Eine Frage der Ausrüstung

Hallo meine Flauschehasen, ich hoffe, es ist euch gut ergangen, in dieser schönen Vorweihnachtszeit? Während die ersten Plätzchen gebacken und der Stall geschmückt wurden, habe ich nicht nur alle Weihnachtsgeschenke beisammen, nein, sie sind auch schon verpackt.
Natürlich weiß ich, dass mich ebenso das eine oder andere Päckchen unter dem Baum erwarten wird, auch wenn ich keine großartigen Geschenke erwarte oder wünsche. Einzig das ich Pferdezubehör aller Art liebe und sogar einen einfachen Hufkratzer mehr Freude abgewinnen würde, als einem Schmuckstück oder einem Parfüm, ist jedem bekannt der mich wirklich kennt.
So durchstöbere ich dann ein paar Reitsportkataloge oder den Reitsportladen meines Vertrauens, auch wenn ich eigentlich nur Pferdefutter kaufen möchte.

Spannend, wenn man dann beobachten darf, wie zwei junge Damen zielsicher auf die neue Kollektion der regenbogenfarbenen Knotenhalfter zustürmen. Währenddessen versichern sie sich gegenseitig, das sie u-n-b-e-d-i-n-g-t neue Knotenhalfter in dieser Sonderfarbe benötigen.
Ein Freund, der nicht nur den Fahrdienst, sondern auch den Träger für die Futtersäcke machen wollte, fragte mich daraufhin interessiert, was es denn mit diesen speziellen Knotenhalftern auf sich habe. Normale Halfter kannte er ja zur Genüge, aber ein Knotenhalfter hatte er bei mir noch nie gesehen.

Nun ich erklärte ihm, wozu ein Knotenhalfter eigentlich benutzt wird:

  • Das es mit seinen Knotenpunkten eine feiner dosierte Hilfegebung ermöglicht.
  • Das die Knoten auf Nervenbahnen drücken können, ähnlich einer Akupressur, um der Einwirkung mehr Nachdruck zu verleihen.
  • Das man deswegen damit niemals anbindet, longiert oder ein Pferd damit auf die Weide schickt oder gar ohne Aufsicht lässt.
  • Es der feineren Kommunikation dient, also nur ein Hilfsmittel ist, und deswegen niemals mit einem normalen Halfter zu vergleichbar ist.
  • Das es richtig angepasst und sitzen muss, damit es nicht nur seine richtige Wirkung entfalten kann, sondern auch damit es nicht scheuert, schmerzt und somit schadet.

Während meiner Aufzählung hat die Gesichtsfarbe der jungen Damen nicht nur rasch gewechselt, sie haben die Halfter schnell wieder abgelegt und sich den normalen Stallhalftern zugewandt. Ich bitte hier um Verzeihung, falls dem Reitsportladen hier der Umsatz verloren gegangen ist. Ich vermute aber, die Pferde werden dankbar sein, dass die jungen Damen begriffen haben, dass die Wirkungsweise eines Knotenhalfters über den modischen Aspekt hinaus reicht.
Aber es ist leider nicht unüblich, das sich so wenig mit dem Zubehör beschäftigt wird. Im Internet und in den Katalogen wird eine Vielzahl angeboten. Die Bilder sind strahlend, das Zubehör nicht nur farblich stimmig, sondern eindeutig ein Blickfang für die online Fotogemeinde, vor der man gerne prahlen würde.
So wird einfach bestellt und gekauft, was das Zeug hält – ohne sich wirklich mit der Ausrüstung und dessen fachgerechten Einsatz zu beschäftigen.

Das Westernsättel gerne unangepasst auf alle Pferde geschmissen werden, um das Gehampel darauf als Westernreiten zu deklarieren, sind wir sicher alle schon gewohnt. … Schließlich wird eine richtige Ausbildung, eine Umstellung oder gar dauerhaftes Training in einer anderen Reitweise einfach überbewertet …
Nicht dass ich etwas gegen Zweitsättel in einer anderen Reitweise habe, sofern diese Pferd und Reiter passen, bin ich gerne dabei. Und da spricht auch nichts gegen die kostengünstige Alternative in gebrauchter Version. Einzig sollte man nicht glauben das man mit einem Ausrüstungswechsel auch plötzlich die andere Reitweise beherrscht. Denn nur weil ich mit einem Wörterbuch in Kantonesisch unter dem Kopfkissen schlafe, erweitert dies nicht meine Fremdsprachenkenntnisse.

