Fotoshootings und andere Sünden

Hallo meine Flauschepuffel, da bin ich wieder.

Ist es auch so schön sonnig bei euch? Oder haben euch Regen und Gewitter im Griff?
Das Wetter bei uns ist herrlich, einzig die ersten Bremsen nerven die Pferde und mich schon gewaltig. Ich habe schon wieder einige erschlagen – die Bremsen, nicht die Pferde.
Bei diesem Wetter genießen die Pferde eine schöne Dusche und wir Menschen das wohl verdiente Eis danach. (Ja ihr merkt es sicher schon, ich bin etwas eissüchtig. 🙂 )
Und wenn wir dann bei einem Ausritt unseren Blick schweifen lassen, sehen wir die wundervollen Felder. Was mich immer wieder besonders begeistert sind die Mohnblüten, welche die Kornfelder erobern. So kommen dann unweigerlich die Gedanken zu Bildern, die man unbedingt machen sollte. Und damit es perfekt wird, soll es ein richtiges Shooting werden.
Und während die Gedanken schon kreisen steht man schon direkt davor: Das perfekte Feld mit wiegenden Kornären. Dazwischen wundervolle Mohnblüten als Farbkleckse.
Das dieses Feld einem fremden Bauern gehört ignoriert man gekonnt, ebenso das es Lebensmittel sind, die dort wachsen. Schließlich macht man doch nicht viel kaputt, wenn man sich in die Fahrrinnen stellt. Zumindest glauben das anscheinend einige verstrahlte Personen, deren 1000-Watt-Lächeln auf einigen Bildern Fukushima Konkurrenz macht …
Im Geiste geht man dann seinen Kleiderschrank durch, und beschließt auf die Schnelle noch ein günstiges China Import Kleidchen zu bestellen, denn das Outfit muss perfekt sein. Passend zum Minikleid werden Ballerinas gewählt, das Halfter wie auch ein Haarreif mit Blüten verziert, und die beste Freundin fürs Make-up bestellt.
Während man früher mit einer Kleinbildkamera, oder bestenfalls einer Spiegelreflexkamera, 10 Filme verbrauchte, um 3 anständige Bilder zu bekommen, samt Film und Entwicklungskosten locker 100-150 € auf den Tisch legen musste, hat man es heute wesentlich einfacher. Heute hat nahezu jeder eine Digitalkamera. Sei es im Handy oder als digitale Spiegelreflex.
So ist auch das Fotografieren einfach wie nie!
Das Foto ist scheiße? Der Gesichtsausdruck blöd? Der Finger vor der Linse? Das »Model« verschluckte gerade eine Fliege? Es besteht die Gefahr, dass das Objektiv schaden nimmt und man will noch schnell eine Papiertüte mit Sehschlitzen über den Kopf ziehen um Schlimmeres zu verhindern?
Kein Problem!
Denn bei den digitalen Kameras kann jedes noch so schlechte Bild gelöscht werden. Und alle Bilder, die einigermaßen akzeptabel sind, werden im Rudel abgespeichert. Ein Hoch auf die Speicherkarten, die unzählige Bilder aufnehmen können.
Ja, ich liebe diese Technik, das gebe ich gerne zu und nutze sie für private Zwecke. Dummerweise fühlen sich aber inzwischen sehr viele Hobbyfotografen dazu berufen daraus Geld zu schlagen. Immer wieder sieht man sie in den Gruppen oder auf kleinen putzigen Facebook-Seiten ihre Dienste anbieten.
Denn viel tun muss man ja nicht mehr, es reicht genug Geld für eine Kamera auf den Tisch zu legen, und in der Automatik-Funktion das Knöpfchen zu drücken. Dazu schmeißt man sich als Fotograf dann bei den Shootings so richtig ins Zeug. Gibt Anweisungen, positioniert Pferd und Reiter, legt einen irren Blick auf, schmeißt sich auf den Boden oder auf die Leiter, und glaubt man sei der neue Kristian Schuller.
Und wenn das nicht hilft, schmeißt man mit Seifenblasen oder Holi Pulver um sich.

Hinterher bekommen die Bilder den »Feinschliff« – zumindest glauben das anscheinend die Hobby-Fotografen. Denn statt die Bilder zu verbessern, werden sie dann mit Effekten wie »Hintergrund schwarz machen« bearbeitet. Denn das Ross soll nobel, edel und teuer ausschaun, und das Bild ebenso.

Aber mal Hand aufs Herz:
Liebe Hobby Fotografen, bitte erkennt, dass ihr nicht der neue Kristian Schuller seid!
Ihr habt zumeist weder die richtige Ausrüstung, noch das Fachwissen oder das Können, um solche Bilder formvollendet zu gestalten. Es gehört einfach so viel mehr dazu, dass aus einem einfachen Foto ein einzigartiges Unikat wird. Seht eure Bilder bitte als das was sie sind: Ein nettes, kleines Hobby.
Aber Shootings überlasst bitte den Profis!

