Eine Sache der Sichtweise

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, es ist euch – und euren 4-Beinern – seit meinem letzten Beitrag gut ergangen? Ihr seid heil, sicher und gesund durch die Woche gekommen? Denn wenn man durch das Internet zappt, ist das anscheinend nicht mehr der Normalfall. Man wird momentan nach meinem Gefühl förmlich erschlagen von immer neuen Hiobsbotschaften:

  • Pferde überfahren
  • Pferde ausgebrochen von der Weide
  • Pferde vergiftet
  • Pferde durch zerstörte Zäune geflüchtet

Irgendwie ist das wie bei einem Unfall: man möchte diese Nachrichten nicht lesen und noch weniger die Bilder der Pferdekadaver sehen, aber man kommt nicht daran vorbei.
Mag es auf der einen Seite gut sein, dass die Onlinemedien so ein großes Informationspotential bieten, so kann sich bei den angebotenen Bildern so mancher empfindlicher Magen umdrehen.
Gut ich gestehe, mein Magen ist da nicht ganz so empfindlich. Aber ich habe großes Mitleid mit den Pferdebesitzern, welche ihr geliebtes Pferd auf solchen Bildern wie einen traurigen letzten Abschiedsgruß durch das Internet geistern sehen. Sicher nicht die schönste Erinnerung, an die man sich halten möchte.

Auf der anderen Seite finde ich die Berichterstattungen, wie auch die grausigen Bilder, gut. Sorgen sie doch dafür, dass wir wieder wachgerüttelt werden. Das wir bestimmte Situationen überdenken die wir sonst nur allzu gerne verdrängen.
So ist ein großes Thema das Ausreiten in der Dunkelheit.
Da stelle ich mir ernsthaft die Frage: Muss das wirklich sein?
Als ich jung war – ja, lange ist es her – gab es die Regel, dass man bei Dämmerung zurück im Stall war. Feld Wald und Weiden ‘gehörten‘ dann den Jägern. Es war eine Respekts- und eine Erziehungssache, das man dann nicht mehr im Dunkeln ausritt. Und hätten wir uns das doch gewagt, dann wäre ein Donnerwetter des Stallbesitzers oder der Eltern noch nicht gerade harmlos gewesen. Ich glaube, mein Stallbesitzer hätte mir damals die Ohren lang gezogen, und das mit Recht.

Heute ist es aber immer mehr in Mode gekommen, auch spätabends oder nachts auszureiten. Argumente bezüglich der Jäger werden schnell beiseite gewischt, diese

  • sollen sich nicht so anstellen.
  • der Wald gehört ihnen nicht alleine.
  • Jäger sind eh nur Mörder.

usw.

Diese fadenscheinigen Ausreden nehmen manche als Berechtigung, zu jeder Nachtzeit in Feld und Wald herumzuhüpfen.

Auf Fragen, ob man denn alleine im Dunkeln keine Angst habe, ist so mancher Reiter ebenso um keine Ausrede verlegen. Da wird vorgeschwärmt:

  • Von der innigen Beziehung zum seelenverwandten Pferd, diese Verbindung, die man nur so erreichen kann. (Also fast so gut wie Pattex, jetzt weiß ich, was es für eine echte Seelenverwandtschaft braucht.)
  • Das man ja die Wege auch im Dunkeln kennt, ebenso jedes Loch und jede Stolperfalle. (Mag sein, dass ein Pferd im Dunkeln noch gut sieht, aber die meisten Menschen sind doch nachts wirklich stockblind.)
  • Das sein Pferd einen ja beschützen wird. (Klar das Pferd ist wie Obelix, das frisst die entgegenkommende Wildschweinrotte einfach auf.)
  • Das einen schon niemand auf einem Pferd überfallen würde. (Na ja, wenn ich mir so manche Gestalten ansehe, glaube ich, dass selbst der Horror Clown wegrennt. Aber eine Garantie ist das halt nicht.)

Aber es sind ja nicht nur die Jäger oder die Angst im Dunkeln. Da sind ja auch noch der Straßenverkehr und die Sichtbarkeit, die man als Reiter nachts gewährleisten muss.

Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor:

§28 Tiere

(2) Wer reitet, Pferde oder Vieh führt oder Vieh treibt, unterliegt sinngemäß den für den gesamten Fahrverkehr einheitlich bestehenden Verkehrsregeln und Anordnungen. Zur Beleuchtung müssen mindestens verwendet werden:

1. beim Treiben von Vieh vorn eine nicht blendende Leuchte mit weißem Licht und am Ende eine Leuchte mit rotem Licht, 2. beim Führen auch nur eines Großtieres oder von Vieh eine nicht blendende Leuchte mit weißem Licht, die auf der linken Seite nach vorn und hinten gut sichtbar mitzuführen ist.

O.K., das ist doch schon einmal eine gute Sache und da wir Reiter nichts lieber tun als einkaufen freuen wir uns über die Masse an Leuchtartikeln rund ums Pferd.

Da wären z.B.:

  • Lampen
  • Leuchtwesten
  • Leuchtdecken
  • Leuchtgamaschen
  • Leuchtstreifen
  • Leuchtvorderzeuge
  • Leuchttrensen
  • Schweifbeleuchtung

Usw.

