Tagebuch einer Paddockbefestigung – Teil II:

 

Hallo meine Flauschehasen, wie versprochen geht es weiter mit meinem Tagebuch des Grauens. Na ja, ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber so eine Paddockbefestigung ist schon eine große Sache. Aber weiter geht‘s …

Letzte Woche habe ich ja die Ridcon Platten bekommen, ebenso wie das Vlies. Nachdem ich das Vlies verlegt habe, wartete ich auf meine erste Lieferung Kies. Dank der Erklärungsseite von Ridcon mit der praktischen Einkaufsliste konnte ich ja die passende Menge gut ausrechnen. Diese hat mir mein Heudealer auf meinen Wunsch hin dann im nächsten Kieswerk besorgt.

Ich wartete also am Liefertag völlig gespannt auf meinen Heudealer und hüpfte wie ein Schlumpf auf Drogen durch den Stall. Netterweise hatte ich für den Tag sogar Hilfe bekommen: Der beste Freund meines Mannes wollte sich freiwillig den Sklaven – äh, Hilfsdiensten bei mir im Stall stellen. Die arme Socke, wenn er wüsste, das er damit seine Seele verkauft hat.

Als mein Heudealer mit seinem wunderschönen neuen Anhänger kam, rangierte er wie ein Künstler den Hänger so aus, dass der Kies direkt auf dem Vlies abgekippt werden konnte. Kennt man die örtlichen Begebenheiten bei mir, weiß man, das er damit ein Meisterstück der Fahrkunst hingelegt hat.
Als er die Hängerklappe entriegeln wollte, dachte ich, dass ich ihm wie immer zur Hand gehe. Doch wer mich kennt, weiß das kann nicht gut gehen. Ist es auch nicht.
Ja, ich bin ein tollpatschiger Bewegungsdepp. Ich stehe dazu. Ich wollte die andere Seite entriegeln und hatte noch den alten Anhänger vor Augen. Jener den man 2 x entriegeln muss, auf jeder Seite und an dessen Griffe man zerren muss wie der Hulk persönlich. Nun das war aber ein neuer Anhänger und es machte nur *Plopp* und uns kam die Klappe entgegen. Sie erwischte schwungvoll und beschwert durch den Kies, meinen Heudealer am Arm, wie auch mich an Arm und Hand. AUTSCH!
Nach x Entschuldigungen meinerseits, für meine allseits berühmte Tollpatschigkeit – und ja, es ist mir auch jetzt noch peinlich – war das Thema aber Gott sei Dank schnell gegessen. Der Kies wurde auf dem Vlies abgekippt und mein Heudealer machte sich auf zur nächsten Tour. Zurück blieben wir mit einem Berg voll Kies und gutem Willen.

Wir haben den gesamten Kies mit Schaufel, Schubkarre und Rechen verteilt und es war wirklich heiß. Ich überlegte dabei ernsthaft, wie man sich diese Arbeit erleichtern könnte. Wenn man so vor sich hin schaufelt, kommen einem ja die dümmsten Gedanken …
Ob man vor dem nächsten Splitt / Sand abkippen eine Eskiiii Schibbi Schabbi der neusten Kollektion unter den Berg legen sollte und dann eine Horde junger Eski süchtiger Mädels einlädt? Da wäre der Berg doch in kürzester Zeit von Hand verteilt, so gierig wie die Meute dann danach graben würde.
Aber wahrscheinlich hätte das dann eher ›Grabbeltisch im Schlussverkauf‹-Niveau und Sand und Splitt würden überall hinfliegen. Also wurde der amüsante Gedanke verworfen und weiter gearbeitet.
Obwohl es körperlich sicher sehr anstrengend war, konnte man allerdings gut erkennen, dass der riesige Berg immer weiter abnahm. Mit jedem Meter den das Vlies unter dem Kies verschwand, stieg dann die Motivation.
Irgendwann, viele Stunden später, war der gesamte Kies dann auf dem Vlies verteilt und wir krochen mehr oder minder zum Auto. Ich bin ehrlich, kochen habe ich an diesem Tag gestrichen und wir haben den Asia-Imbiss meines Vertrauens überfallen. Irgendwie sahen wir auch total zerstört aus, denn an der Kasse wurden wir gleich gefragt was wir denn angestellt haben.
Lustigerweise hatte ich zwar trotz Handschuhen Blasen an den Händen vom Schaufeln, aber am nächsten Tag keinen Muskelkater. Da sieht man mal wieder, dass die Selbstversorgung eines Offenstalles das beste Fitnesstraining ersetzt.

Am nächsten Tag wurde dann der Splitt geliefert. Aber dieser musste noch warten, bis die Rüttelplatte zum Einsatz kommen konnte. Diese hatte ich im Baumarkt meines Vertrauens reserviert und gleich wieder den Freund meines Mannes für dessen Nutzung bestellt. Denn seien wir ehrlich, ich bin schon zu tollpatschig für eine Anhängerklappe, niemand will mich in der Nähe einer Rüttelmaschine sehen. Niemand! Leider war die kleine Rüttelplatte defekt, also musste die nächst Größere her, was mich wenig beruhigte. So ein Ding ist doch arg gruselig …
Am nächsten Morgen sind wir also gleich zum Baumarkt und wurden dort freundlich begrüßt. Der Papierkram war unproblematisch und schnell erledigt. Man nimmt die Personalien auf (Personalausweis bereithalten) und zahlt eine Kaution. In diesem Fall waren es 175 €. Abgerechnet wird später, wenn man die Rüttelplatte wieder abliefert, dann die Zeit. 4 Stunden waren etwa 31 € und ein Tag etwa 40 € und ein paar Euro für eine Versicherung falls man die Rüttelplatte zerlegt. Das nötige Benzin konnte man in einer kleinen Flasche für wenige € gleich mit kaufen.
Die Rüttelplatte selber hatte an einer Seite Rollen, die man aufklappen konnte, so war der Weg bis zum Auto kein Problem. Schwieriger war es die Rüttelplatte in meinen Corsa zu hieven, denn ich muss zugeben mit ihren zarten 80 kg ist sie echt schwer. Aber gut, zu zweit haben wir die Platte hinein gehievt bekommen und auch die Heckklappe ließ sich ohne weiteres schließen, nachdem die Hutablage entfernt wurde. Die Fahrt zum Stall fuhr ich wirklich vorsichtig, aber die Rüttelplatte ist aufgrund des Gewichtes nicht einen Millimeter gewandert.

Am Stall haben wir die Platte vorsichtig ausgeladen und sie mit Benzin befüllt. Dann durfte mein Helfer ran, denn wie bereits erwähnt, finde ich das Ding gruselig. Für alle, denen es ähnlich ergeht, ich kann euch beruhigen: Sie war im Betrieb, nicht annähernd so laut und so gruselig, wie ich gedacht hatte. Das Geräusch war auch ohne Ohrenschutz erträglich, ebenso wie die Handhabung. Einzig das diese Dinger unheimlich schwer durch die Ecken kommen, denn sie besitzen keinen Rückwärtsgang, was ein deutliches Manko darstellt. Auch das Eckenausfahren gestaltet sich schwierig, aber nicht unlösbar. Bedingt durch Größe und Gewicht, ließ sich die Platte von Hand in den Ecken *rum ziehen* und somit war auch das Problem gelöst.
Also war die Arbeit schnell erledigt und ich war fast – O.K. nur fast – versucht es selber einmal zu versuchen. Aber bevor mich mein Mut überkam (und somit die sicher folgende Tollpatschigkeit) habe ich es doch gelassen und angefangen den Splitt zu verteilen. Wieder mit Schaufel und Karre und Kraft meiner Offenstallärmchen.
Aber der Splitt ließ sich bedeutend leichter Schaufeln als der Kies. Und auch wenn es eine schwere Arbeit war, sie ging leicht von der Hand. Der Splitt war mit dem Rechen fix verteilt und gerade gezogen und alles wartete nun auf die Platten.
Aber die Rüttelplatte musste ja auch wieder zum Baumarkt zurück. Also wollten wir diese guten Mutes wieder in den Corsa hieven. Dummerweise passierte das, was immer passiert, wenn man mit mir arbeitet: Chaos …
Wir hoben zu zweit die Rüttelplatte an. Ich rutschte weg und zog dabei mit voller Wucht den Bügel hoch, genau ins Gesicht meines Helfers. Gut, er hat noch alle Zähne, aber seine Lippe sah aus, wie die aufgespritzten Dinger der Hollywoodsternchen und schmerzte. Mein Lachflash der darauf folgte, war sicher nicht hilfreich, aber wenigstens ansteckend. Denn er kennt meine tollpatschige Ader und nimmt normalerweise einen gebührenden Sicherheitsabstand, wenn ich agiere. Tja, in diesem Fall war das nicht ausreichend.
Der Gerechtigkeit halber kann ich aber sagen, dass unser Ausladen später problemlos verlief. Auf jeden Fall bis zu dem Moment, als ich mir die Kofferraumhaubenecke schwungvoll selber auf den Kopf knallte. Hatte ich mich doch aufgrund des anderen Standwinkels völlig verschätzt. Bis zum Baumarkt rollten wir unseren kleinen Helfer anschließen ohne weitere Zwischenfälle. Auch die Abgabe und die Rückzahlung der Kaution waren ruck zuck erledigt.
Also ging es ab nach Hause. Dort wurden dann die Paddockplatten in beide Autos verstaut, gestapelt und getürmt. Ich habe mich auch nur 2 x im Hausgang gestoßen und mir nur einmal eine Paddockplatte vor den Kopf geknallt beim Stapeln. Also eigentlich ein guter Schnitt. 😀
Als alle Platten am Stall waren ging das Verlegen schneller als gedacht. Ich bin beeindruckt, wie einfach die Ridcon Platten zu verlegen sind. An 2 Seiten gibt es eine Verzahnung mit Nase, welche die Verlegetechnik quasi vorgibt. Da konnte nicht einmal ich etwas falsch machen. Und selbst als Pfosten im Weg waren, ließen sich die Platten mit einer HGW-Handsäge (HGW = hundsgewöhnlich) sehr einfach kürzen und in Form schneiden.
Ich kann es nur noch einmal sagen: Ich bin von den Platten mehr als begeistert. Sie wurden geschleppt, geworfen, gequetscht, getreten, drüber gelaufen und doch haben sie alles überlebt. Ich war natürlich – nur aus Testgründen – nicht nett zu ihnen. Trotzdem ist nicht eine Verzahnungsnase gebrochen, oder auch nur ein Kratzer in den Platten.

Nun sind sie alle verlegt und ich muss noch auf meinen Sand warten. Bis dieser kommt, werde ich wohl noch zum Baumarkt flitzen und neonfarbene Sprayfarbe besorgen, um die Platten zu markieren. Damit sie keiner klaut – sicher ist sicher!

Fotos zum Projekt findet ihr übrigens auf meiner Facebookseite.

Fortsetzung folgt …

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Tagebuch einer Paddockbefestigung – Teil I

 

Hallo meine Flauschehasen, heute widmen wir uns nicht meinem wöchentlichen Kopfkino, an welchem ihr jeden Sonntag teilhaben dürft. Nein, heute starten wir das Tagebuch zu meinem kleinen Projekt: Der Paddockbefestigung. Denn wie schon letzte Woche im Sonntagsbeitrag besprochen, stellt uns der Klimawandel vor neue Herausforderungen für den Winterauslauf unserer Pferde. Reichten früher Winterweiden oder Sandausläufe, sorgt der stetige Regen und der fehlende Frost für Schlamm und Matsch auf den Ausläufen.

