Mary Poppins oder Pferdebesitzer?

Hallo meine Flauschehasen, schon wieder ist eine Woche vergangen und mein Wochenendbeitrag flackert über euren Bildschirmen. Nun es gibt eben gewisse Dinge, die wiederholen sich stetig. So zum Beispiel auch meine Begrüßung, welche immer gleich bleibt. Und auch wenn sie vielleicht nicht jeder mag, so ist sie doch ein fester Bestandteil meiner Beiträge, welche schon einen festen Platz in euren Köpfen haben.
Gut, ich denke, es gibt schlimmere Sachen, welche sich in den Gedankengängen festsetzen können, Ohrwürmer zum Beispiel. Ihr kennt sie sicher alle, Werbeslogans á la ›Es rappelt im Karton ton ton‹.
Okay, summt ihr es auch gerade?
Auch da gibt es Ohrwürmer, die wirklich lustig sind. Während andere wirklich extrem nervig sind. So ist es auch mit bestimmten Sätzen, die mich gerne mal verfolgen, die ich aber ebenso wenig mag wie eine Zahnwurzelbehandlung ohne Narkose. Einer davon ist: »Mein Kind kann ruhig an die Pferde -DAS KENNT SICH AUS.«
Na schaudert es euch auch schon? Ich wette auch euch ist dieser Satz schon begegnet.

Da kommt man nichtsahnend zum Stall, die beste Freundin dabei und möchte nur eines: Mit selbiger Freundin die Pferde versorgen und dabei den neusten Klatsch und Tratsch, oder die neusten Hiobsbotschaften austauschen. Und dann stehen sie schon wartend am Zaun. Mit Kindern und Kinderwagen im Schlepptau, und springen einen förmlich an.
Mit einem unguten Gefühl steige ich also aus dem Auto und ein Rumoren macht sich schon in der Magengegend breit. Nicht das ich etwas gegen Besucher habe, antworte ich gerne auf alle Fragen und mache den Erklärbär. Aber es gibt eben manchmal doch Tage, da möchte ich einfach meine Ruhe. Und schon muss ich Rede und Antwort stehen, ob ich möchte oder nicht. Denn man habe ja schließlich die Schilder gelesen. Gut, an meinem Zaun ist nicht nur das praktische »Füttern verboten«-Schild, mit Erklärungstext. Nein, für jene, denen man auch diese Schilder am besten noch vortanzen – und singen – sollte, habe ich gleich noch diesen Text an den Zaun gehängt.

Ja, warum das denn da hängen würde, kam auch gleich die Frage. Und ich kam mir da ein wenig vor, als frage man den bösen Wolf, warum er so große Augen habe.
Ich meine, warum hängt das da wohl?
Damit man es liest und weder füttert noch die Pferde anlockt?
Zur allgemeinen Belustigung?
Oder stehen darauf die neuesten Lottozahlen?

