Das Geschäft mit dem Mitleid

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Nun sind wir mitten im Sommer angekommen, das erste Heu ist schon in vielen Ställen gestapelt, und wir genießen das wundervolle Wetter. Natürlich vertreibe ich mir meine Zeit weiterhin mit Arbeiten rund um Stall und Weide, denn als Selbstversorger hört das niemals auf. Dabei teste ich voller Spannung meine neue Akku Strauchschere, die ich am Stil wie eine Sense benutze, um damit meine Zäune freizuschneiden. Aber davon werde ich natürlich erst ausführlich berichten, sobald sie eine längere Testzeit überlebt hat.

Während ich also mit meinem neuen Spielzeug dem Sensenmann gleich die Weide rauf und runter renne, und mir dazu eine schwarze Kutte wünsche, werde ich natürlich immer wieder von den Spaziergängern in Gespräche verwickelt. Nicht dass ich etwas gegen einen Plausch habe, aber gerade zur Sommerzeit häuft sich gerne ein spezielles Thema. Angefangen meist mit einem
»Du hast ja hier ne Menge Platz«
Was ich meist mit einem »Klar und auch viel Arbeit« kommentiere.
Meist folgt dann ein »Im Offenstall bekommst du doch sicher noch was unter oder?«
Und dann weiss ich schon, wie der Hase läuft. Denn das ich keine Einstaller nehme, ist allgemein bekannt. Nein, es sind die Schlachtfohlen, die ich dann auf einmal alle retten soll, schließlich habe ich ja angeblich genug Platz und Zeit.
Denn gerade auf den gängigen Internetportalen verbreiten sich die Bilder der putzigen Fohlen sehr schnell. Und läutet man dann mit der Schlachtungsglocke, kullern die Tränchen, das Herz wird weich, und der Retterinstinkt schlägt zu. In solchen Gesprächen verweise ich dann gerne darauf, dass ich genug Pferde habe, und dankend ablehne. In diesem Moment schaut einen der Gegenüber dann nicht selten an, als sei man ein gefühlsloser Tierquäler, der wohl auch die eigenen Pferde im Bastkörbchen am Fluss aussetzen würde. Also muss ich erklären, dass ich zwar durchaus Platz habe, aber ein junges Pferd trotzdem so einiges an Kosten und Zeit verschlingt. Und mehrere gleich mehrfach. Und nur weil die süßen Fohlen vermeintlich gerettet werden, scheißen sie leider immer noch keine Golddukaten.

So brauchen auch Schlachtfohlen:

  • Den Auslösepreis
  • Den Transport
  • Den Tierarztcheck/gegebenenfalls Behandlung/Kastration

Bevor sie überhaupt erst einmal einziehen.
Dann kommen die laufenden Kosten über Jahre dazu:

  • Einen passenden Stallplatz
  • Passende Ausrüstung
  • Angepasste Fütterung
  • Hufschmied / Tierarzt / Wurmkuren
  • Versicherungen
  • Ausbildung und Training

Das heißt, das kleine Schlachtfohlen das es für ein paar hundert Euro im Internet Ausverkauf gab, kostet viele Tausende Euro allein in den ersten Jahren. Und dann hat man noch nicht einmal darauf gesessen.
Nicht zu vergessen, dass ein Jungpferd eine passende Haltung braucht.
Jungpferde brauchen passende Spielgefährten zum Spielen, toben, raufen, und um spielerisch das Sozialgefüge zu erlernen. Dazu eine ältere Nanny zum Erziehen und die Herde ist perfekt. Leider wird das oft vergessen, da das gerettete Fohlen, ja in den heimischen Stall ziehen soll, statt in einen kostenintensiven Pensionsstall.
Aber ist man sich dessen bewusst und kann und möchte dies alles einem Schlachtfohlen anbieten, dann ist da ja noch der Kaufpreis.
Denn mittlerweile wissen die Züchter und Händler das Geschäft mit dem Mitleid durchaus zu nutzen. So werden sehr oft Fohlen zu vermeintlichen Schlachtpreisen als Abgabepreise beworben. In diesen Fällen haben die Schlachtpreise so viel mit dem Fleischpreis zu tun, wie eine Bordsteinschwalbe mit Jungfräulichkeit.

Machen wir uns doch einmal mit den Fleischpreisen vertraut. Diese sind zwar regional oft unterschiedlich, aber hier einmal ein Anhaltspunkt:

Vollfleischig Warmblut:               0,40 – 0,60 € / KG

Geringfleischige Pferde:             0,20 – 0,40 € / KG

Schlachtpferde 1. Qualität:         0,60 -0,75 € / KG

Und nun rechnet doch einmal, was das Wunschfohlen so wiegt. Abzüglich Knochen und Teilen, die nicht verwertet werden können, abzüglich einer Gebühr für die Fleischbeschau durch den Veterinär. Viel übrig bleibt da für den Schlachter nicht. Wer dann 500 – 1000 € für ein Haflingerfohlen, oder 1000 – 2000 € für ein Kaltblutfohlen als angeblichen Schlachtpreis auf den Tisch legt, dem kann ich nur sagen: Sorry, du wirst über den Tisch gezogen.

Denn diese Preise zahlt niemals ein Schlachter, allerdings die mitleidigen Pferdebesitzer schon.

Von daher: Augen auf beim Pferdekauf!

Auch wenn das Herz blutet, lasst euch nicht über den Tisch ziehen. Verhandelt ruhig noch einmal, indem ihr den aktuellen Fleischpreis nennt. Bargeld, das man auf den Tisch legt, ist übrigens auch immer ein sehr überzeugendes Argument.

Aber bitte seid euch bewusst das ihr mit jedem Freikauf diese Schlachtpferde Zucht weiter unterstützt. Denn für jedes freigekaufte Leben rückt ein anderes nach, denn der Fleischmarkt will bedient werden. Und je mehr freigekauft werden, umso mehr Nachschub wird produziert. Denn Mitleid zusammen mit dem Heiligenschein der Rettung verkaufen sich einfach zu gut.

Wenn ihr euer Herz an ein Schlachtfohlen verschenkt verstehe ich das.  Aber bitte sorgt für eine passende Haltung ein Pferdeleben lang. Denn nur weil man gerade Platz hat ist es nicht gleichzeitig auch eine geeignete Aufzuchtstelle für ein Jungpferd. Ich sage klar, mein Pferdebestand reicht mir so wie er ist völlig, da ich mir meiner Verantwortung ihnen gegenüber absolut bewusst bin.

In diesem Sinne flauschige Grüße
Celeste

schlachtpferd

 

2 Gedanken zu „Das Geschäft mit dem Mitleid

  1. Liebe Celeste,
    Vielen Dabk für deine Worte. Genauso seh ich das auch und ma muss immer überlegen, ob man nicht nur im Sommer für das neue Familienmitglied findet sondern auch im Winter, wenn die Tage super kurz sind und die Arbeit über mächtig .

     

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