 

Nun ich habe das große Glück von mehreren Sommerweiden, aber ebenso einer mehr als großzügigen Winterweide. Diese diente viele Jahre problemlos als Auslauf. Dennoch werde auch ich nun den Stalleingang und den Platz vor den Heuraufen befestigen müssen. Denn auch wenn ich mir einen frostigen Winter wünsche, ich denke, es wird eher wieder ein Regen und Matschwinter, statt einer weißen Winterzauberwelt.

 

Also überlegte ich, wie die Befestigung stattfinden sollte:

  • Sand bzw. Sand und Vlies?
    Sicher manchmal hilfreich, aber gerade für den Stall Ein- und Ausgang sicher niemals ausreichend.
  • Kunstrasen?
    Sicher klasse, aber mich gruselte es doch vor dem Geruch in Verbindung mit Pferdeurin. Ebenso habe ich mehrfach gelesen, dass der Hufabrieb nicht ohne ist. Dazu die hohen Entsorgungskosten, da der Kunstrasen als Sondermüll gilt, schreckten mich ab. Nicht zuletzt auch das Gewicht der Rollen, die ich niemals alleine ohne Hilfe verlegen könnte.
  • Lavasand?
    Hm danke nein, die Erfahrung habe ich in Pensionszeiten gemacht. Der Wassertransport war wirklich gut, aber von 5 Pferden liefen 3 auf dem Boden lahm.
  • Rasengittersteine?
    Die fand ich wirklich gut. Der m²-Preis war recht angenehm bei etwa 6,20 €. Aber die müssen ja auch transportiert werden. Bei der Menge hätte ich mich mit meinem kleinen Corsa entweder tot geschleppt, oder aber horrende Transportkosten auf mich nehmen müssen. Und wenn man die dann wieder dazu rechnet, dann ist man bei den m²-Kosten der günstigsten Paddockplatten. Und da die Rasengittersteine ebenso einen Unterbau brauchen, wäre nicht wirklich etwas gespart, wenn man bedenkt, dass man bei der Verlegung schwere Steine schleppen darf.

Also landete ich bei den allseits beliebten und oft beworbenen Paddockplatten.

Aber die Anzahl der Anbieter ist groß, ebenso die Qualitätsunterschiede. So werden in Baumärkten und im Internet oft Rasengitterplatten angeboten, welche auf den ersten Blick günstig erscheinen, aber selten an Material und Qualität der Paddockplatten heran reichen. Ich habe einige Platten in Baumärkten betrachtet, befühlt, gedrückt und geknautscht und war eher mässig angetan. Auch wenn diese angeblich einen parkenden Pkw tragen, so konnte ich mir darauf keinen steppenden Alpenpanzer auf Drogen vorstellen.
Also informierte ich mich bei den verschiedenen Anbietern für Paddock- und Reitplatzplatten. Auch hier ist die Produktpalette gross, ebenso wie die Preisunterschiede. So gibt es sehr günstige Anbieter, die schon bei 9 € pro m² anfangen, welche aber nur mit Unterbau zu verlegen sind. Dann gibt es Platten zwischen 12-17 € welche sich mit Unterbau und minimal Unterbau verlegen lassen. Und zuletzt Platten ab 17 €, welche auch ohne Unterbau auf Matsch zu verlegen sind.

Eigentlich war die Idee nicht schlecht, Platten direkt in den Matsch zu legen und so durch den Winter zu kommen. Liest man aber durch die verschiedenen Gruppen dann ist auch das nicht immer die ultimative Lösung. Auch da versanken die teuren Platten zeitweise völlig im Matsch, oder wurden uneben und zerbrachen. Sie mussten dann aus dem Matsch ausgehoben und mit Unterbau neu verlegt werden, da auch die teuersten Platten nicht jedem Regen- / Matschwetter standhielten.

Nun dieses Risiko einer Neuverlegung wollte ich nicht eingehen. Denn bei meinem Glück hätte ich die Platten verlegt und wäre dennoch im ersten Winter abgesoffen. Und mitten im Winter alte Platten aushebeln und mit einer Drainage neu verlegen, danach stand mir auch nicht der Sinn. Ebenso wollte ich auch nicht die günstigsten Platten testen, da sie wirklich stark belastet werden durch Wasser, wie auch hüpfende Pferde. Denn Frau Alpenpanzer liebt es in den Stall rein und raus zu hüpfen, statt ihn angemessen zu betreten. Haflinger halt …

Ich landete dann schnell bei den Ridcon Pro Grid 40 Platten, welche mir sofort zusagten. Sie sind unheimlich stabil, haben eine solide Verzahnung und die Firma bietet neben einer Anleitung für den Aufbau auch einen unheimlich freundlichen Kundendienst. Nach einigen Mails waren sie sofort bereit mein Projekt zu unterstützen, ebenso die Schritt für Schritt Anleitung, welche es geben wird, sobald ich mit dem Paddock fertig bin. Ich schieße derweil schon fleißig Bilder für euch.

Da die Platten mit einem Unterbau verlegt werden sollen, braucht es natürlich noch einiges an Sand, Kies und Splitt. Da ich mit der Zutatenliste der Ridcon-Seite gut gerüstet war, nutzte ich einen Onlinerechner um die benötigte Menge zu errechnen. Ich war ehrlich gesagt erstaunt, wie viel Tonnen an Kies, Splitt und Sand da zusammenkommen. Natürlich konnte ich solche Mengen nicht in meinem Corsa transportieren und auch ein kleiner Anhänger hätte solche Mengen nicht geschafft. Also fuhr ich zum ansässigen Baumarkt, welcher Big-Bags und Schüttgut, wie auch Lieferung anbietet.

Mit meiner Zutatenliste fühlte ich mich gut gewappnet und schnappte mir den nächsten freien Verkäufer. O.k., das war keine gute Idee, denn dieser fühlte sich gleich berufen mir klarzumachen, das ich als Frau ja mal gar keine Ahnung habe. Und meine Zutatenliste sei auch falsch und was seien Paddockplatten überhaupt?

Spätestens nach der Frage hatte er sich schon bei mir disqualifiziert. Dennoch wollte ich ja die Preise für Kies und Co. wissen, also ließ ich ihn reden und beantwortete bereitwillig seine Fragen. Irgendwann dämmerte es ihm, das Paddockplatten wohl so etwas Ähnliches seien wie diese Rasengitterplatten, welche sie auch vertreiben. Und wumms, wollte er mir diese andrehen, da sie ja viel besser und billiger seien. Ich habe das dann dankend verneint, und bin mit der Preisliste für Schüttgüter geflüchtet. Von den horrenden Preisen einmal abgesehen, mag ich es nicht wirklich, wenn man mir etwas andrehen will, oder mir mehrfach erzählt »das eine Frau sowas nicht kann«.

Ich überlege ernsthaft ihm Bilder zu präsentieren, wenn ich fertig bin, à la Frau kann das doch. Nicht das ich nachtragend bin, ich bin nur nicht so vergesslich wie gewünscht. 😉

Ein Besuch bei dem Heudealer meines Vertrauens war dann jedoch erquickender. Denn dieser weiß, dass ich Bauprojekte nicht nur anpacke, sondern auch gnadenlos durchziehe. Er schnappte sich meine Zutatenliste und versprach mir alles bei den verschiedenen Kieswerken zu besorgen. Ebenso wollte er es mir an den Stall liefern und bei der Verteilung helfen. Das war mir mehr als Recht, denn endet mein Stall in einer Sackgasse ohne große Wendemöglichkeit. Ein LKW des Kieswerkes wäre hier zwar hin, aber nie wieder raus gekommen.

Das Kies, Splitt und Sandproblem war ich also vorerst los, denn mein Bauer ist vielleicht ein wenig chaotisch, aber sehr liebenswert und hilfsbereit. So wartete ich gespannt auf meine Ridcon-Lieferung. Wenig später rief die Transportfirma an, um einen Liefertermin aus zu machen. Da am Stall wie erwähnt kaum Wendemöglichkeiten sind, ließ ich die Platten zu mir nach Hause liefern. Außerdem wollte ich die Platten bis zur Verlegung nicht am Stall lagern, wurde dort ja schon alles geklaut, was nicht bei 3 auf dem Baum war. Und nachdem mir schon von der Schubkarre über Mistgabel, Heckenschere bis zur angebrochenen Zaunlasur alles gestohlen wurde, wollte ich dieses Risiko bei den Platten nicht eingehen.

Als die Platten geliefert wurden, waren es netterweise 33 Grad, bei knalligem Sonnenschein. Gefühlt waren es eher 50 Grad in der Sonne. Der Fahrer lud die Paletten ab,  stellte sie mir vor den Hauseingang und verkrümelte sich dann in sein Klimaanlagen gekühltes Fahrerhaus. Während meine Nachbarn gegenüber den Rasen sprengten und ich sehnsüchtig auf das kühle Nass blickte, machte ich mich dann daran die Paletten abzuladen. Das stellte sich übrigens als nicht ganz so einfach heraus, denn ich bin ja nur Schlumpfengroß, und die Palette war bis 2,20 m gestapelt. Aber selbst ist die kleine Frau. So kletterte ich auf das Leiterchen, packte die Platten runter und lief mit mehreren Platten bestückt X Mal durch den Hausflur, um sie im Hof wieder zu stapeln. Ich denke meine Nachbarn die das beobachtet haben, halten mich nun für verrückt. Wobei das haben sie sicher vorher auch schon gedacht.

Nachdem ich nach Luft japsend dann alle Platten verstaut hatte, kam die große Vlies-Rolle dran. Diese war mit ihren ebenfalls 2,20 m sehr lang und mit ihren 50 m nicht gerade leicht. Im Auto wurden also wieder die Rückbank, so wie der Beifahrersitz umgelegt und ich zerrte, schob, wuchtete und zog die Rolle ins Auto hinein. Während ich dies tat, hatte ich die ganze Zeit das Bild vor Augen, dass sich so ein Mafiaboss fühlen muss, welcher Geiseln oder Leichen im Teppich eingerollt entsorgt.

Nun meine Leiche schaffte ich sicher zum Stall und auch da zerrte und zog ich wieder, bis die Rolle aus dem Auto war. Da ich den Boden schon vorher von Gras befreit und geebnet hatte, konnte ich das Vlies dann recht schnell verlegen. So dünn das Material auch ist, es ist unheimlich strapazierfähig. Ich war sehr überrascht, dass es bei Belastung nicht einreißt. Nein, es ließ sich nicht mal per Hand zerreißen.
Mit einer Schere konnte es aber gut zurechtgeschnitten und somit angepasst werden.
Nachdem ich also nun das Vlies verlegt und mit Reifen beschwere habe, warte ich nun auf meinen Kies. Dieser wird hoffentlich im Laufe der Woche kommen.

Fortsetzung folgt …

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Wenn man immer alles vorher wüsste

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr habt die heißen Tage gut überstanden und euch gut erholt?