Gut, meine Antwort darauf war etwas unwirsch, denn ich sagte höflich aber eben sehr direkt: »Weil die Leute einfach nicht ihre Finger von den Pferden lassen können«. Gefolgt von einer Erklärung meiner Freundin, was schon alles passiert sei durch fremde Fütterung oder das man die Pferde nicht anlocken soll usw.
Anscheinend war das wie auch mein direkter Gang in den Stall samt sofortigen verschließen der Tore nicht deutlich genug. Auch nicht mein dezenter Hinweis mit dem ganzen Zaun, statt dem Zaunpfahl, dass wir nun erst einmal in Ruhe meine Pferde versorgen und füttern möchte, wurde gänzlich ignoriert.
Denn meine Freundin, welche nicht schnell genug zu mir flüchten konnte, wurde dann sofort gelöchert.
Ob es ihre Pferde seien, was sie verneinte und auf mich verwies und das sie nur Gast sei. (O.k., sie spielt ihre eigene Rolle immer wieder runter, dabei hat sie alle Handlungsfreiheiten.)
Ob das Kind denn nun mit rein könne auf den hinteren Paddock, sie will das Pony mal streicheln. Wieder einmal verwies meine Freundin auf mich, dass nur ich das entscheiden könne. Und bevor sie zu mir kommen konnte, hörte ich ihn, den Satz des Grauens:
»Das Mädchen kenne sich ja schließlich aus.«
Schön das es sich auskennt. Schön das es Reitstunden hatte. Aber bin ich nun deswegen in der Pflicht das Kind mit rein zu nehmen?
Und zu was qualifiziert ein ›das kennt sich aus‹ denn bitte? Das man nach 2 Reitstunden einfach überall zu fremden Pferden rein darf? Das dieses achso gut geschulte Kind nun überall dran rum tatschen darf. Egal ob es die Pferde kennt oder nicht?
Ich habe doch für meine Verhältnisse sehr unwirsch klar gemacht, dass ich es nicht gerne habe, wenn die Leute an den Pferden rum tatschen. Ich habe auf den Schildern (welche sie angeblich gelesen haben) extra stehen das ich nicht möchte das gestreichelt wird. Aber weil die kleine Prinzessin sich ja auskennt, soll ich sie mit rein nehmen? Damit sie auch an die Pferde  auf dem hinteren Paddock kommt? Jene welche  wegen dem Zwischenpaddock ausser Reichweite ihrer Hände sind?
Davon mal abgesehen, dass es für mich schon fast impliziert, dass sie ihre Finger nicht von den vorderen Pferden lassen konnten. Nein, ich soll ein fremdes Kind in meinen Stallbereich mit reinnehmen. Durch die anderen Pferde hindurch, damit es zu den hinteren Pferden kann.
Gut, meine Pferde sind brav und da könnte auch ein Kleinkind frei rum laufen. Aber weiß eine fremde Mutter das? Und auch wenn meine Bande überaus gesittet und Kinderlieb ist, so können auch sie sich mal erschrecken. Und mag es der übermotivierten Eislaufmutti ja nicht in den Sinn kommen, aber nur weil ihre Tochter ›sich ja auskennt‹ so sind wir hier nicht im neusten Ostwind- oder Wendy-Film.

Ja, ich höre schon die Fraktion der Helikoptermütter aufschreien: »Böse Celeste, wie kannst du nur …«

  • Das arme Kind wollte doch nur streicheln
  • Wir waren doch alle mal so.
  • Dafür muss man Verständnis haben.
  • Wenn sie sich doch auskennt, passiert ja nichts.
  • Wir haben alle so angefangen.
  • Die 5 Minuten kann man sich doch nehmen.
  • Man muss dem Kind doch eine Chance geben.
  • Vielleicht ist ja auch nur die Mutter scheiße, da kann das Kind nichts für.

Meine lieben Freunde, sorry, aber ihr könnt mich mal muscheln.
Es gibt Tage, da möchte ich nicht nur meine Ruhe, da brauche ich meine Ruhe. Mein Leben ist anstrengend, oft über alle Massen. Ich versuche sogar meinem Umfeld immer wieder zu gefallen, selber nicht aufzufallen, und allen das Leben zu erleichtern. Ich bin nett, höflich, hilfsbereit, und einem Großteil der Menschen fällt nicht mal auf, dass ich Autist bin, da ich selbst meine Ticks und Zwangshandlungen minimiere, soweit es geht.
Aber es gibt Tage, da möchte ich keine Menschen sehen. Da möchte ich mit niemandem reden und schon dreimal nicht in die Situation kommen, dass man mich unbewusst berührt oder ich jemanden anfassen muss. Da möchte ich mich nur mit Personen umgeben, die mich kennen und bei denen ich sein darf, wie ich bin. Personen, die mich und meine Pferde kenne und auf die ich nicht achten muss. Jene, welche sich alleine im Stall bewegen können und dürfen, eben weil sie mit meinen Pferden und meine Arbeitsmethoden vertraut sind. In diesem Fall war das meine Freundin, welche dabei war und der ich blind vertraue. Aber ein fremdes Kind, das ist eine ganz andere Baustelle, denn ich bin ein verantwortungsvoller Pferdebesitzer. Ich achte dann auf das Kind an meiner Seite, denn ich möchte das ihm nichts Dummes widerfährt. Denn auch wenn ›es sich ja auskennt‹ weiss ich ja nicht, ob der Erfahrungsschatz über 3x Nase kraulen und Kirmesreiten hinausgeht. Dazu kommt, dass ich schon live erlebt habe, das selbst 3 Jahre Reitschule keinen erfahrenen Pferdebesitzer aus einem gemacht haben. Weder auf noch neben dem Sattel.
Von daher muss ich ganz klar sagen, dass ich in der Aufsichtspflicht bin, wenn ich ein fremdes Kind oder allgemein eine fremde Person mit rein zu meinen Pferden nehme. Und dann muss ich dafür sorgen, dass weder das Kind noch die Pferde durch eine unachtsame Aktion zu Schaden kommen.
Und dazu muss ich:

  • Zeit haben
  • Geduld (man weiß nie, was es für eine Kackbratze ist und ob sie sich an Regeln hält)
  • Lust haben den Erklärbär zu mimen.
  • Erklären, das ich keine Reitstunden gebe und kein Ponyhof bin zur dauerhaften Bespaßung.

