder dies nicht verhindern können. Im Offenstall reicht ein kackbratziges Pferd vor einem Eingang um diesen zu verschliessen, gut wenn es dann mehrere Ein-/Ausgänge gibt.

Ihr seht also, dass es mitunter nicht unbedingt daran liegt, dass euer Pferd nicht ›Offenstall untauglich‹ ist, als dass der Offenstall nicht für euer Pferd geeignet ist. Wenn der Stall nicht genug Platz bietet, die Futterstellen nicht ausreichend sind, oder die Herde eine Kackbratze beherbergt, dann kann das schon das Scheitern des Projektes Offenstall bedeuten.
Aber das liegt dann wirklich nicht an eurem Pferd sondern ausschliesslich am Stall. Es kann also gut sein, das sich euer Pferd in einem anderes geführten Offenstall pudelwohl fühlen würde.

Aber machen wir uns nichts vor, es ist schon schwer genug überhaupt einen passenden Pensionsplatz zu finden, welcher den Ansprüchen unseres Pferdes genügt. Einen für das Pferd passenden Offenstall zu finden ist  noch viel schwerer. Einfach weil er wie oben erwähnt noch extra Ansprüchen gerecht werden muss, entgegen der Boxen- /Auslauf-Haltung, damit alle Pferde harmonisch miteinander leben können.

Allerdings gibt es dennoch Pferde, die ›zu blöd‹ für den Offenstall sind. Das liegt oftmals daran das sie mit der plötzlichen Entscheidungsfreiheit überfordert sind. Plötzlich selber bestimmen wann man raus möchte, fressen oder schlafe will, kann für manche Pferde in Stress ausarten.
Das ist wie der Teenager, welcher das erste mal allein Daheim bleiben darf, die erste eigene Wohnung oder das erste mal alleine leben ohne Partner und Familie, welche sonst den Tagesablauf bestimmt haben. Während die einen die Entscheidungsfreiheit geniessen und sofort ausleben, tasten sich andere erst stückweise an die neue Welt heran. Hier hilft eine ruhige Eingliederungszeit und Geduld, ebenso für die nasskalten Jahreszeiten eine Decke zum Schutz gegen die Witterung.
So kann man auch den Dumpfbacken unter den Pferden die Eingewöhnung in den Offenstall erleichtern.
Auch hilfreich ist das Einzeloffenstall Prinzip für die Eingliederung. Wie das vonstatten geht erfahrt ihr in meinem Blogbeitrag zu diesem Thema: Das Einzel-Offenstall-Prinzip.

Ebenso gibt es sehr oft die Ausrede: »Mein Pferd will aber lieber in den Stall.«
Ich weiss nicht, ob es euch schon in den Sinn gekommen ist, aber Ziel des Offenstalles ist ja nicht nur das die Pferde jederzeit raus können. Diese Haltungsart beinhaltet ebenso, dass die Pferde jederzeit wieder in den Stall hinein können, wenn sie wollen. Gerade für die Couch Potatos unter den Pferden ist dies enorm wichtig. Pferde die gerne im Stall sind und dort Ruhe und Schutz finden kommen mit dem Offenstall viel leichter zurecht als mit einer Boxenhaltung und deren vom Menschen  eingeteilten Auslaufzeiten.
Von daher, nein, diese Ausrede zieht also auch nicht. 😉

Hütet euch also mit der Aussage ›mein Pferd ist nicht Offenstalltauglich‹, denn die richtige Aussage wäre entweder ›dieser  Offenstall war nicht für mein Pferd geeignet‹ oder aber ›mein Pferd war mit der Enscheidungsfreiheit überfordert‹.
Nahezu jedes Pferd ist für den Offenstall geeignet, wenn er vernünftig geführt wird und die Rahmenbedingungen stimmen. Dass diese gut geführten Pensions-Offenställe sehr selten sind, das steht außer Frage, dennoch lohnt sich die Suche nach ihnen.
Denn dieser kleine Unterschied der Entscheidungsfreiheit, welche man dem Pferd gibt, sorgt oftmals für mehr Bewegung, aber auch Ruhe und Ausgeglichenheit und somit auch für eine bessere Gesundheit.

Ich kann euch nur raten gebt die Suche nach dem perfekten Offenstall nicht auf, denn die Freiheit die ihr damit eurem Pferd schenkt, wird es euch dankend zurückgeben.

Flauschige Grüße
Celeste

 

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