Auch wenn man es eigentlich bei dem heißen Wetter nicht machen sollte, ich habe mal wieder zu hohes Gras und Unkraut bekämpft. Ich nutze dazu immer meine Akku-Heckenschere als Sense, welche sich dabei wirklich gut schlägt. Vielleicht sollte ich dabei eine schwarze Robe tragen. So ein Sensenmann-Outfit wäre dazu sicher ein Spaß um die Spaziergänger zu erschrecken. Weniger spaßig ist das ich es – mal wieder – geschafft habe phototoxische Pflanzen zu erwischen. Natürlich habe ich mir dabei wieder Verbrennungen durch den Pflanzensaft zugezogen. Nur diesmal nicht nur an den Armen, sondern leider auch an Hals und Kinn.

Ja ich hätte es mir denken sollen, passiert mir das ja schließlich nicht zum ersten Mal. Sicher wäre etwas mehr Vorsicht beim Mähen sinnvoll gewesen. Es hätte mir auch einiges an Schmerzen erspart. Aber man denkt eben nicht immer an alles. Oft vergisst man die Schutzkleidung wenn man ›schon mal an der Arbeit dran ist‹ . Oft unterschätzt man jedoch einfach die Gefahren, weil man schlicht weg in Gedanken ist.
Ja, es war wirklich knackeblöd von mir, dass ich vergessen habe, dass meine phototoxischen Freunde im hohen Gras versteckt lauern können und dazu der Sonnenschein diese fiese Hautverletzung auslöst. Ich habe es vor lauter Stress und Aufregung wegen meinem neuen Projekt einfach vergessen.
Kommen dann Kommentare wie: »Also das hättest DU ja wissen müssen, es ist ja nicht das erste Mal«, dann möchte ich in die Tischkante beißen.
Ja, ich hätte es wissen können, aber müssen? Muss man immer alles wissen und bedenken? Und jene Personen, die dann herablassend lächeln und gute Ratschläge geben, möchte man doch gleich gefesselt, nackt und mit Honig beschmiert auf einem Ameisenhaufen aussetzen.

Manchmal, wenn ich durch die Foren zappe, dann denke ich wirklich das manche Menschen mit der allwissenden Müllhalde  von den Fraggles verwandt sein müssen. Teufel noch mal, was die immer alles vorher gewusst hätten, da müsste man die doch glatt mal nach den Lottozahlen für das kommende Wochenende fragen.

Allseits beliebt ist nun zum Herbst und Winter die Matsch-/Paddockfrage. Oft kommen nach dem ersten Regen viele Postings von Weiden und Ausläufen, welche im Matsch versinken. Manche waren unbefestigt, andere einfach unzureichend befestigt, weil die Bodenverhältnisse unterschätzt oder die Qualität mancher günstigen Paddockplatte überschätzt wurde.
Und dann kommen die Sprüche à la ›Das weiß man aber vorher, dass dies alles vermatscht‹ gefolgt von ›Man weiß ja, dass man für den Winter befestigen muss‹, bis zum Endziel ›Kein Wunder, dass man alle Offenställe für Schlammlöcher hält, wenn man sowas sieht.‹ Dann möchte ich im Kreis brechen.
Auf verzweifelte Rechtfertigungsversuche der Postersteller wird nicht reagiert, denn die allwissende Müllhalde Marjorie wird diese nicht gelten lassen. Klar hinter dem PC versteckt, ohne die genauen Umstände und Bodenverhältnisse vor Ort zu kennen, ist das auch wirklich einfach. Da kann man gleich los poltern und schimpfen, und ein paar Ratten die Marjorie zur Hand gehen werden sich auch sicher finden.

 

Aber betrachten wir die Lage doch einmal neutral:
Als ich ein Kind war, da gab es heiße Sommer, die man wochenlang im Freibad verbringen konnte und eiskalte Winter. – Winter die monatelang lausig kalt waren.

  • Winter, welche Eisblumen auf die Fenster zauberten.
  • Winter, mit genug Schnee für Schneemänner, Iglus und Schneeballschlachten.
  • Winter, in denen Schneemänner wochenlang ‘überlebten‘.
  • Winter, in denen wir täglich von unseren Eltern in Schneeanzüge gesteckt wurden.
  • Winter, in denen immer von Hand getränkt werden musste, weil alle Wasserleitungen einfroren.
  • Winter, in denen das Saftfutter gefror, wenn man es am Stall aufbewahrte.
  • Winter, in denen der Schnee so hoch war, dass er den Endmaßponys bis zum Bauch reichte.
  • Winter, in denen wir den Schlitten mit zur Schule schleppten, nur um nach Schulende gleich die Rodelwiese runter zu sausen.

 

Ja, die Winter zu meiner Kinderzeit waren anders. Sie waren kalt, dunkel, lang und eisig. Für die Pferde bedeutete das entweder Boxenruhe oder Auslauf auf gefrorenen Böden oder Schnee. Oft lag so viel Schnee, dass die Pferde gefahrenfrei auf den Weiden toben konnten, was sie auch mit Genuss taten. Und kam dann doch mal das Tauwetter, dann gab es etwas Matsch und Pratsch. Aber meist wurde es danach wieder sehr schnell kalt und frostig. Dauerhafte Matschwinter gab es nicht oder wenn nur sehr selten.

Nun mittlerweile werden die Winter immer milder. Der Prozess begann langsam und schleichend. Die frostigen Zeiten wurden immer weniger, dafür gab es dann mildes Wetter und Regen. Und während man sich im ersten verregneten Winter noch darüber lustig machte, dass sich der Winter als Herbst verkleidet, merkt man ab dem zweiten Winter voller Regen das uns der Klimawandel wirklich erfasst hat. Etwas das wir eigentlich oft ausblenden, wenn wir ehrlich sind. Spätestens nach dem zweiten verregneten Winter wird uns klar das wir damit rechnen müssen, das es eventuell nicht mehr besser wird. Das wir nicht mehr auf frostige Winter hoffen können oder sie eher die Ausnahme statt die Regel werden. Gut möglich, dass der Wettergott uns zwar doch noch den einen oder anderen kalten Winter beschert, aber verlassen kann man sich darauf nicht mehr.
Ausläufe, die früher bei frostigen Winter ausreichend und trocken waren, sind es bei Dauerregen nun eben nicht mehr. Reichte früher ein Hektar Winterweide als Auslauf, hat man nun eine Matschfläche die weder Mensch noch Pferd Freude bereitet.
Und da der Übergang zu diesen verregneten Wintern so sanft und schleichend war, hilft es auch nicht wenn uns Marjorie erzählt: »Das man das hätte wissen müssen.«

Wir müssen nicht alles vorab wissen und planen, aber wichtig ist, dass wir den Moment erkennen, wenn wir handeln müssen. So ist nun nach einigen verregneten Wintern der Moment gekommen in welchem wir begreifen müssen, das der Klimawandel uns im Griff hat. Lösungen, die früher für trockene Pferdehufe gesorgt haben, werden nun nicht mehr ausreichend sein. Also sollte man planen und überlegen was sich optimieren lässt, um auch bei Dauerregen einen matschfreien Auslauf bieten zu können.

In meinem Fall ist es nun eine Befestigung für Eingänge und Raufen, die ich in Angriff nehme. Die ersten 10 Winter waren problemlos, die letzten 2 aber nass und matschig. Um da also weiter vorzubeugen, wird nun eine Befestigung mit Drainage und Paddockplatten in Angriff genommen. Herzlich bedanken möchte ich mich da schon einmal bei der Firma Ridcon, die dieses Projekt so großzügig und mutig unterstützt.
Denn die Bodenverhältnisse, die ich für den Testbereich ausgewählt habe, sind alles andere als einfach. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Winter mit den Paddockplatten verlaufen wird. Momentan bin ich bei der Bodenvorbereitung und warte sehnsüchtig auf meine Lieferung. Wie immer wird es bei mir eine Schritt für Schritt Anleitung dazu  geben, mit vielen Bildern. Aber auch mit einigen Tagebucheinträgen werde ich euch sicher zum Lachen bringen. Denn auch wenn Ridcon hervorragende Platten und eine Anleitung zum Aufbau liefert, ich wäre nicht ich, wenn meine tollpatschige Art nicht noch für das eine oder andere Chaos sorgen würde.

Von daher flauschige Grüße, ich halte euch auf dem Laufenden,
Celeste

Wenn man immer alles vorher wüsste

Ein Pferd mit vielen Namen

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, es ist euch gut ergangen? Mittlerweile haben wir die Hitzewelle fast wieder hinter uns und ich gestehe, zu einer Abkühlung würde ich nicht ›Nein‹ sagen. Aber ich beschränke mich darauf, die Pferde abzuwaschen und mich selber mit Eis zu verwöhnen.

So auch gestern, als ich mit meiner Eisausbeute in der Schlange an der Kasse stand und die Familie vor mir beobachtete. Wie immer zu dieser Jahreszeit tauchen nicht nur bald die Weihnachtssüßigkeiten wieder in den Regalen auf, nein, an der Kasse sind nun auch wieder die Überraschungseier im Kassenständer zu finden.
Nun die Kinder vor mir fanden sie auch, mit gierigen verschwitzten warmen Händen und einem offenen Mund. Wenigstens da griff dann doch noch die Mutter ein: »Chantall nimm da Djustin dat Ei weg, der hat schon was von de Omma bekommen. Und de Shanaia krischt en Bueno, die will dat Ei eh nich«, sprach sie, während das Schokoladen Ei im Mund von besagter Shaneia verschwand.
Bevor einer fragt, nein die Namen sind kein Witz und waren alle in dieser Kombination.
Mein tiefstes Mitleid ging an die Kassiererin, die in stoischer Ruhe die angesabberte Verpackung über den Scanner ziehen musste. Dennoch fragte ich mich die ganze Zeit: Wie zur Hölle man seinen Kindern solche Namen geben kann? Haben die zu viel TV geschaut und wenn ja, welche Sender? Oder werden die Kinder jetzt schon bestraft für die Zukunft? Man weiß es nicht …
Mein Mitleid hatten die Kinder gewiss, nicht nur wegen der originellen Erziehung, sondern auch wegen der Namen. Denn Namen sind machtvoll und sagen unheimlich viel über den Träger aus.

Das gibt es auch bei Pferden, die von ihren Besitzern gerne mit Spezialnamen belegt werden. Namen oder Bezeichnungen, welche das Pferd näher beschreiben sollen. Die darüber Aufschluss geben sollen, was man da genau vor sich hat. Damit auch der letzte Depp merkt, wie besonders und einzigartig das eigene Pferd ist. Einige Pferdehalter sind sehr stolz auf diese Titel und ich habe sie daher mal ein wenig unter die Lupe genommen.
Ich bitte allerdings darum, die Beschreibungen mit Humor zu nehmen. 😉

Das Schlachtpferd:

Hier hat man doch fast gleich einen Orden verdient, wenn man sich eines ehemaligen Schlachtpferdes rühmen kann. Schließlich rettet man doch ein Pferdeleben. Zumindest glauben das viele Pferdebesitzer, die sich von Händlern wie Organisationen über den Tisch ziehen lassen.

Dazu wird ähnlich wie bei einem Problempferd jedes schlechte Benehmen und Verhalten entschuldigt. Schließlich wusste Puschel ja, dass er ein Schlachtfohlen war. Jeden Tag kam der Metzger an und flüsterte ihm ins Ohr: »Du bist der Nächste« und dann zeigte er ihm Handyvideos von Schlachtungen, bis Puschel weinend um Gnade flehte.

Dass auch andere Pferde oft schadlos bei Händlern stehen, welche nebenbei auch Schlachter sind, wird gerne übersehen. Nein, das eigene Schlachtpferd wusste ganz genau, was mit ihm passieren würde und ist nun dankbar über Muttis rettende Ärmchen.