Und ja, ich muss das dann sehr deutlich machen, das solche Aktionen ein Einzelfall sind. Und das Kind nicht bei jedem Besuch dann automatisch wieder Gast ist, oder sich gar alleine zu den Pferden auf in den Stall machen darf. Denn oft genug hörte ich nach solchen Einzelfällen das ›die Kleine ja nun dann öfters auch alleine vorbeikommen könne, denn … – wer ahnt es – … sie kenne sich ja jetzt auch hier aus.‹
Das sind dann Momente, in denen ich laut schreien möchte.

Von meinen persönlichen Befindlichkeiten einmal abgesehen, kommen die Mütter nicht darauf, dass man auch ab und an seine Ruhe haben möchte?  Das es nicht der Wunsch eines jeden Pferdebesitzers ist die Brut der Supermutti zu hüten? Zu jeder Zeit? Oft auch noch ungefragt? Schließlich haben alle Pferdebesitzer neben ihren Pferden auch noch ein normales Leben, mit Familie, Job, Haushalt und deren Freuden wie auch Nöten und Sorgen. Und nicht selten nutzen wir doch die Zeit bei unseren Pferden, um ab und an mal die eigene Nase am Pferdehals zu vergraben, damit wenigstens für einen Moment, Stress und Sorgen vergessen sind.

Und da möchten die wenigsten ihre oft schon knapp bemessene Zeit opfern, um den Kinderhort für ein fremdes Kind zu mimen. Denn auch das hatte ich schon. Eltern, die dann meinten ›du bleibst nun bei der Tante und wir gehen ins Dorf. Die hat ja eh bei den Pferden zu tun, dann kannst du auch da bleiben, bis wir dich in ein paar Stunden wieder holen.‹
Was zur Hölle denken sich solche Eltern eigentlich?
Im oben genannten Fall hatte die Dame zwar meiner Freundin mitgeteilt, das ihr Sprössling nun auch an die hinteren Pferde möchte. Aber den Verweis mich selber zu fragen nahm man nicht an. Verzeihung, dass nicht gleich der rote Teppich ausgerollt wurde und das Kind auf Rosenblättern zu den hinteren Pferden geleitet wurde.  Nein, ich habe tatsächlich erst einmal in Ruhe, wie angekündigt, meine Pferde versorgt und die abendliche Fütterung gestaltet. Ich habe Luft geholt und mit meiner Freundin währenddessen geplauscht. Es dauerte keine 5 Minuten dann zog die Dame samt Kindern schmollend wieder ab. Gefragt hat sie mich nicht mehr ob das Kind rein darf. Gut, ich gestehe, ich hätte sicher nicht nein gesagt, dem Kind zuliebe. Dennoch wäre es mir unpassend und unangenehm gewesen. Denn an diesem Tag brauchte ich einfach Ruhe und Pferde und keine Kinderbespaßung.

Falls die Übermutterfraktion nun wieder tadelnd das Haupt schüttelt, Holz für den Scheiterhaufen findet ihr zu eurer Linken, rechts die falschen Bärte für die Steinigung.
Otternasen, Ozelotmilch und Wolfzitzenchips, finden sich im Bauchladen der Verkäufer.
Denn mag man mich nun verurteilen, weil ich nicht immer wie Mary Poppins bin und die Kinder tanzend und mit einem Lied auf den Lippen bespaße, so sage ich doch wirklich , wirklich selten nein.
Meist kommt nur dann ein ›Nein‹ über meine Lippen, wenn ich gerade auf dem Sprung und in Zeitdruck bin, und nur schnell meine Bande versorgen möchte. Sollten diese Ausnahmen dennoch zuviel sein und die Wünsche nach der Kreuzigung meinerseits in euch hervor rufen (ich erinnere mich an einen ähnlichen Blogbeitrag, bei dem es viele böse Leserstimmen der Helikoptermütter gab), so sage ich es einmal deutlich mit dem Buchtitel meiner Oompa Loompa:
»Liebe Supermami, du kannst mich mal!«

In diesem Sinne flauschige Grüße
Celeste

 

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