Ebenso wie der gruselige Trend das ein 200 € Kunststoffsattel in Pink gekauft wird, der ja: »Nur zum Ausreiten dienen soll, da ist das bisschen Reiten ja nicht schlimm.«
Schätzelein, wie wäre es wenn du den gleichen Ausritt mal in unpassenden Schuhen zurücklegst. Ich meine ist ja nur zum Spazierengehen, ist ja sicher nicht schlimm wenn du danach schmerzende Füße oder Blasen an selbigen hast.

Oder der Haflingersattel, der angeblich auf alle Haflinger passt. Ich meine, wie viel Hirn bleibt da ungenutzt, um so etwas zu glauben? Obwohl die weißen Fellflecken vom Satteldruck, passen optisch dann ganz bestimmt zur hellen Haflingermähne. Dann ist das Styling wenigstens formvollendet, und im Notfall kaschiert man das Ganze eben mit einer Schibbischabbi aus einer der neuen Kollektionen.

Oder ein Bosal – Eine wundervolle Zäumung, welche zum nicht angepassten Westernsattel auch einfach ungeformt umgeschnallt wird. Den Bosalknoten gleich mal ignoriert und einfach Zügel eingehakt, da die Mecate zu kostspielig war.
Spricht, man dann sein Gegenüber an, warum das Bosal nicht vorgeformt wurde, oder die Mecate um das Bosal gewunden, als hätte man an der Strickliesel geübt, dann erntet man erstaunte Blicke. »Wie vorformen … Echt muss das sein? Aber das dauert dann doch soooo lange und ich kann es nicht benutzen? Aber ich brauch das doch für die Bilder.«
Und schon reitet das Schätzelein weiter, während es an dem Bosal zerrt, als wäre es eine Hundeleine.

Nun vielleicht wäre ihr Weihnachtsgeschenk, dann besser eine Wundcreme. Zum einen, weil die Mecate bei einer solchen Nutzung, in der günstigen Schweifhaar Ausgabe selten handfreundlich ist. Zum anderen, weil das schlecht sitzende Bosal so für Scheuerstellen beim Pferd sorgen wird. Allerdings wäre ein Buch über die richtige Handhabung wie ein guter Trainer ebenso ein gutes Geschenk.

Ein weiterer Blick auf die Steigbügel des günstigen Westernsattels zeigt mir, dass sie Eindrehhilfen für diese nutzt. Diese netten kleinen Zusatzhalterungen, welche den Steigbügel in die richtige Position drehen, wenn man nicht den Willen oder das Wissen hat, diese auf die altmodische Art zu formen. Und es ist jetzt schon fast eine Gewissheit, wenn ich sie darauf anspreche, heißt es wieder: »keine Lust – dauert zu lange – keine Zeit«
Irgendwie komme ich mir altmodisch vor, das ich mein Zubehör immer entsprechend vorbereitet habe. Das ich mir Zeit genommen habe mich damit zu beschäftigen, es richtig angepasste und auch mal tiefer in die Tasche gegriffen habe. Dennoch warum kann man sich nicht vorher mit der Ausrüstung beschäftigen? Mit deren Sinn, ihrem richtigen Einsatz und einer passenden Anwendung? Warum ist Optik und Lifestyle oder ein hübsches Bild für die online Gemeinde wichtiger?
An mangelnder Ausbildung liegt es sicher zum einen, dennoch kann man sich in der heutigen Zeit unheimlich gut belesen. Das Internet bietet so viel Informationsmöglichkeiten. Wie man einen Krawattenknoten richtig bindet (und ich meine nicht am Männerhals sondern am Sattel). Wie man ein Bosal formt und welche Größen, Stärken und Material es gibt. Wie man das Bosal richtig einsetzt und wie man ein Knotenhalfter anpasst usw.
Wenn man sich informieren möchte, dann geht das, aber man muss es eben auch wollen.

Ich wünsche euch von daher das eure Weihnachtswünsche wahr werden, egal ob es ein Pferd ist, Zubehör für dieses oder etwas anderes. Nur bevor ihr ein neues Ausrüstungsstück nutzt, informiert euch bitte über die Passform, Handhabung und den richtigen Einsatz.

Euren Pferden zuliebe! 😉

Flauschige Grüße
Celeste

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.