Das Problempferd: (Ja, schon wieder. :-P)

Das Problempferd ist ein absolutes »Must Have« geworden, wenn man cool wirken will.
Denn zum einen wirkt man auch als schlechter Reiter wie der Pferdeflüsterer schlecht hin, wenn man sein Problempferd therapieren möchte.
Zum Anderen können damit die eigenen Fehler und Wissensdefizite wunderbar verschleiert werden. Schließlich ist an allen Reitfehlern und schlechtem Benehmen/Unarten immer das Problem des Problempferdes schuld. Als Reiter hat man also eine Universalausrede, die immer wirkt und dazu noch den Glanz eines Profitrainers auf einen strahlen lässt. Schließlich kommt ja nicht jeder mit SO einem Pferd klar.
Das meist kleinere Erziehungsfehler hier den Ausschlag geben ist völlig egal. Denn es ist einfach viel eindrucksvoller, wenn man sagt, dass sein Pferd die Hufe nicht geben mag, weil es ein Problempferd ist, statt zu sagen, dass man einfach die Erziehung verbockt hat.

Das misshandelte Pferd:

Die gibt es neuerdings auch wie Sand am Meer. Das Puschelchen verhält sich nicht wie erwartet und zeigt einem den Fuckhuf, dann wurde der früher ganz (ganz, ganz) sicher misshandelt! Es kann ja nicht sein das es an den eigenen mangelnden Ausbildungskünsten liegt, oder einer unpassenden Haltung oder Fütterung. Es muss misshandelt und geschlagen worden sein. Schließlich beißt er ja schon beim Satteln, da gab es sicher Schläge früher. Dass der Sattel nicht passt und der Sattelgurt angezogen wird wie von Hulk persönlich, ist natürlich keineswegs der Ursache für das Verhalten. Schließlich liegen bei einem misshandelten Pferd die Fehler ja nie beim jetzigen Besitzer.
Viele Pferdebesitzer wollen förmlich glauben das ihr Pferd früher ein schreckliches Leben geführt hat . Dabei vergessen sie, dass wirklich die wenigsten Pferde derart misshandelt werden. Und eine konsequente Erziehung und Ausbildung ist nun auch keine Misshandlung, die ein Pferd zum Pferdepsychiater aufs Sofa treibt.

Das traumatisierte Pferd:

Reichen Problempferd und misshandeltes Pferd nicht mehr aus um genug  Eindruck zu schinden, dann muss ein Trauma her. Traumatisierte Pferde sind toll, denn das Trauma ist eine klasse Entschuldigung, für alle Dinge die Puschelchen nicht tun will. Vor allen Dingen auch für alle Sachen an denen man als Besitzer nicht arbeiten will! Denn sein Pferd erziehen, oder an unangenehme Sachen zu gewöhnen ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Das wird auch mal unschön und sollte daher nur von ausgebildeten Personen versucht, oder wenigstens überwacht werden. Und wenn man daran nicht arbeiten möchte, dann holt man das Trauma heraus. Damit hat man die offizielle Antwort, um jeder Kritik an Puschels Verhalten zu begegnen. Er kann ja schließlich nichts dafür, wenn er das Stallpersonal am Strick zur Weide schleift und dabei der eine oder andere Huf den Pfleger trifft. Und da er ein absolutes Führtrauma hat muss man das eben akzeptieren. Schließlich kann man nicht daran herum üben und das arme Hascherl noch mehr verschrecken. Zumindest glauben das einige Pferdebesitzer welche mit dem Trauma jegliches Verhalten so verteidigen.

Seelenpferd:

Nur damit kann man wirklich seine innige Beziehung zu seinem Pferd verdeutlichen. Lieblingspferd, Herzenspferd das ist alles out. Das Seelenpferd ist die Bezeichnung für die zauberhafte Verbindung, die fast schon telepathische Wege nimmt. Dabei ist es völlig egal ob man nur eine  Reitbeteiligung ist, die einmal in der Woche vorbei schaut, oder seit 20 Jahren  Pferdebesitzer ist, welcher Tag für Tag mit seinem Pferd zusammen ist. Seelenpartner erkennen sich auch nach 5 Minuten. Und wer das nicht glaubt ist sicher nur neidisch!
Dabei gibt es wirklich tiefgreifende Beziehungen zwischen Mensch und Pferd, allerdings bei weitem nicht in der Menge, wie sie uns die heile Internetwelt vorgaukeln will.

Das Sportpferd:

Wenn man Turniere reitet, muss man auch jedem Vollpfosten klar machen, dass man ein besonderes Pferd hat. Es ist völlig egal, ob man zum Weihnachtshofturnier einmal im Jahr startet, oder in Saisonzeiten von Turnier zu Turnier schippert. Die weiße Reithose und das Jackett zeigen zwar auf den Sportevents das man sich zur Elite dazu gehörig glaubt, aber auch das gemeine Fußvolk muss – mit der Betitelung Sportpferd – ständig auf den Unterschied zum Feld Wald und Wiesegaul aufmerksam gemacht werden.

Freizeitpferd:

Alle die es ein wenig Alternativer mögen rühmen sich gerne mit der Aussage: »Das brauche ich nicht, ich habe ja nur ein Freizeitpferd.«
Als ob ein Freizeitpferd keine vernünftige Ausbildung oder Ausrüstung braucht. Nein, im Hippi-Kleidchen und mit Blümchen im Haar wird durch Feld und Flur gehöppelt, frei dem Motto: Gymnastiziertes Arbeiten, egal in welcher Reitweise, ist was für Spießer.

Ihr seht, es gibt viele Namen für gute Ausreden, und wenige Pferde, die wirklich eine solche Bezeichnung wie oben verdient haben. Gerade für die Personen die wirklich mit traumatisierten oder misshandelten Pferden arbeiten, ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn jede Uschi ihren Zossen ebenso nennt, nur weil er nicht gerne Hüfchen gibt.
Oder die Reiter die wirklich viel Zeit und Geld in jede Turniersaison stecken, und klein Chantall ihr Zottelpony, das einmal im Jahr ein Weihnachtsspringen meistert, ebenso Sportpony nennt.
Bitte verzeiht, dass ich es etwas überspitzt ausgedrückt habe, aber all diese Beispiele habe ich schon mehrfach live und in Farbe erlebt.

Eigentlich haben wir doch alle Pferde die wir lieben, die wir ausbilden, umsorgen und mit denen wir gerne Zeit verbringen. Braucht es spezielle Kategorien um sich von dem Rest abzuheben? Muss unser Pferd für ANDERE Menschen etwas besonderes sein? Reicht es nicht, wenn wir seine inneren Werte erkennen und wissen das es für uns unersetzlich ist? Namen und Titel sollten doch niemals eine Entschuldigung sein, um nicht am Verhalten unserer Pferde zu arbeiten.

Ich nenne meine Pferde einfach »die Liebies« oder »Hoppies«. Eine Bezeichnung, welche meine Freundin meinen Pferden gab. Sie sind keine Schlachtpferde, keine Problempferde, wurden nicht misshandelt oder sind traumatisiert.

Sie sind einfach normale Pferde und vielleicht stink langweilig falls man damit angeben möchte, aber das muss und will ich nicht. Ich mag meine normalen, langweiligen Pferde.

In diesem Sinne, flauschige Grüße
Celeste

Ein Pferd mit vielen Namen

Das Immenhofmädel in mir

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr habt mich vermisst?
Mittlerweile habe ich das Gefühl, der Sommer war nicht einmal richtig da, und der Herbst steht schon vor der Türe. Zumindest weiß das Wetter bei uns nicht wirklich, was es will. Mal regnet es, dann scheint eine Stunde später wieder die Sonne und wieder eine Stunde später, ist der Himmel dunkel. Als ich eben nach dem Stallbesuch wieder im Auto saß und den Pferden beim Grasen zu schaute, fiel doch glatt ein gelbes Blatt auf meine Windschutzscheibe, und dann noch eines und noch eines. Mein Blick wanderte in die Baumkronen und tatsächlich breitet sich dort so langsam das zarte Gelb in den Blättern aus. Wo ist nur der Sommer geblieben? Hatte ich nicht gerade erst den nassen Winter überstanden?

Irgendwie verfliegt die Zeit stetig, zu sehr nimmt einen die Arbeit, der Haushalt, die privaten Dinge, aber auch alles rund um die Pferde gefangen. Denke ich darüber nach, wie lange ich schon Pferde halte, dann wird mir anders. Nicht weil diese Zeit nicht wunderschön war / ist, sondern weil mir bewusst wird wie viele Jahre, schon wie im Flug vergangen sind.
Sicher ich habe unendlich viel erlebt in dieser Zeit, und ich bin sehr dankbar für alle Gelegenheiten, die sich mir boten und auch weiterhin bieten werden. Und doch hat sich seit meiner Jugend viel verändert. Zum Positiven muss man eindeutig bei der Pferdehaltung erwähnen. Denn aus herkömmlicher Boxenhaltung oder gar Ständerhaltung mit wenig oder gar keinem Auslauf, sind immer mehr Stallbesitzer zu großzügigen Boxen mit viel Auslauf, wie auch Offenställen umgestiegen. Auch wenn da noch nicht alle umgerüstet haben, so ist der Wandel im Laufe der Jahre doch wirklich als positiv zu erachten.

Was mir aber manchmal ein wenig fehlt, ist das Immenhof-Feeling, das wir damals als Kinder erlebt haben. Denn schaue ich durch so manche Pferdegruppe dann bin ich fast traurig wie sich die Reiterszene entwickelt.

Während wir früher:

  • Mit Jeans und Gummistiefeln auf dem Pony saßen
  • Eine rutschende Samtkappe mit Gummizug besaßen, die so viel schützte wie ein Kaninchenfurz
  • Barfuß die Pferde von der Weide holten
  • Ohne Sattel auf den Weiden Wettrennen bestritten
  • Ohne Sattel mit Wassergläsern in der Hand gesprungen sind
  • Über Blätterhaufen von Rübenfeldern gehüpft sind (mit Erlaubnis der Bauern)
  • Über Stoppelfelder gesaust sind und Wettrennen gemacht haben (mit Erlaubnis und vorherigen Abgehen im Schritt zwecks Löchersuche)
  • Wir mit den Ponys Wettrennen machen konnten, ohne das sie durchgingen
  • Stundenlang bei der Heu- und Strohernte geholfen haben, ohne murren, aber voller Stolz, dass man helfen durfte
  • X Boxen gemistet haben, auch wenn es nicht die eigenen waren, einfach aus Spaß
  • Kehren und fegen ein Wettstreit war unter den Stallmädels
  • Stundenlang zusammen mit anderen Mädels Sattelzeug geputzt und getratscht haben
  • Pflegepferde statt Reitbeteiligungen gehabt haben
  • Auf den Pferden stehend das Obst aus den Bäumen pflückten
  • Statt Knotenhalfter und Spezialzäumung einfach Halfter und Trense benutzten
  • Zubehör in den Farben Braun und Schwarz, allenfalls Blau und Grün besaßen. Mit Stirnriemen aus Plastik statt Bling Bling
  • Stundenlang Rüben sauber gemacht haben, selbstredend für den gesamten Stall
  • Wundversorgung erlernt und übernommen haben, wann immer es nötig war
  • Usw.