Ja ich weiß, ein gutes Shooting ist nicht billig. Aber das ist die Zeit, die Ausrüstung und die Arbeit eines guten Fotografen auch nicht. Dieser schafft es aber die Pferde gekonnt in Szene zu setzen, ohne hinterher den Hintergrund per Bildbearbeitungsprogramm zu schwärzen. Oder schlimmstenfalls mittels Filzstift schwarz zu malen. Ein guter Fotograf wird euch darauf hinweisen, das keine zu kurzen Kleidchen Marke »Fick mich« getragen werden. Ebenso werden Shootings ohne Zaum nur in umzäunten Arealen stattfinden. Zumindest wenn der Fotograf gut ist und Verantwortungsgefühl besitzt.
Also nehmt bitte ein paar Euro in die Hand und investiert sie in ein richtiges Shooting. Der Unterschied ist bemerkenswert und man hat auch Jahre später deutlich mehr Freude daran, wenn man das Ergebnis sieht. Natürlich kosten diese Shootings viel Geld. Kein Profi verschenkt seine Zeit. Aber überlegt mal, wie viel Geld ihr in eure Ausrüstung steckt, da ist das Shooting schon gar nicht mehr so teuer.
Außerdem hat man diese Bilder ein Leben lang. Und wer weiß, ob diese Bilder in ein paar Jahren nicht das Einzige sind, was einem geblieben ist. Und wenn man dann ein wirklich einzigartiges und hochwertiges Bild als Erinnerung hat, statt vieler Hobbybilder, das man noch seinen Enkeln voller Stolz zeigen kann, ist das schon etwas Besonderes.

Ihr wollt doch für euer Geld keine Massenware, sondern besondere einzigartige Bilder. Und die liefert euch nur der Profi, mit seiner Ausrüstung, seinem Fachwissen, seiner Erfahrung und seinen Ideen.

In diesem Sinne den Hobbyfotografen viel Spass, aber überlasst das Geld abnehmen bitte den Profis, denn diese bieten auch die richtige Leistung dafür.

Flauschige Grüsse
Celeste
mohn

 

 

 

4 Gedanken zu „Fotoshootings und andere Sünden

  1. Nicht jeder Hobbyfotograf hat es NICHT drauf. Es gibt auch welche, die tatsächlich Talent haben. Jeder große Fotograf fängt mal klein an – und nicht bei 100€ fürs Shooting.

     
  2. Also ich bin auch mehr oder minder Hobbyfotografin ich bezeichne mich zwar selber so aber viele vor der Linse sagen, dass das was ich da fabrizier richtig gut aussieht. Ohne Photoshop!!! (Natürlich wird da der ein oder andere Pickel und Punkt Weg gemacht und ab und zu mal weichzeichner oder Tiefenschärfe rein gebracht wenn das nicht so wie so schon vorhanden ist) Und ich nehme nix für ein „Shooting“ weil ich Erfahrungen sammeln will… Ich bekomme meistens trotzdem was zu gesteckt aber ich mache das gerne und wurde auch schon mal gefragt ob ich ne konfi Fotografieren will und obwohl ich das nicht wirklich professionell mache habe ich meiner Meinung nach ne sehr gute Ausrüstung (Pentax k-3 und einige verschiedene pentax, Sigma und Tamron Objektive und Stativ, einbein ect) nur um mal ein paar Hobbyfotografen zu verteidigen die nicht grade was für ein shooting nehmen… So wie ich….
    Ist nichts gegen dich aber ich wollte es halt mal gesagt haben 😀

     
  3. Danke! Endlich mal jemand der Tacheles redet. Natürlich gibt es auch gute Hobbyfotografen, aber wer sich so nennt betreibt ein Hobby. Dafür nimmt man kein Geld etc. Der Profi muss davon leben und hat zig Ausgaben wie Steuern, Krankenkasse, etc. Zudem muss sich ein guter (ja ich nehme mir heraus zu sagen es gibt leider auch schlechte) Profi stets weiterbilden usw. Ein Profi ist niemand, der für 30 Euro 100 Bilder mit gibt. Bei vielen Bildern muss ich nur mit dem Kopf schütteln. Leider auch manchmal bei teuer bezahlten. Teuer ist nicht gleich gut, aber einen gewissen Preis sollte man einfach zahlen. Alleine weil da Menschen von Leben müssen und um den Markt zu schützen. Man muss sich halt mal selber on die Lage versetzen… Beispiel Bäcker… Auf einmal macht neben meiner Bäckerei ein kleiner laden auf und bietet Brötchen für 5 Cent an. Der neue Ladenbesitzer ist kein Bäcker und hat es nie gelern und ist eigentlich Tischler, hat aber von seinen Eltern einen Ofen bekommen und will sich jetzt noch sein Gehalt mit einem Taschengeld aufbessern. Er hat keine oder wenig Ahnung vom backen… Klar werden einige Kunden dann sagen gehen wir lieber zum „teuren“ Bäcker, aber einige halt nicht und selbst diese paar können dazu führen dass euer laden schließen muss. Würdet ihr nicht wollen oder? Klar kann man sagen dass sich Qualität durchsetzt. Ne leider eben nich. Kenne viele Fotografen die richtig tolle Bilder machen und richtig ackern und trotzdem hat z. B. eine Seite mit wirklich schlechten Bildern mehr Limes und Interaktionen. Dirse Geiz-ist-geil-Mentalität ist furchtbar.

     
  4. Ich kann diese Halsring-Flatterkleidchen-Blumenwiesenfotos einfach nicht mehr sehen, allein deshalb spricht mir der Artikel aus der Seele!

    Ein richtiger Fotograf hätte vielleicht auch mal eine originellere Idee, oder wüsste sogar, wie man Pferd und Reiter in ganz normaler Reitkleidung und Ausrüstung wunderschön in Szene setzt.

    Trotzdem stelle ich mich den Hobbyfotografen im Freundenkreis gern zur Verfügung, wenn sie üben möchten. Aber nur nach dem „Time for Print“-Prinzip. Mit etwas Glück werden aus ihnen dann GUTE Hobbyfotografen.

     

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