Eine wirklich gute Sache, die ich auch absolut unterstütze!

Hier dazu mal ein Beispiel von der Pferdebeleuchtungs-Seite, die wirklich ein umfangreiches Sortiment anbieten: http://www.pferdebeleuchtungen.com

Aber:

Man darf sich bitte niemals blind nur auf die Leuchtausrüstung verlassen. Auf der Seite Ponyliebe gibt es dazu ein wunderbares VideoSchaut man es näher an, dann ist es erschreckend wie schlecht und wie spät man trotz guter Ausrüstung gesehen wird.

Hier sollte man sich dringend vor Augen halten, dass ein normaler Autofahrer auch nicht unbedingt mit einem Pferd auf der Straße rechnet. Denn auch wenn wir als offizielle Teilnehmer im Straßenverkehr auf der Fahrbahn reiten müssen, wir werden auf der Straße von den meisten Autofahrern bei Dunkelheit genauso wenig erwartet, wie ein Reh das plötzlich auf die Fahrbahn springt.
Von daher rate ich trotz bester Leuchtausrüstung zu der Überlegung, ob man wirklich bei Dunkelheit ausreiten will.
Muss man wirklich?
Sollte man sich der Gefahr bewusst aussetzen?
Wer nun eifrig nickt und meint das er sonst den Trainingsstand im Winter nicht beibehalten kann, dem sage ich nur: »Schätzelein, da reicht auch der Ausritt in Feld und Wald bei Dunkelheit nicht.«
Wer wirklich ernsthaft trainieren will, sollte auch eine Stallanlage mit beleuchtetem Reitplatz oder Halle wählen. Oder aber mit einem Hänger dorthin fahren. Aber der eine oder andere Ausritt im Dunkeln ist nun wirklich nicht das, was man als Training bezeichnen sollte.
Wer nun damit argumentiert das er sonst wegen Arbeitszeiten usw. nicht zum Reiten kommt, da rate ich ebenso zu einem Wechsel der Stallanlage oder eben zum Verzicht.
Kein Ausritt der Welt ist ein totes Pferd wert. Von Autofahrern und Helfern, die in solche Unfälle verwickelt werden ganz zu schweigen.
Hier sollte man wirklich abwägen, ob das Risiko diesen einen Ausritt wert ist. Oder ob  man sich nicht lieber doch anderweitig mit seinem Pferd beschäftigt.

Vielmehr sollte man gerade in der dunklen Jahreszeit vermehrt Offenställe und Weiden sichern

  • Fremdeinfluss
  • Wildschweine
  • Futtermangel
  • Langeweile
  • die eigene Schusseligkeit

kann zu einem Ausbruch der Pferdeherde führen.

Sicher passieren diese Dinge auch tagsüber, aber eben nicht nur. Gerade zur Winterzeit häufen sich die Unfälle doch enorm und die Zeit ist hier eindeutig besser investiert die Pferde gut verwahrt zu wissen, als sie in der Dunkelheit zusätzlichen Risiken auszusetzen.

Hier kann und sollte man sich schützen mit:

  • Sicheren Zäunen
  • Schlössern an allen Ein- und Ausgängen der Weiden
  • Wildkameras
  • Abstandhalter-Zäunen
  • genügend Raufutter
  • Spielmöglichkeiten und Spielpartnern gegen Langeweile
  • eine gute Beziehung zu Jägern und Hundehaltern, die ein Auge auf die Pferde haben
  • ein bewusster Kontrollgang, bevor man den Stall/Weide verlässt

Natürlich kann man sich nicht gegen alles schützen oder allem vorbeugen, aber man kann es ja versuchen. Denn wir alle wollen diese schrecklichen Meldungen nicht mehr sehen, auch wenn sie uns helfen unseren eigenen Stall bewusster zu sehen und gegebenenfalls zu optimieren.

Auch ich habe mir meine Gedanken nach diesen Bildern gemacht und kam zu dem Entschluss das ich neben Schlössern, Abstandshaltern usw. noch zusätzlich meinen Holzzaun außen mit Leuchten bestücken werde. Denn gerade weil mein Stall abgelegen liegt, wird der Zufahrtsweg von der ansässigen Bordsteinschwalbe, wie auch dem einen oder anderen Pärchen gerne für ein Schäferstündchen genutzt. Und da der Weg eine Sackgasse ist, wird dort meist genau vor dem Zaun mit dem Auto gewendet. Eigentlich ist dazu genug Platz, aber bei Dunkelheit möchte ich nicht, das Ausversehen mein Holzzaun umgefahren wird. Wer weiss denn in welchen Lustgefühlen der Fahrer beim Rückwärts wenden gerade schwebt. Also werde ich Leuchten besorgen, die den Zaun besser sichtbar machen, gerade bei Dunkelheit. Vielleicht ist es etwas übervorsorglich, aber das ist es mir wert.

In diesem Sinne, überlegt, was ihr für euch optimieren könnt und ob ein Ausritt in Dunkelheit wirklich sein muss.

Kommt mir gut durch die dunkele Jahreszeit!
Flauschige Grüße
Celeste

sichtweise

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.