Die Zeiten waren einfach anders und was auch immer wir anstellten, wir waren unter den wachsamen Augen der Stallbesitzer, Stallmeister, Reitlehrer und Bauern. Sicher gab es  mal den ein oder anderen Unsinn, aber alles was den Pferden geschadet hätte, wäre mit einem Donnerwetter geendet. Damals galten diese Personen noch als Respektspersonen die einem im Zweifel auch das Fell über die Ohren zogen. Die eigenen Eltern waren dann übrigens nicht wie heute zeternd mit einem Anwaltsschreiben zur Stelle. Nein, von denen gab es dann gleich noch eine drüber, falls man den Stallmeister verärgerte. Im Stall hatte man sich zu benehmen, und das Wort von Stallbesitzer / Stallmeister / Bauer / Reitlehrer hatte Respekt verdient.

Schaue ich nun durch die Gruppen dann sehe ich eine neue Generation Reiter:

  • Eine die oft sehr unvorbereitet an das Thema Pferd heran geht, da ihnen die Ausbildung bei einem Pflegepferd fehlt.
  • Mädchen, die nach ein paar Reitstunden eine Reitbeteiligung nehmen und sich wundern warum ihnen das Pferd auf der Nase herumtanzt.
  • Mädels, die Reitbeteiligungen wechseln wie Unterhosen, weil sie nie mit einem Pferd zurechtkommen, statt zu begreifen, dass der Fehler an ihnen liegt.
  • Eltern, die lieber Geld in ein eigenes Pferd oder eine Reitbeteiligung stecken, statt ihre Kinder auch mal für ihre Ausbildung arbeiten zu lassen. Denn oft kommt da der Spruch:
    »Also misten und das schmutzige Pferd putzen muss de Tschackeliiineee nicht, die soll ja reiten.«– Kinder, die einen ganzen Schrank voll Schabracken oder anderen Zubehör Sammelkollektionen besitzen, aber kein Geld in die eigene Ausbildung, oder die des Pferdes investieren wollen. Natürlich sind nicht alle so, aber auch das habe ich oft genug erlebt.
  • Mädels, die nicht wissen, wie Sattelzeug geputzt wird (ja, auch da habe ich schon mehrfach gelesen, wie man Schimmel entfernen soll)
  • Mädels, die eine Facebook Scheinwelt präsentieren mit Wallekleidchen und Freilaufbildchen, aber bei den normalen Reitkünsten hapert es an allen Stellen.

Die neue Generation ist oft mehr Schein als Sein.
Statt gut gerittener Ponys, welche mit einem durch dick und dünn gehen, hat man nun coole Problempferde, die alle traumatisiert sind. Diese müssen dann gerettet und mit Halsring und Wallekleid fotogerecht durch die Pampa gejagt werden. Auf eine Sicherheitstrense muss man aber verzichten, denn sonst fehlt ja der Showeffekt für die Facebook-Fraktion.
Und das sind dann Sachen, bei denen ich im Kreis brechen möchte, denn auch da hätte damals der Spaß aufgehört.
Freilauf oder Halsring im Gelände?
Die Bauern hätten uns von unseren Pferden geholt und uns den Arsch versohlt. Nur um uns dann bei dem Stallbesitzer und unseren Eltern zu verpetzen, was dann ebenso mächtig Ärger gegeben hätte. Nein, damals waren wir eher stolz darauf, dass wir tolle Ponys hatten. Welche die gut geritten waren und sich nicht mit dem Problempferdstatus rühmen konnten. Wir sind täglich geritten, haben die Ponys auch zum Eisessen oder zur Buchhandlung im Nachbardorf mitgenommen. Dort konnten wir sie sogar vor der Türe anbinden ohne das Chaos entstand. Sie waren straßen- und verkehrssicher in allen Lagen, weil es geübt und darauf Wert gelegt wurde. Und wenn wir abends dann mit der Futterschüssel in der Hand vor unserem schmatzenden Pony saßen, oder vor Müdigkeit in der Box auf ihm liegend einschliefen, dann war die Welt in Ordnung.

Ich bedaure  die heutige Jugend ein wenig für alles, was ihnen entgangen ist. Sicher mag die Pflegepferdzeit kein Zuckerschlecken gewesen sein. Es war harte Arbeit und wir wurden  oft als billige Arbeitskräfte ausgenutzt. Aber wir haben so viel im täglichen Umgang rund um die Pferde gelernt, was den meisten Reitbeteiligungen und Reitschülern gerade in der heutigen Zeit einfach verwehrt bleibt.

Ich kann daher nur raten etwas mehr Immenhof-Feeling zuzulassen, und etwas weniger  Wert auf Marken, und eine Internet-Scheinwelt zu legen.
Pimpt euch allerdings mit gut sitzenden Kappen und sicherem Schuhwerk und verzichtet nicht auf eine ausreichende Zäumung im Gelände. Und wenn ihr dann das Trippel-Trappel-Pony-Lied im Ohr habt, dann denkt daran: Die Zeit verfliegt viel zu schnell. Nutzt sie für eine vernünftige Ausbildung mit euren Ponys und Pferden. Habt Spaß im Stall und genießt eure Zeit. Denn auch wenn wir später alle alt und grau sind, das Immenhofmädel wird immer in uns stecken.

In diesem Sinne, flauschige Grüße
Celeste

immenhof

Selbsternannte Trainer und andere Plagen

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, ihr habt mich vermisst? Letzte Woche habe ich es mal wieder geschafft mich auf die Nase zu legen. Nein, nicht zusammen mit dem Pferd oder gar von dem Pferd. Das kann ja jeder … Ich mache das daneben, beim Spazierengehen, wenn ich mit Herrn Pony unterwegs bin.
Ich meine da soll mal einer sagen ‘Reiten sei ein gefährlicher Sport’. Ich schaffe es, mich NEBEN dem Pferd lang zu legen. Gut, ich muss dazu sagen, die Straße war abschüssig und ich bin auf einen Kieselstein getreten. Dieser hat mich ähnlich einer Bananenschale derart aus dem Gleichgewicht gebracht, dass es mich schwungvoll lang gelegt hat. Elegant war es sicherlich nicht und in der B-Note gab es garantiert die Bewertung ‘betrunkene Schildkröte auf Koks‘.
Nur gut, dass Herr Pony bei mir war, denn ich habe mir Knöchel und Sehnen böse  angeschlagen bei meinem Salto. So habe ich mich an ihm hochgezogen und ihn humpelnd als Krücke benutzt. Braves Ponylein, du bist unersetzlich!

Da mein Bein eine Ruhepause benötigte, habe ich mal wieder viel Zeit im Internet verbracht. Ich meine wie sollte man auch sonst seine Zeit nutzen, wenn man sich schonen soll? Und natürlich bin ich wieder über einige Dinge gestolpert, die mich zu einem Sonntagsbeitrag angeregt haben.

Momentan ist es wieder sehr modern altbewährten Dingen aus dem Weg zu gehen. Nicht das alle alten Sachen gut sind und alles Neue schlecht, aber der Trend geht mal wieder zu neuen Wegen und Lösungen. Sprich, ist das Pferdchen eine unerzogene Kakerlake, welche dem Besitzer auf dem Kopf rumtanzt, dann muss es nicht einfach erzogen werden. Nein, der Besitzer muss sich nicht in Selbstreflexion üben und sein Handeln überdenken. Es müssen kreativere Lösungen her.

So braucht der unerzogene Pferdeteenager auf jeden Fall:

  • Eine Haaranalyse
  • Einen Tierkommunikator
  • Einen Futtermittelberater
  • Einen Tierheilpraktiker
  • Einen Pferdehomöopathen
  • Einen Tierpsychologen
  • Einen Bachblütentherapeuthen

Am besten noch alles zusammen in einer Person. Mehr bringt schließlich mehr, vor allen Dingen Geld. Und als möchtegern Profi in allen Bereichen, macht das werbemäßig einfach ein Bild von einem Allroundtalent.
Wenn das nichts nützt, dann braucht man auf jeden Fall einen Pferdetrainer, der nach individuellen und sehr abstrakten Methoden arbeitet. Normales Jungpferdetraining oder Horsemanship ist da schon zu langweilig. Da müssen spezial Trainer ran, die nach indianischen Methoden arbeiten. Welche die flüstern, mit Körperbewusstsein arbeiten, die mit Pferden tanzen, singen, Klangschalen rühren und Walgesänge anstimmen. Auch das Stallgebäude farblich Feng-Shui mäßig aus- und eingerichtet wurden, habe ich schon erlebt. Da wurde sogar darauf geachtet, dass die Farbauswahl keine negativen Energien auf die Libido des Hengstes ausübt.
Je abstrakter umso besser. Denn man will sich ja von den herkömmlichen Methoden der normalen Trainer abgrenzen. Nur was auffällt und anders ist, kann sich in der Masse an Internettrainern abheben und Geld bringen.
Um das Ganze noch zu unterstreichen bietet man natürlich auch Spezialzubehör an: Spezielle Halfter, Gerten, Decken und Zusatzfutter. Hilfszügel, welche die Wirkungsweise des ach so neuen Trainings, noch unterstreichen sollen. Allerdings leert auch das eher wieder die Geldbörse der ahnungslosen Kundschaft, wenn es diesen auch ein gutes Gefühl vermittelt. Schließlich wollen sie ja, dass es ihren Lieblingen an nichts fehlt. Und ein neues Halfter oder eine Gerte ist schneller gekauft, als ein Jungpferd konsequent erzogen.

Momentan sind wieder viele solcher selbst ernannten Trainer unterwegs. Sie schießen förmlich wie Pilze aus dem Boden und bauen sich online ihre Fanbase auf. Schließlich lässt sich eine Onlinegemeinde schnell von netten Worten und zauberhaften Bildchen beeindrucken.
Also bauen sie schnell eine Homepage und eine Facebook-Seite auf, bestücken sie mit eindrucksvollen Bildern aus dem ‘Training’. Vorzugsweise natürlich Steigbilder mit Wallekleid. Oder aber Liegebilder von Pferden, mit denen man das große Vertrauen dokumentiert. Dazu wird dann noch kurz ein Lebenslauf zusammen geschustert welcher einen guten Eindruck machen soll. Bei welchen Trainern man gelernt habe, wo man überall eine Ausbildung genossen hat usw. Schaut man dann genauer hin oder fragt bei den genannten Trainern wirklich nach, darf man meist herzhaft lachen. Denn die eigentliche Ausbildung war auf einmal nur ein Wochenendkurs. Der Lehrmeister war anscheinend nur aus dem Buch bekannt und der Hof bei dem man als angeblicher Ausbilder tätig war kennt einen nur als Schubkarrenschubse.
Und doch finden auch solche Trainer ihr Publikum.
Aber wie kann das sein?
Eigentlich ganz einfach. Der Pferdebesitzer mit dem knatschigen Jungpferd an der Backe möchte nur eines: Das sein Problem schnell und dauerhaft und ohne viel Aufwand gelöst wird.
Bei einem guten Trainer muss er mitunter:

  • Sein Pferd in einen anderen Stall zum Training geben, weil der Trainer gar keine Zeit hat, X Ställe anzufahren.
  • Er wird nicht nur mit dem Pferd arbeiten, sondern auch mit dem Besitzer. Dieser muss wahrscheinlich sein Verhalten/ seine Erziehung deutlich ändern.
  • Damit rechnen, dass so ein Training für Pferd und Besitzer nicht nur Zeit sondern auch viel Geld kosten wird.
  • Und genau da fangen dann die Zweifel bei den Pferdebesitzern an. Oft wollen sie ihr Pferd nicht aus der Hand geben. Dann ist da die Sorge, ob der Trainer nicht zu streng ist. Nicht zu vergessen das ganze Geld das in Training und in die Pensionskosten fließt, denn auch der andere Stallplatz ist mitunter nicht kostenlos.
    Und schon werden sie empfänglich für die freien Trainer dort draußen. Jene die:
  • So viel Zeit haben das sie in andere Ställe fahren können und das jederzeit.
  • Die nicht viel kosten, aber ein so breites Spektrum von der Tierkommunikation bis zum Problempferdetraining gleichzeitig anbieten können.
  • Die mit großen Worten wie ‘Vertrauen’ werben, aber auch X alternative Trainingsmethoden anpreisen, welche sie angeblich alle beherrschen. Egal in welcher Reit – und Ausbildungsweise.
  • Die endlich erkennen, dass man ein Problempferd hat, statt einem unerzogenen Jungpferd. Ein Grund warum das eigentlich nur verzogene Jungpferd traumatisiert ist, wird sich von unserem Pferdeguru ebenso zügig finden lassen. Denn nur Problempferde machen auch werbemäßig genug her. Außerdem ist der Pferdehalter dann umso leichter zu beeindrucken, wenn das angeblich traumatisierte Problempferd wieder normal reagiert.

