Die richtige Führposition

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder.
Hat das Herbstwetter euch auch so gut im Griff? Die Pferde werden weich und flauschig, und mitunter nutzen sie die von den Regengüssen aufgeweichten Weiden, um eine Matschmaske aufzulegen. Aber wie die Kosmetikindustrie uns ja hat wissen lassen, macht Matsch im Gesicht nur schöner.

Man muss ich hübsche Pferde haben …

Aber nein, so schlimm ist es natürlich nicht. Aber nach dem trockenen Sommer ist es doch wieder ein wenig seltsam, wenn das Fell nun von einigen Matschflecken verziert wird.
Ob wir also wollen oder nicht, wir sind im Herbst angekommen.
Aber das bedeutet eben nicht nur Regen, sondern auch in bunten Farben schillerndes Laub an Bäumen und Büschen, oder farbenprächtige Sonnenuntergänge. Kürbisse die einen bei den Straßenverkäufern schon von weitem anleuchten, oder auch günstige Preise bei Karotten im Supermarkt.
Wie schon einige Male erwähnt: Ich mag diese Jahreszeit wirklich sehr gerne.
Da ich aber bedingt durch die Handwerker im Haus auch weiterhin mehr daheim sein muss, als ich möchte, gibt es natürlich immer wieder Themen, die weil heiß diskutiert, auf meiner Pinnwand aufploppen und mich über Tage verfolgen. Diese Woche war es das Thema: Die richtige Führposition.
Nachdem mich das Thema so viel Nerven gekostet hat, möchte ich auch hier gleich einmal meinen Senf dazugeben.

Was soll man sich darunter vorstellen?
Es gibt einige Bodenarbeitstrainer, ebenso wie Möchtegerntrainer oder selbst ernannte Pferdegurus die darauf schwören das ein Pferd nur und ausschließlich an Position X zu gehen hat. Meist soll das Pferd an der rechten Seite gehen und der Kopf des Pferdes soll einzig und allein auf Schulterhöhe des Pferdeführers sein.
Jeder Schritt davor wäre verboten, denn dann würde das Pferd plötzlich eine Verwandlung zum grünen Hulk ablegen und die Chefposition des Führenden in Frage stellen. Jeder Schritt dahinter aber auch, denn das Pferd könnte sonst seinem Besitzer in die Hacken laufen, es umrempeln, oder sich in einem unachtsamen Moment in einen Pferdezombie verwandeln und in einem Blutrausch nach Menschenhirn seinen Führer anfallen.
Allerdings bin ich mir bei so manchen Kommentaren nicht sicher, ob der arme Pferdezombie nicht doch verhungern würde …

Damit diese Führposition auch ja korrekt bei behalten wird, übt man was das Zeug hält. Das Pferdchen wird immer wieder mit zuppelndem Strick oder wedelnder Gerte daran erinnert, seine Position auch ja bei zu behalten. Meist unterstreichen spezielle Halfter, Gerten, Stöckchen und Stricke das »Training«, der kommenden Pferdeflüsterer.
Der Geldbeutel des Pferdegurus wird dabei nur rein zufällig mit gefüllt, schließlich möchte er ja nur das Beste für Pferd und Reiter. Und so wird dieser auch nicht müde immer wieder Bücher und Videos anzupreisen, samt der unersetzlichen Ausrüstung für Pferd und Reiter. Denn nur damit unterstreicht man die passenden Übungslektionen! So mancher der Verkäufer erinnert mich mit seinem gebetsmühlenartigen Anpreisen der Vorteile an die Teleshoppingkanäle, bei denen ich lieber schnell weg zappe.
Die Schüler üben aber eiffrig. Immer wieder wird dem Pferd die perfekte Position eingebläut. Und das endet dann meist entweder mit einem völlig entnervten Pferd, oder einem das abgestumpft ist und wirklich stoisch auf der gewünschten Position bleibt.

Aber ist das wirklich wünschenswert?
Will man das wirklich?

Wie ihr wisst, ich bin ein Mensch, der sehr pragmatisch ist. Bei mir gelten folgende Führregeln:

  • Das Pferd lässt sich brav und anständig von jeder Person führen (auch Kinder)
  • Das Pferd rempelt und drängelt nicht und achtet den persönlichen Tanzabstand
  • Das Pferd lässt sich von allen Seiten führen
  • Das Pferd geht auf Wunsch neben / vor / hinter mir, so wie ich es dirigiere
  • Es wird nicht am Strick gefressen
  • Auf der Weide / in der Box dreht sich jedes Pferd zu mir um und wartet brav, bis ich das Halfter ausziehe und es wegschicke

Das hat natürlich einige Vorteile. Ich habe somit ein Pferd, das ich in allen Führpositionen dirigieren kann. Das ist praktisch, wenn man z.B. mit 2 Pferden durch einen Engpass muss und eines hinter her gehen kann.
Es ist handlich, wenn man sein Pferd z.B. am Strick vorschicken kann, beispielsweise in eine Weideschleuse hinein, während man selber in Ruhe das Tor schließt, oder drängelnde Fremdpferde weg schickt. Auch kann das Pferd relativ entspannt neben einem trotten, auch mal nach links und rechts sehen, und nur dann reagieren wenn ich eine Ansage mache. Und es ist für mich selbstverständlich das auch andere Personen (selbst Kinder) die Pferde problemlos führen können. Nichts ist gruseliger als reine Mama-Pferdchen, die nur von Mutti zur Weide / zum Stall gebracht werden können. Und der arme Stallbesitzer dann verzweifelt, wenn Mutti krank oder im Urlaub ist.

Ich hatte nie ein Problem damit, dass eines meiner Pferde meine Position in Frage gestellt hätten, nur weil ich nicht auf eine bestimmte Führposition achte. Also mit dem Hulk und dem Pferdezombi kann ich einfach nicht dienen. Meine Pferde sind eben stinklangweilig.
Wenn man also an seiner Führposition arbeiten will, kann ich entsprechend nur dazu raten diese eher aus zu weiten, statt zu beschränken. Das heißt, nicht auf einen festen Punkt zu bestehen, sondern eher zu üben das Pferd von allen Seiten aus Dirigieren zu können. Es erleichtert das Leben ungemein und bietet Abwechslung. Dazu braucht es keine besondere Gerte, keinen Spezialstrick oder Halfter, sondern ein HGW-Halfter (HGW = hundsgewöhnlich) samt langen Strick reichen völlig.

Trainieren kann man das wunderbar auf Platz oder Weide.
Mit Eimern, Baustellenhütchen als auch Sprungständern usw. baut man sich Wege, Sackgassen oder Engpässe. Die Pferde lernen sehr schnell das sie auch am längeren Strick auf den richtigen Weg geschickt werden können, ohne das Mutti Hüfchen hält.

Habt ein wenig Vertrauen, das ja sonst immer so groß geschrieben wird, in die Intelligenz eurer Pferde. Ihr werdet sehen, wie es euch und euren Pferden das Leben einfacher machen wird.

Flauschige Grüße
Celeste

200915

 

Ein Gedanke zu „Die richtige Führposition

  1. Vielen lieben Dank für diesen Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele. Viele Trainer machen aus ganz simplen Dingen ä, wie dem Führem eine große Wissenschaft und vergessen dabei, das Pferde im allgemeinen nicht die Weltherrschaft an sich reißen wollen.
    Liebe Grüße aus dem wunderschönen, herbstliche. Ruhrpott. Sabine

     

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