Ja diese Wunderheiler sind wahre Pferdekenner, die für alle Probleme eine Lösung haben. Und das noch zu den Dumpingpreisen. Eigentlich sollte man ihnen huldigen!

Oder aber man schaltet seinen Kopf ein und merkt das es keine Wunderheilungen gibt.  Dass eine Pferdeausbildung Zeit und Individualität braucht und keine überstürzten Lösungen. Diese selbsternannten Trainer, Flüsterer und Tänzer sind mit Vorsicht zu genießen. Viele von ihnen haben nur einen Bruchteil der Ahnung, die sie vorspielen. Betrachtet man Bilder, Texte oder Videos dann sieht man oft gnadenlose Selbstüberschätzung und eine völlig andere Selbstwahrnehmung. Jedoch selten gutes und ruhiges Pferdetraining.

Ich kann euch nur raten, haltet euch fern von solchen Trainern und Gurus. Wendet euch lieber den tatsächlichen Problemlösungen der meisten Pferdeprobleme zu:

  • Artgerechte Haltung und Aufzucht
  • Vernünftige Fütterung
  • Eine passende Herde mit gutem Sozialgefüge
  • Konsequente Erziehung
  • Keine Überforderung, weder körperlich noch geistig

Und wenn ihr Hilfe braucht, dann sucht euch einen guten Trainer. Einer der mehr Informationen bietet als eine Facebook-Seite oder eine Kleinanzeige, in einem kostenlosen Internet Portal. Fahrt hin und schaut euch das Training vor Ort an. Gibt es wilde Versprechen oder werden schnelle Erfolge nur anhand einer Ferndiagnose versprochen, dann ist es nicht der richtige Trainer.

Tatsächlich es im Pferdetraining nämlich wie bei einer Diät:
Schnelle Erfolge bringen auf auf lange Sicht nur Frust und Rückschläge. Eine langfristige Umstellung allerdings auch auf Dauer Erfolg. Man darf eben nicht an seinen alten Gewohnheiten fest halten, weder beim Essen noch in der Pferdeausbildung.

In diesen Sinne, wünsche ich euch ein wunderschönes Restwochenende,
flauschige Grüße
Celeste

200915

Die Sorgen eines Pferdehalters

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, es ist euch gut ergangen und ihr genießt das Wochenende? Ich stecke mitten in den Geburtstagsvorbereitungen für meinen Mann. Der Duft seines Lieblingskuchen kommt langsam wie ein Zeichentrickfilm Finger aus dem Ofen gekrochen und stubst mir unaufhörlich auf die Schulter.
Da ich aber noch warten muss, bis er aus dem Ofen darf, vertrödel ich wie immer ein wenig Zeit in den verschiedenen Facebook-Gruppen.

Immer wieder auffällig sind verschiedene Themen, die uns Pferdehaltern Ängste und Sorgen bereiten. Meist sind es Probleme, die unser pferdeunkundiges Umfeld nicht wirklich verstehen kann. Warum wir wirklich so besorgt sind, oder warum uns gewisse Probleme so belasten, die Andere nicht einmal ansatzweise verstehen können.
Und während wir unser normales Umfeld damit nicht belasten wollen, suchen wir den Austausch mit Gleichgesinnten in den Pferdegruppen.

Ein beliebtes Thema im Frühjahr für alle Selbstversorger ist zum Beispiel die Heuernte.

  • Wie wird die Heuernte ausfallen?
  • Wird es genug geben oder wird aufgrund von Heumangel der Preis in die Höhe getrieben?
  • Wie wird die Qualität sein?
  • Wird der Heudealer meines Vertrauens eine gute Ernte haben oder muss ich mir einen anderen suchen?

Und allein dieses eine Thema kann einem Selbstversorger über Wochen und Monate Bauchschmerzen bereiten. Wer kennt es nicht, der ängstliche Blick bei wochenlangen Regen und Unwettern. Oder das bange Hoffen, wenn man weiß das gemäht wurde und man förmlich betet, dass es bis zum Pressen und Einlagern trocken bleibt.
Und fällt die Ernte gut aus, dann tanzt man fast einen Freudentanz und ein Dauergrinsen ist für Tage auf dem Gesicht festgemeißelt. Erscheinen dann die ersten Bilder der gelagerten Heuballen von anderen Personen in den Gruppen, dann freut man sich ebenso für die eigentlich fremden Personen mit.
Man weiß schließlich, welche Sorgen ihnen damit genommen wurden.

Ein ähnlicher Sorgenfaktor sind ebenso Unwetter. Jeder Selbstversorger von uns kennt es. Sobald Unwetter und Orkane gemeldet werden, geht uns der Hintern auf Grundeis.
Obwohl wir wissen, dass …

  • unsere Ställe sicher gebaut sind.
  • unsere Zäune bombenfest halten.
  • die Pferde Unwetter gewöhnt sind.
  • im Offenstall jederzeit raus und rein können.
  • und wir egal, was zerstört wird, es eben wieder aufbauen werden

Das mulmige Gefühl im Magen bleibt.

Und so beobachten wir den Wetterdienst und verbringen Sturm und Orkanzeiten bei den Pferden. Auch das wir nachts raus fahren und alles kontrollieren ist keine Seltenheit. Obwohl wir wissen das eigentlich alles in Ordnung ist. Aber die Sorge quält uns und raubt uns jeden Schlaf. Also kann man auch aus dem warmen Bettchen krabbeln und nachsehen, ob bei der Pferdebande trotz Sturm alles in Ordnung ist. Steht man dann bei Unwetter tropfnass mitten in der Nacht auf der Weide, während die Pferdebande einem nur zugrummelt, ob man denn wenigstens auch etwas Essbares mit gebracht habe, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Der Knoten im Bauch löst sich und die Angst verfliegt. Bis zum nächsten Mal …

Als Selbstversorger plagen uns viele Ängste und Sorgen:

  • Wie wird der Winter?
  • Ist genug Futter vorrätig oder muss ich bei längerem Winter nach odern?
  • Ist der Boden gut genug befestigt für den Winter?
  • Gibt es genug Schattenplätze für den Sommer?
  • Wie wird die Fliegen und Bremsenplage für das Jahr ausfallen?
  • Welche Tierarztkosten werden mir dieses Jahr einen Strich durch den geplanten Stallumbau machen?

und – und – und

Aber auch als Pensionseinstaller lehnt man sich selten einfach zurück und genießt das Leben. Denn auch wenn einem viel Verantwortung und Arbeit gegen ein Entgelt abgenommen wird, so gibt es immer noch genug Dinge die einem Sorgen bereiten können.

  • Wird wirklich nach Anweisung gefüttert?
  • Wie ist die Futter und Streu Qualität?
  • Wie ist die Herdenzusammenstellung?
  • Ist das Stallklima auch für mich als Besitzer erträglich?

Auch das sind nur Beispiele von vielen Sorgen, die ihr sicher alle kennt.

Aber was macht man nun mit all seinen Sorgen die einen täglich begleiten?
Natürlich könnte man sein Pferd unter eine imaginäre Glasglocke packen und vor allem schützen was möglich ist. Aber so ein Leben ist weder für das Pferd noch den Besitzer erstrebenswert. Dennoch sollte man nicht alle Vorsicht schleifen lassen und dem Leben naiv und blauäugig begegnen.

Ich bin daher ein Freund der Absicherung bei Dingen, die möglich sind.

  • Alles versichern, was sich versichern lässt.
    Von der Pferdehaftpflicht über die OP-Versicherung, der Krankenversicherung bis zu Stallgebäuden usw. Bei mir ist sogar die Katze Krankenversichert, denn mir bereitet es ein gutes Gefühl das alle Kosten immer abgedeckt sind und ich kein Sparbuch plündern muss. Denn auch wenn man es nicht glaubt, aber meist kommen dann horrende Kosten zusammen, wenn man es nicht wirklich gebrauchen kann.
  • Bei Selbstversorgern hilft es ungemein wenn man alles Bombensicher baut.
    Sei es das Stallgebäude, das dem Orkan standhalten soll, aber auch die Zäune, die nicht nur aus ein paar Steckpfählen und Litzen bestehen.
  • Oder Ausläufe, die trocken gelegt werden, bereiten keine vorab Sorgen bei schlechtem Wetter im Winter.

Ebenso ist es gut immer einen Plan B für wichtige Dinge zu haben.

  • Sei es ein Ersatzstall, in den man notfallmäßig wechseln kann, falls der Sturm den eigenen zerlegen würde.
  • Ersatzrufnummern der verschiedenen Tierärzte und Hufschmiede, wenn der eigene im Notfall nicht zu erreichen ist.
  • Oder ein anderer Heulieferant, den man als Ass im Ärmel hat, falls dem eigenen Heudealer doch mal der Lagerbestand zur Neige geht.

Auch wenn man Plan B nie nutzen muss, es beruhigt ungemein, wenn man einfach weiß, dass es eine Notfall Lösung gibt.

Ich kann daher nur sagen, überlegt was euch wirklich Sorgen und Bauchschmerzen bereitet. Dann überlegt, wie man diese Situation so optimieren kann, dass es die Situation entschärft und euch Entlastung bringt. Denn alles was gut vorbereitet ist, kostet vielleicht erst Arbeit und Geld, aber wird euch dann das Leben leichter machen.
Es gibt noch genug Dinge im Pferdehalter Leben, die sich nicht vorbereiten lassen, welche uns aber dennoch ungeplant ein Bein stellen werden. Und es reicht völlig, wenn wir uns diesen Dingen widmen müssen, wenn es so weit ist, statt uns noch weiter mit unseren vorab Sorgen zu plagen.

Ich selber sorge mich um viele Dinge, das gebe ich gerne zu. Ich versuche aber alle Sorgen und negativen Gedanken zu sortieren, und entsprechend zu optimieren. Natürlich besitze auch ich das kleine schweinische Teufelchen das bei einem Orkan stichelnd auf meiner Schulter hockt und mir Angst und Sorgen einflüstern will, bis ich mich nachts zum Stall aufmache. Aber bedingt durch meine Vorbereitungen fahre ich nicht mehr voller Angst und Sorge nachts zum Stall, sondern in den Gedanken, das alles in Ordnung sein wird. So kann ich mich mit einem Fingerschnipsen des Teufelchens auf meiner Schulter entledigen. Egal wie wüst der Sturm um mich rum tobt.
Ich möchte keine Glasglocke für meine Pferde, aber ich möchte auch nicht naiv und blauäugig alle Gefahren ausblenden. Also bereite ich mich so gut es geht vor, und der Rest darf dann vom Schicksal ausgewürfelt werden. Und lese ich in den Gruppen das es anderen Personen ebenso geht, dann ist das beruhigend. Schließlich versteht das pferdeunkundige Umfeld so eine nächtliche Tour nicht wirklich.

In diesem Sinne wünsche ich euch Allen sorgenfreie Tage, Wochen, Monate und Jahre.
Und wenn euch die Sorgen doch einmal übermannen, seid gewiss: Ihr seid nicht alleine.

Flauschige Grüße
Celeste

sorgen

Für den Notfall gerüstet?

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Ich hoffe, es ist euch und euren Vierbeinern in dieser Woche gut ergangen? Bei mir war es wie immer eine stressige Woche, ich kenne es nicht anders. Dennoch nutze ich alle freie Zeit, um Stall und Weiden in Schuss zu halten. Ihr kennt das sicher.
Heute bin ich dann – bewaffnet mit Heckenschere am Stil und Rosenschere – über die Weide gewandert und habe die Zäune freigeschnitten. Schnell durfte ich feststellen, dass dieses Jahr wohl das Jahr der Brombeere ist, denn diese sind in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit gewachsen, wie ich es in all den Jahren der Selbstversorgung nicht erlebt habe. Innerhalb von 2 Wochen waren Wege, die vorher frei genutzt werden konnten, mit fingerdicken meterlangen Ranken überspannt.
Normalerweise nutze ich für solche Sachen die große Astschere und pitsche die Ranken auf Abstand von mir weg. Heute war ich aber wieder besonders dämlich, denn ich hatte nur die kleine Rosenschere zur Hand. Und was mache ich? Pitsche eine lange Brombeere kopfüber weg, und diese fällt mir in den Rücken und bleibt an meinem Shirt hängen. O.k., da stand ich nun, hatte eine 2 m lange eklig piksende Brombeerranke an meinem Shirt kleben, nebst das sich meine Haare auch noch darin verfangen hatten. Und egal wo ich hin griff, es pikste und schmerzte.
Sollte mich jemand außer den Pferden gesehen haben, so wird er sicher einen Lachflash bekommen haben. Hatte dieses ›hinter sich nach der piksenden Ranke angeln‹ doch etwas von einem Käfer, der auf dem Rücken liegt, und mit den Füßen in der Luft wedelt. Nur dass ich fluchend vor meinen Pferden hin und her hüpfte, welche mich dabei, wie ich fand, grinsend ansahen. Als ich dann hüpfend und wackelnd, einem seltsamen Tanz gleichend, die Ranke endlich los wurde, hatten meine Hände ein ergiebiges Blutopfer gebracht. Hätte die blöde Brombeere doch gleich sagen können, dass sie ein Blutopfer will. Ich hätte wenigstens noch einen Preis aushandeln können, so z.B. 500 tote Bremsen, welche sich in den Bremsenfallensuizid werfen, oder so.
Na ja egal, bluttropfend aber wenigstens nicht triefend, habe ich dann meine Stallapotheke geplündert und mich erst einmal mit Aluspray versilbert. Das ein oder andere Pflaster machte dann den Look perfekt, und ich konnte in Ruhe weiter arbeiten.

Wie gut das ich immer eine Stallapotheke bei mir im Auto habe. Denn auch wenn der Tierarzt in vielen Situationen unersetzlich ist, so hilft die Stallapotheke in kleineren Versorgungsfällen, oder bei erste Hilfe Massnamen, bis der Tierarzt vor Ort ist. Und so mancher Druckverband hat einem Pferd schon das Leben gerettet.

Sicher gibt es fertige Stallapotheken zu kaufen. So etwas findet man z.B. hier:

Allerdings kann man sie sich auch selber zusammenstellen:

Als Grundlage kann man beispielsweise das Verbandsmaterial aus alten abgelaufenen Verbandskästen nehmen. Diese werfe ich grundsätzlich nicht weg, sondern hebe alles an Kompressen und Verbandsmaterial auf. Man muss natürlich darauf achten das alles steril verpackt bleibt. Auch die Verbandsschere kann man ohne weiteres weiter benutzen.

Ebenso wichtig sind Einweghandschuhe. Diese sollten mehrfach und in verschiedenen  Größen in der Stallapotheke vorrätig sein.

Desinfektionsspray für die Hände sollte auch nicht fehlen. Dieses gibt es in Drogerien als Spray oder Gel. Wahlweise auch als Wischtücher, was auch nie verkehrt ist, um eine Ablagefläche zu reinigen.

Das Fiberthermometer ist ebenso unerlässlich. Dieses sollte immer mit einer Schnur versehen werden, damit es nicht in das ewige Nirwana des Pferdehinterns weg flutscht. Schön ist diese Großtieralternative, die aufgrund Form und Größe ein Verschwinden verhindern soll:

Ich würde dennoch auch dieses Modell in der Hand behalten, oder einen Bindfaden benutzen, denn man weiß nie, welchen Popo-Thermometer-Fetisch das zu behandelnde Pferd hat.

Für das Pferd sollten verschiedene Desinfektionssprays im Notfallkoffer bereitliegen. Ich selber bevorzuge Blauspray

Und Silberspray

Ebenso benötigt man mitunter die Hilfe von Kühlmitteln. Da nicht jeder Stall ein Eisfach besitzt, kann man sie in Form von Salben in den Koffer füllen. Es ist hier wirklich hilfreich, etwas mehr Geld auszugeben und spezielle Pferdeprodukte zu kaufen. Entgegen der meisten Menschen Kühlgele halten die Pferdeprodukte auch speziell auf Fell und sind meist höher dosiert und wirksamer. Der 1 € Shop ist für Kühlgelprodukte daher die falsche Wahl.
Auch interessant sind diese selbstkühlenden Bandagen. Diese kommen ohne Eisfach / Kühlung aus und können sofort benutzt werden. Sicher sind sie nicht ganz kostengünstig aber für einen Notfall sicher sehr geeignet:

Selbstklebende Bandagen sind ebenso ein Muss in der Notfallapotheke. Diese habe ich hier recht kostengünstig in der Großpackung gefunden:

Und ja die Farbe ist wenigstens aufmunternd, wenn das Pferd eh schon verletzt ist. Aber um die rosa Hasser zu beruhigen: Es gibt sie auch in vielen anderen Farben.

Ein Pferdekrankheiten Buch ist nicht nur zuhause als Lehrstoff gut aufgehoben, sondern auch in der Stallapotheke. So kann man schnell etwas nachlesen wenn man unsicher ist, oder sich die Wartezeit auf den Tierarzt verkürzen. Ein schönes Buch dazu ist dieses und sollte in keinem Pferdebücherschrank fehlen:

Babywindeln helfen nicht nur den kleinen Scheißerchen daheim, sondern können wunderbar als Hufverband genutzt werden. Und ja, ich meine die richtigen Windeln, die man in jedem Supermarkt kaufen kann. In Verbindung mit einer Plastiktüte bei Angussachen und Panzertape zum Befestigen bieten sie eine gute Hilfe.

Rivanoltabletten gibt es in jeder Apotheke. Diese eignen sich aufgelöst zur Wundreinigung / Bad, aber auch in Penatencreme aufgelöst als Mittel gegen Kriebelmücken.Hier noch einmal mein Beitrag dazu, wie man Möhrchenöhrchen macht.

Dazu können haltbare Arzneimittel unter Absprache mit eurem Tierarzt in die Notfallapotheke. Aber bitte nur wenn ihr wisst wann und wie ihr sie anwendet!
Bitte bedenkt, die Pferdeapotheke dient nicht als Tierarztersatz, sondern ist lediglich eine Hilfe um erste Wunden zu behandeln und zu versorgen.

Manche Tierkliniken bieten erste Hilfe Kurse für Pferdebesitzer an und ich finde das ist eine tolle Sache. Einfach, damit man fachmännisch gezeigt bekommt, wie zum Beispiel ein Verband angelegt wird, sowie viele andere Sachen. So kann man diese Dinge schon vorab üben und somit in einer Notsituation besonnen, statt kopflos und unerfahren reagieren. Denn auch wenn wir es nicht wollen, Pferde sind wie kleine Kinder und da sind Blessuren einfach nicht ausgeschlossen.

Ich wünsche euch und euren Pferden, dass die Notfallapotheke ungenutzt in der Ecke verstaubt und ihr euch schöneren Dingen widmen könnt.
Dennoch ist es immer gut, für alle Fälle gerüstet zu sein.

Flauschige Grüße
Celeste

Notfallapotheke

Regeln sind keine Ansichtssache

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Irgendwie war diese Woche komplett für den Allerwertesten, denn es gab das ein oder andere persönliche Desaster und nun tippe ich hier mit Grippe und enormen Halsschmerzen. Um das Ganze noch zu toppen hat der Amoklauf in München viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Daher vorab für alle die sich um meine Oompa Loompa/Julia A. Kris sorgten, ihr geht es gut. Dennoch mein tiefstes Beileid an alle betroffenen Familien und Freunde der Opfer. Wir wünschen euch viel Kraft und Hoffnung, und in Gedanken sind wir bei euch.

Aber kommen wir zu dem heutigen Wochenendthema, dieses Mal ein Wunschthema, das mir von mehreren Seiten in privaten Nachrichten ans Herz gelegt wurde. Geschuldet war es nicht einer einzelnen Diskussion, sondern gleich mehreren, da es in den letzten Wochen immer wieder ein akutes Thema war: Pferd am Fahrrad

Um es mal formell auszudrücken:

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Zitat aus § 28 der StVO

(1) Haus- und Stalltiere, die den Verkehr gefährden können, sind von der Straße fernzuhalten. Sie sind dort nur zugelassen, wenn sie von geeigneten Personen begleitet sind, die ausreichend auf sie einwirken können. Es ist verboten, Tiere von Kraftfahrzeugen aus zu führen. Von Fahrrädern aus dürfen nur Hunde geführt werden.

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Eigentlich gibt es daran doch nichts zu rütteln oder zu diskutieren. Die Regel ist eindeutig. Sicher mag es Personen geben, welche diese Regel nicht kennen, daher weise ich gerne in Facebook Gruppen oder Seiten darauf hin, wenn ich wieder über pikante Bildchen oder Aussagen stolpere. Denn es ist nicht nur das die Polizei bei solchen Aktionen ein Bußgeld verhängen darf, sondern auch die Versicherung die sich im Falle eines Unfalles aus der Zahlungspflicht befreien kann. Und das sogar mit Recht. Schließlich hat man fahrlässig gegen ein Verbot gehandelt, und das muss keine Versicherung zahlen, ebenso keine Prozesskosten oder Schadenersatzklagen. Also kommentiere ich (und viele andere besorgten Personen) solche Bilder und Texte immer wieder.

Oh Gott, nun sehe ich schon einige Leser die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mich auf den Mond – oder wahlweise den Scheiterhaufen – wünschen.

Nicht dass ich diese Reaktion nicht öfters erlebe, poste ich auch oft genug meine Meinung zu Freilauf- oder Halsring-im-Gelände-Bildchen. Da gibt es dann positive Reaktionen welche ebenso erklärend sind wie meine. Reaktionen bei denen sich Leser bedanken weil sie bislang nicht wussten welche Auswirkungen ihr unbesonnenes Handeln haben kann. Und Reaktionen mit Ablehnung.

Heidenei was musste ich mir da schon anhören:

  • Spielverderber
  • Jeder muss wissen was er macht
  • Jeder war mal Jung
  • Ich kenne mein Pferd da passiert nix (warum muss ich gerade an das Hundeshirt denken mit *der tut nix*  ?)
  • Ob ich nichts Besseres zu tun habe, als Internet Polizei zu spielen
  • Die große Vertrauenslüge. Hier noch einmal etwas zum Thema Vertrauen von mir
    http://celeste-drake-books.de/tag/vertrauen/ 
  • Getoppt von den persönlichen Beleidigungen wie angeblicher Neid und kein eigenes Leben.

Ja im Internet haben sie alle eine große Klappe …

Nur sollte man doch einmal überlegen, warum Personen wie ich immer wieder Aufklärungsarbeit betreiben. Denn es gibt unheimlich viele Personen, die nicht wissen das man:

  • Kein Pferd neben dem Fahrrad führen darf
  • Kein Pferd in Feld Wald und Flur frei laufen lassen darf
  • Der Halsring ohne Sicherheitszaum keine ausreichende und erlaubte Zäumung ist
  • Pferde nicht von Inlinern aus geführt werden dürfen.

Viele – gerade junge – Mädchen sehen die Bilder im Internet und wollen dem nacheifern. Und die freiheitsliebenden Hippie-Uschies, welche dann auch noch groß tönen, dass man sich den Spaß nicht verderben lassen soll, machen es nicht besser und bestärken die unerfahrenen Mädels. Also bin ich eben der Spielverderber und kläre auf. Das es verboten ist, welche Konsequenzen es haben kann und das man sich mitunter für den Rest des Lebens finanziell ruinieren kann. Nur mache ich das nicht, weil ich ein Besserwisser bin oder neidisch oder weil ich online jemanden ans Bein pushern will.

Ich, und viele andere, machen das um euch und eure Pferde zu schützen!

Jeder darf auch mal eine Regel nicht kennen, aber es liegt an euch wie ihr darauf reagiert, wenn man euch darauf hinweist. Niemand ist fehlerlos und auch ich war schon froh, wenn ich auf ein unbewusstes Fehlverhalten hingewiesen wurde.

Und mal neben bei ein Gruß an die Befürworter dieser unsinnigen Aktionen. Jene, die noch fröhlich Bilder posten, obwohl man schon darauf hingewiesen hat, das es verboten ist: Ihr seid diejenigen, die sonst immer so laut aufschreien, wenn man sich nicht an eure Regeln hält. Zum Beispiel Futterverbote, Verbote den Stall zu betreten usw.

Ihr wollt ebenso nicht das jemand einfach unerlaubt eure Pferde nimmt und reitet, etwas anderes als vorgegeben füttert oder die Weidezeiten nicht nach euren Wünschen einhält. Nur um ein paar Beispiele zu nennen. Also stellt ihr Regeln auf, an die sich jeder halten soll, aber selber geht ihr mit anderen Regeln sehr freizügig um. Überlegt bitte das Regeln, gerade offizielle, wie die Straßenverkehrsordnung, keine Einbahnstraße sind. Regeln gelten nicht nur dann wenn es einem gerade in den Kram passt.

Wir Reiter und Pferdebesitzer sollten uns gegenseitig helfen und unterstützen, und nicht noch zu Unsinn und Straftaten ermutigen!

Vor über 15 Jahren war ich auch so knacke blöde und habe mein Pony vom Fahrrad ausgeführt. Allerdings im Privatwald mit schriftlicher Erlaubnis der Stadt. Heute weiß ich, dass auch dieses die Straßenverkehrsordnung nicht aushebelt, und würde es daher nie wieder tun. Wie dankbar wäre ich damals für eine Erklärung statt einer fälschlich gegebenen Erlaubnis gewesen. Nicht weil etwas passiert wäre, sondern weil ich ein sehr regelbewusster Mensch bin.

Ich weiß es aber seit einigen Jahren nun dank des Internets, das es damals noch nicht gab, und habe es auch nie wieder in Betracht gezogen, es wieder zu versuchen.

Wir sollten dankbar sein, dass wir das Internet als große Informationsquelle nutzen können. Also benutzt es bitte nicht um Pferdebesitzer zu Sachen zu verleiten, welche verboten sind. Nutzt euer Wissen und helft lieber mit die anderen Pferdebesitzer aufzuklären und zu schützen. Ich werde auf jeden Fall nicht damit aufhören, auch wenn man mich trotz netter Erklärungen beleidigt oder von Seiten sperrt.

Flauschige Grüße
Celeste

011105

Das Geschäft mit dem Mitleid

 

Hallo meine Flauschehasen, da bin ich wieder. Nun sind wir mitten im Sommer angekommen, das erste Heu ist schon in vielen Ställen gestapelt, und wir genießen das wundervolle Wetter. Natürlich vertreibe ich mir meine Zeit weiterhin mit Arbeiten rund um Stall und Weide, denn als Selbstversorger hört das niemals auf. Dabei teste ich voller Spannung meine neue Akku Strauchschere, die ich am Stil wie eine Sense benutze, um damit meine Zäune freizuschneiden. Aber davon werde ich natürlich erst ausführlich berichten, sobald sie eine längere Testzeit überlebt hat.

Während ich also mit meinem neuen Spielzeug dem Sensenmann gleich die Weide rauf und runter renne, und mir dazu eine schwarze Kutte wünsche, werde ich natürlich immer wieder von den Spaziergängern in Gespräche verwickelt. Nicht dass ich etwas gegen einen Plausch habe, aber gerade zur Sommerzeit häuft sich gerne ein spezielles Thema. Angefangen meist mit einem
»Du hast ja hier ne Menge Platz«
Was ich meist mit einem »Klar und auch viel Arbeit« kommentiere.
Meist folgt dann ein »Im Offenstall bekommst du doch sicher noch was unter oder?«
Und dann weiss ich schon, wie der Hase läuft. Denn das ich keine Einstaller nehme, ist allgemein bekannt. Nein, es sind die Schlachtfohlen, die ich dann auf einmal alle retten soll, schließlich habe ich ja angeblich genug Platz und Zeit.
Denn gerade auf den gängigen Internetportalen verbreiten sich die Bilder der putzigen Fohlen sehr schnell. Und läutet man dann mit der Schlachtungsglocke, kullern die Tränchen, das Herz wird weich, und der Retterinstinkt schlägt zu. In solchen Gesprächen verweise ich dann gerne darauf, dass ich genug Pferde habe, und dankend ablehne. In diesem Moment schaut einen der Gegenüber dann nicht selten an, als sei man ein gefühlsloser Tierquäler, der wohl auch die eigenen Pferde im Bastkörbchen am Fluss aussetzen würde. Also muss ich erklären, dass ich zwar durchaus Platz habe, aber ein junges Pferd trotzdem so einiges an Kosten und Zeit verschlingt. Und mehrere gleich mehrfach. Und nur weil die süßen Fohlen vermeintlich gerettet werden, scheißen sie leider immer noch keine Golddukaten.

So brauchen auch Schlachtfohlen:

  • Den Auslösepreis
  • Den Transport
  • Den Tierarztcheck/gegebenenfalls Behandlung/Kastration

Bevor sie überhaupt erst einmal einziehen.
Dann kommen die laufenden Kosten über Jahre dazu:

  • Einen passenden Stallplatz
  • Passende Ausrüstung
  • Angepasste Fütterung
  • Hufschmied / Tierarzt / Wurmkuren
  • Versicherungen
  • Ausbildung und Training

Das heißt, das kleine Schlachtfohlen das es für ein paar hundert Euro im Internet Ausverkauf gab, kostet viele Tausende Euro allein in den ersten Jahren. Und dann hat man noch nicht einmal darauf gesessen.
Nicht zu vergessen, dass ein Jungpferd eine passende Haltung braucht.
Jungpferde brauchen passende Spielgefährten zum Spielen, toben, raufen, und um spielerisch das Sozialgefüge zu erlernen. Dazu eine ältere Nanny zum Erziehen und die Herde ist perfekt. Leider wird das oft vergessen, da das gerettete Fohlen, ja in den heimischen Stall ziehen soll, statt in einen kostenintensiven Pensionsstall.
Aber ist man sich dessen bewusst und kann und möchte dies alles einem Schlachtfohlen anbieten, dann ist da ja noch der Kaufpreis.
Denn mittlerweile wissen die Züchter und Händler das Geschäft mit dem Mitleid durchaus zu nutzen. So werden sehr oft Fohlen zu vermeintlichen Schlachtpreisen als Abgabepreise beworben. In diesen Fällen haben die Schlachtpreise so viel mit dem Fleischpreis zu tun, wie eine Bordsteinschwalbe mit Jungfräulichkeit.

Machen wir uns doch einmal mit den Fleischpreisen vertraut. Diese sind zwar regional oft unterschiedlich, aber hier einmal ein Anhaltspunkt:

Vollfleischig Warmblut:               0,40 – 0,60 € / KG

Geringfleischige Pferde:             0,20 – 0,40 € / KG

Schlachtpferde 1. Qualität:         0,60 -0,75 € / KG

Und nun rechnet doch einmal, was das Wunschfohlen so wiegt. Abzüglich Knochen und Teilen, die nicht verwertet werden können, abzüglich einer Gebühr für die Fleischbeschau durch den Veterinär. Viel übrig bleibt da für den Schlachter nicht. Wer dann 500 – 1000 € für ein Haflingerfohlen, oder 1000 – 2000 € für ein Kaltblutfohlen als angeblichen Schlachtpreis auf den Tisch legt, dem kann ich nur sagen: Sorry, du wirst über den Tisch gezogen.

Denn diese Preise zahlt niemals ein Schlachter, allerdings die mitleidigen Pferdebesitzer schon.

Von daher: Augen auf beim Pferdekauf!

Auch wenn das Herz blutet, lasst euch nicht über den Tisch ziehen. Verhandelt ruhig noch einmal, indem ihr den aktuellen Fleischpreis nennt. Bargeld, das man auf den Tisch legt, ist übrigens auch immer ein sehr überzeugendes Argument.

Aber bitte seid euch bewusst das ihr mit jedem Freikauf diese Schlachtpferde Zucht weiter unterstützt. Denn für jedes freigekaufte Leben rückt ein anderes nach, denn der Fleischmarkt will bedient werden. Und je mehr freigekauft werden, umso mehr Nachschub wird produziert. Denn Mitleid zusammen mit dem Heiligenschein der Rettung verkaufen sich einfach zu gut.

Wenn ihr euer Herz an ein Schlachtfohlen verschenkt verstehe ich das.  Aber bitte sorgt für eine passende Haltung ein Pferdeleben lang. Denn nur weil man gerade Platz hat ist es nicht gleichzeitig auch eine geeignete Aufzuchtstelle für ein Jungpferd. Ich sage klar, mein Pferdebestand reicht mir so wie er ist völlig, da ich mir meiner Verantwortung ihnen gegenüber absolut bewusst bin.

In diesem Sinne flauschige Grüße
Celeste

schlachtpferd